„Paradise“: Anohni vereint Aktivismus und Pop auf neuer EP - Popnews

Wien (APA) - *...

Wien (APA) - *

Nachdem die Transgender-Musikerin Anohni 2016 das erste Album unter ihrem neuen Namen präsentiert hat, folgt am 17. März die Veröffentlichung der zweiten Zusammenarbeit mit Oneohtrix Point Never und Hudson Mohawke: „Paradise“. Am 2. April gastiert die Künstlerin in der Elbphilharmonie Hamburg, das Konzert ist bereits ausverkauft. Laut der britischen Labelgruppe Beggars Group sei die kommende EP „ein weiterer Beleg dafür, dass sich eine Kombination aus tanzbarer Popmusik und aktivistischem Diskurs nicht ausschließt“. Im dystopischen Titelsong setze sie sich mit der Entfremdung des Menschen von der Erde auseinander und wende sich gegen die von US-Präsident Donald Trump veranlasste Leugnung des Klimawandels, so Anohni.

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Nach zahlreichen Coveralben kehrt die amerikanische Punk-Cabaret-Ikone Amanda Palmer in diesem Frühjahr mit einem neuen Album zurück: „I can spin a Rainbow“ nennt sich das Projekt, das die Sängerin gemeinsam mit ihrem musikalischen Jugendhelden Edward Ka-Spel von der britisch-niederländischen Band The Legendary Pink Dots aufgenommen hat. Es ist das erste Album mit neuem Material seit „Theatre is Evil“ im Jahr 2012. Seither hat Palmer u.a. eine CD mit Klaviercovers dieser Platte („Piano is Evil“), ein David-Bowie-Tribute-Album und ein Folk-Album mit ihrem Vater aufgenommen. Das neue Material bringt die Ehefrau von Starautor Neil Gaiman im Frühjahr auch für ein Konzert nach Wien. Am 16. Juni spielen Ka-Spel und Palmer im Porgy & Bess. Das Album erscheint am 5. Mai.

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Das Debütalbum „Sprained Ankle“ der amerikanischen Musikerin Julien Baker erschien bereits Ende 2015 bei 6131 Records, nun wird es ab 17. März von Matador auch weltweit vertrieben, nachdem es auf der Jahresbestenliste der New York Times platziert worden war. Das Album ist ruhig gehalten, Bakers klare Stimme schwebt von reduzierten melancholischen Klängen und eingestreuten Effekten getragen direkt ins Ohr des Hörers, durchbricht aber manchmal laut und emotional die Schwerelosigkeit. All jene, die sich selbst von der jungen Sängerin überzeugen lassen wollen, können dies im Mai und Juni bei ihrer Europatour tun, die Baker beispielsweise nach Berlin und München führt.

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Im Vorjahr hat Oliver Steger sein Debüt als Romanautor gegeben. Für „Jazz und Frieden“ (Verlag Wortreich) hat der Bassist nun eine musikalische Entsprechung vorgelegt, wobei er dies mit gleich zwei Formationen umsetzte. Als Album auf den Titel „Jazz and Peace“ hörend, hat Steger gemeinsam mit S.O.D.A. (mit Lise Huber an den Vocals) sowie Triotonic und Sängerin Marina Zettl insgesamt 14 Titel zusammengestellt, die die Idee des Buchs weitertragen. Das kommt mal verspielt und beschwingt, dann nachdenklich und in Moll-Tönen gehalten daher, stets aber mit viel Gefühl und transparent in der Produktion. Live wird die CD am 3. März im Wiener Radiokulturhaus vorgestellt.

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An spannenden R‘n‘B-Künstlern, die sich keinen Deut um Genregrenzen scheren, gibt es derzeit keinen Mangel. Dennoch sticht der Brite Sampha Sisay, der als Musiker nur seinen Vornahmen benutzt, aus der Masse heraus: Auf seinem Debüt „Process“ verknüpft er luftige Songstrukturen mit sehr viel Melancholie, bindet tanzbare Beats spröder Ausformung in seine Popperlen ein, ohne das Endergebnis verwaschen erscheinen zu lassen. Allen voran das großartige „Blood On Me“ besticht durch seine einnehmende Melodie, die Reduktion im Sound und die Dringlichkeit seiner Vocals. Damit kann der Mann, der bereits mit Kanye West, Solange oder Drake zusammengearbeitet hat, vollends überzeugen.

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Alison Krauss hat ihr erstes Soloalbum seit 17 Jahren herausgebracht. „Windy City“ wartet nicht mit Bluegrass auf, vielmehr interpretiert die US-Sängerin Country-Klassiker wie Glen Campbells „Gentle On My Mind“ oder Brenda Lees „Losing You“. So spannend wie etwa „Raising Sand“ (2007), die Zusammenarbeit mit Robert Plant (Led Zeppelin), ist die Kooperation mit dem Produzenten Buddy Cannon nicht ausgefallen. Aber Krauss‘ Stimme überzeugt auch bei routinierten Coverversionen.

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Gitarre und Schlagzeug reicht. Gut, ein bisschen Gesang ist da auch noch dabei. Aber mit prinzipiell einfachen Mitteln versteht es das Duo Johnossi, eine gehörige Soundwand aufzuziehen. John Engelbert und Oskar „Ossi“ Bonde exerzieren das seit gut zehn Jahren, nun ist kürzlich mit „Blood Jungle“ ihre neueste Platte erschienen. Stampfende Rhythmen, große Refrains, staubiger Blues - da stimmt vieles, ist man irgendwo immer noch im Alternative-Bereich zuhause, versteht sich aber auch auf das kleine Einmaleins des Stadionrock. Am 2. März bringen Johnossi den ins Wiener Flex.


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