Kriegsfotograf der anderen Art

Die erste Personale von Magnum-Fotograf Bruno Barbey in Österreich im Innsbrucker BTV-FO.KU.S.

© Bruno Barbey

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Der in Marokko geborene französische Fotograf Bruno Barbey ist seit Jahrzehnten weltweit dort, wo es gerade „brennt“. Bei den Studentenunruhen 1968 in Paris genauso wie im Vietnamkrieg oder bei blutigen Bürgerkriegen in Afrika. Trotzdem wehrt sich der 76-jährige Magnum-Fotograf gegen das Etikett, ein Kriegsfotograf zu sein. Jedenfalls kein üblicher, ist auf seinen Bildern doch kein einziger Toter zu finden, ersetzt durch ausdrucksstarke, allgemeingültige Metaphern für die Absurdität kriegerischer Logik. Wenn er etwa die von düsteren Wolken überwölbten brennenden Ölfelder Kuwaits als ultimatives Bild endzeitlicher Apokalypse zeigt.

Im vergangenen Jahr widmete das Pariser Maison Européenne de la Photographie Barbey eine große Retrospektive, aus der im FO.KU.S nun eine repräsentative Auswahl zu sehen ist. Die eindrucksvoll vorführt, wie der Fotokünstler tickt, wie er die Welt sieht, wie er denkt. In den 60er-Jahren noch in Schwarzweiß, seither in Farbe. Obwohl der große Henri Cartier-Bresson die Farb­fotografie hasste, sie als unkünstlerisch, vulgär empfand.

Für Barbey ist die Farbe dagegen das ideale Medium, die ganz spezielle Stimmung eines Ortes bzw. Moments einzufangen. Oft in der Form von Strukturen und Mustern, die Länder als unverwechselbaren Ausdruck ihrer Kultur bzw. spezieller Lebensart prägen. Wobei Barbey im Abstand von vielen Jahren immer wieder gern an dieselben Orte zurückkehrt. Um ihren Wandel zu dokumentieren, etwa den, den China seit Beginn der Kulturrevolution durchgemacht hat. Gipfelnd in dem jüngsten Bild der Schau, das 2015 entstanden ist und schunkelnde Chinesen bei einem Bierfest in einer der explodierenden Megacities zeigt. In anderen Gegenden der Welt scheint die Zeit dagegen stillzustehen: etwa in der alten marokkanischen Königsstadt Fès, in die es Barbey immer wieder zieht.

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