Sonderschule - Stadt Wien weist Diskriminierungsvorwurf zurück

Wien (APA) - Die Stadt Wien hat den Vorwurf von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) zurückgewiesen, wonach in Wien behinderte Jugendlic...

Wien (APA) - Die Stadt Wien hat den Vorwurf von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) zurückgewiesen, wonach in Wien behinderte Jugendliche bei der Schulwahl diskriminiert würden. Der Antrag auf ein elftes oder zwölftes Schuljahr für behinderte Jugendliche an den Pflichtschulen werde nur abgelehnt, wenn ihnen eine sinnvolle Alternative angeboten werden könne, heißt es auf APA-Anfrage.

Im laufenden Schuljahr sei das Ansuchen um ein elftes Schuljahr bei 167 von 169 Schülern genehmigt worden, erklärt der Wiener Landesschulinspektor für Inklusion Rupert Corazza. Von den 95 Ansuchen auf ein zwölftes Schuljahr seien 50 positiv beschieden worden.

Für jene Jugendlichen, die nicht weiter die Pflichtschule besuchen dürfen, habe man stattdessen einen Platz im Rahmen der Ausbildungsgarantie bis 18 gesucht. Seit zwei Jahren laufe das System der Jugendcoaches voll an, bei dem jeder Betroffene in der neunten Schulstufe intensiv individuell beraten wird, was er im kommenden Schuljahr machen kann. „Für die Kinder, für die außerschulische Optionen (Tagesstruktur, Werkstätten etc., Anm.) möglich sind, werden die auch ergriffen.“ Gegen den Willen der Eltern würden solche Entscheidungen allerdings nicht getroffen, versichert Corazza. „Da muss man dann einen Lebensplan für den Jugendlichen entwickeln.“

Die Pflichtschule (v.a. Volks-, Neue Mittel-, Sonderschule) ist in Österreich nur bis zum neunten Schuljahr vorgesehen, vom Finanzministerium gibt es auch nur für diese Dauer Geld. Auf ein zehntes Schuljahr gibt es ebenfalls ein Recht (und eine teilweise Finanzierung), das elfte und zwölfte Schuljahr an den Pflichtschulen sei allerdings nicht vom Finanzministerium bedeckt. Deshalb gebe es darauf auch kein Anrecht, sondern nur die Möglichkeit, einen Antrag zu stellen. Die Stadt Wien als Schulerhalter könne dieses folglich „nur anbieten, wenn es nicht zu sehr auf Kosten der anderen Schuljahre geht“, so Corazza. Außerdem gebe es für Schüler, die die Schulpflicht absolviert haben, außerschulische Maßnahmen. Oft sei Schule auch nicht der ideale Ort für einen 17- oder 18-Jährigen, um sich auf einen Berufseinstieg vorzubereiten.

Wien habe hier übrigens keine Sonderrolle: Auch in den anderen Bundesländern gebe es kein Recht auf ein elftes oder zwölftes Schuljahr an den Pflichtschulen, es müsse immer ein Antrag an Schulbehörde und Schulerhalter (meist die Gemeinden) gestellt werden. Dass Karmasin und manche Elternvertretern ein Recht auf ein elftes und zwölftes Schuljahr fordern, unterstützt Corazza prinzipiell - allerdings nur, wenn es dafür die Ressourcen vom Finanzministerium gebe. Außerdem müsse dann auch eine integrative Beschulung behinderter Jugendlicher an den AHS und BMHS ermöglicht werden. Dort werden derzeit nur ganz selten Schüler mit körperlicher oder seelischer Beeinträchtigung beschult.


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