Forschung mit Familienanhang mitten im Eismeer

Straßburg (APA/dpa) - Die „Vagabond“ kann, was große Schiffe nicht können: Als nur 15 Meter langes Forschungsschiff taugt sie für Expedition...

Straßburg (APA/dpa) - Die „Vagabond“ kann, was große Schiffe nicht können: Als nur 15 Meter langes Forschungsschiff taugt sie für Expeditionen in abgelegene Regionen. Das Besondere: der Familienanhang. Kapitän Eric Brossier lebt mit seiner Frau und den beiden Töchtern an Bord.

Alle Besetzungsmitglieder, die immer nur zeitweise hinzu kommen, quartieren sich damit nicht nur in winzige Kajüten ein, sondern quasi mitten ins Leben einer französischen Familie auf hoher See in der Arktis. Der Fernsehsender Arte zeigt die Dokumentation „Expedition ins Eismeer“ am Samstag (22.00 Uhr).

Der 53-minütige Film ist ein Wechsel aus klassischer Wissenschaftsdoku und Alltagsszenen eines ungewöhnlicheren Familienlebens. Im Winter steckt die „Vagabond“ über Monate im Packeis fest. Für die Kinder baumeln Schaukeln dort, wo sonst Segel befestigt sind. Sie besuchen eine Schule in einem kleinen Ort im Inuit-Territorium im Norden Kanadas. Trinkwasser wird aus Gletscherbruchstücken gewonnen. Die angeketteten Hunde sollen vor Bären warnen. Und die Menschen müssen aufeinander achten, damit bei Minusgraden aus einem Kältegefühl keine Erfrierung wird.

Brossier und seine Frau übernehmen mehrere Auftragsarbeiten für Forscher, messen etwa die Eisdicke an verschiedenen Stellen. Geophysiker Christian Haas von der Universität im kanadischen York kommt sogar persönlich für solche Probebohrungen vorbei.

Die Dokumentation legt ihren Schwerpunkt aber auf ein Vorhaben von Haas und seinem Kollegen Jochen Halfar, der an der University of Toronto Mississauga als Klimatologe unter anderem mit jahrhundertealten korallinen Rotalgen arbeitet. Die bilden beim Wachsen ähnlich wie Bäume Jahresringe. Die Vermutung der beiden Professoren: Dort, wo die Eisschicht dicker ist und sich im Winter länger hält, wachsen die Algen langsamer. Der Abstand der Ringe müsste also enger sein als bei schneller wachsenden Exemplaren. Die Ergebnisse könnten sehr hilfreich für die Meeresforschung sein, sagt Haas. Er verspricht sich etwa bessere Prognosen für den Klimawandel.

Die Regisseure Pia Grzesiak und Dirk Weiler begleiten das Duo, die Familie von Kapitän Brossier und ihre Helfer über Wochen bei der Expedition ins Eismeer - ein paar Tage Seekrankheit inklusive. Der Film zeigt Bilder unter Wasser, wenn Taucher die begehrten Rotalgen von Felsen abschlagen. Und er zeigt Eindrücke aus dem Leben in den Kajüten. Hinzu kommen computeranimierte Erklärsequenzen, die etwa Methoden zum Messen der Eisschichtdicke erläutern.

Die Autoren machen auch kein Hehl aus den Problemen bei der Expedition. Seien es welche auf wissenschaftlicher Seite wie schlechte Algenausbeuten. Seien es solche auf nautischer Seite wie widriger Seegang und unberechenbare Wetteraussichten. Trotz der vergleichsweisen kurzen Zeit gelingt es den Machern so, einen umfassenden Einblick zu geben. Und der Zuschauer erfährt am Ende auch, ob das Forschungsvorhaben von Haas und Halfar geglückt ist.


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