Bericht kritisiert Versäumnisse von Israels Regierung im Gaza-Krieg

Jerusalem (APA/AFP/dpa) - Ein am Dienstag vorgelegter amtlicher Bericht zu Fehlern der israelischen Regierung im Gazakrieg von 2014 beschein...

Jerusalem (APA/AFP/dpa) - Ein am Dienstag vorgelegter amtlicher Bericht zu Fehlern der israelischen Regierung im Gazakrieg von 2014 bescheinigt Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und seinen Generälen gravierende Versäumnisse bei der Vorbereitung des Waffengangs. Die Untersuchung ging unter anderem der Frage nach, ob bei der Planung des Krieges Geheimdienstwarnungen unterschätzt wurden.

Dabei ging es insbesondere um die Rolle von Tunneln, die die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen grub und die ihr bei Angriffen wichtige Dienste leisteten.

In dem in zweijähriger Arbeit zusammengestellten Bericht heißt es: „Die politisch und militärisch Verantwortlichen und die Geheimdienste waren über die von den Tunneln ausgehende Gefahr unterrichtet und hatten sie sogar als ‚strategisch‘ definiert.“ Doch die als Antwort auf diese Gefahr unternommenen Aktionen hätten dieser Definition nicht entsprochen.

Der Regierungschef, der ehemalige Verteidigungsminister Moshe Yaalon und der damalige Generalstabschef versäumtem demnach, Kabinettsmitglieder mit „bedeutsamen und grundlegenden Informationen“ zu versorgen, die diese für eine angemessene Einschätzung der Lage im Gazastreifen vor dem Krieg benötigt hätten. Auch die Armee hätte durch entsprechende Unterlassungen über keine „Operationspläne zur Bekämpfung von Tunneln in städtischen Gebieten“ verfügt.

Die „Times of Israel“ berichtete, es sei zudem zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb von Netanyahus engstem Ministerkreis gekommen. Das rund 200 Seiten umfassende Gutachten wurde unter Federführung des Staatskontrolleurs Yosef Shapira erstellt, der für die Kontrolle von Staatsausgaben und Regierungsführung zuständig ist.

Netanyahu wies die Kritik in dem Bericht zurück. „Wir haben der Hamas den schmerzhaftesten Schlag in ihrer Geschichte zugefügt“, betonte er am Dienstag über Twitter. Seit dem Gaza-Krieg sei die Lage in den israelischen Ortschaften im Grenzgebiet so ruhig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Netanyahu betonte, seine damalige Regierung habe sich sehr ausführlich mit der Bedrohung durch die Hamas-Angriffstunnel befasst. Damit widersprach er den Aussagen in dem Bericht.

Geheimdienstminister Israel Katz sagte, man habe bereits die Lehren aus dem Gaza-Krieg gezogen. „Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen und uns auf die zukünftigen Bedrohungen zu konzentrieren - Iran, Hisbollah, Hamas und Globaler Jihad“, sagte Katz nach Angaben eines Sprechers.

Die Ermordung drei jüdischer und eines arabischen Jugendlichen hatte im Sommer 2014 eine Gewaltspirale in Gang gesetzt. Im Gazakrieg wurden nach UNO-Angaben 2251 Palästinenser getötet, 100.000 weitere wurden obdachlos. Auf israelischer Seite starben damals 74 Menschen, fast alle von ihnen Soldaten.


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