70 Jahre Ehe: „Das Wichtigste ist die Liebe“

Antonia und Stanislaus Höllwarth feierten kürzlich das seltene Fest der Gnadenhochzeit. Die Liebe des rüstigen Ehepaares hält trotz zahlreicher Schicksalsschläge auch nach 70 Jahren noch an.

Antonia und Stanislaus Höllwarth am gestrigen Mittwoch in ihrem Zuhause. Ernsthaft gestritten hätten sie nie, sagen sie.
© Dähling

Von Angela Dähling

Aschau i. Z. –Hoch oben auf rund 1000 Metern Seehöhe sind sie auf ihrem Leitinger Hof im Aschauer Ortsteil Tiefenbach nicht nur topographisch dem (siebten) Himmel nah. Der knapp 90-jährige Stanislaus Höllwarth und seine 88-jährige Gattin Antonia Höllwarth sind auch sonst ein Beispiel dafür, wie man bis ins hohe Alter seine Liebe jung halten kann – und das über sieben Jahrzehnte lang.

Das Paar in jungen Ehejahren.
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Am 17. Februar feierten die beiden das seltene Fest der Gnadenhochzeit. „Als wir 1947 heirateten, war das nur montags möglich. Und weil wir das jüngste Paar waren, mussten wir als Erstes getraut werden – um dreiviertel sechs in der Früh“, erinnert sich Stanislaus und strahlt seine Antonia an. Ausschlafen war für die zwei aufgrund ihrer Landwirtschaft ohnehin niemals ein Thema. Damals waren die beiden noch auf der gegenüberliegenden Talseite oben am Distelberg zuhause und an diesem tief verschneiten Februartag vor 70 Jahren marschierten sie zu ihrer Hochzeit zu Fuß zur Stummer Kirche ins Tal. „In Zillertaler Doggln, die Hochzeitsschuhe hatte ich in der Tasche dabei. Eine Straße ins Tal gab es da noch nicht“, erzählt Antonia. Ihren Stanis kannte sie seit Schulbeginn. „Aber während der Schule haben wir an Hochzeit nie gedacht“, erzählt sie. Für die anderen Mitschüler sei dagegen schon damals klar gewesen, dass die beiden zusammengehören. Wie Recht sie hatten. Im Fasching 1946 funkte es dann richtig zwischen den beiden. „Damals feierte man alles zuhause. Gasthäuser gab es kaum. Es wurde zuhause mit Nachbarn musiziert, gegessen und getrunken“, erzählen sie. Ein Jahr später wurde geheiratet und im selben Jahr kam mit Alois das erste Kind der beiden auf die Welt. Die drei Töchter, Theresia, Margarethe und Paula, die in den Jahren 1953, 1956 und 1962 das Licht der Welt erblickten, krönten das Eheglück. Inzwischen zählen 12 Enkel und 18 Urenkel zur Familie.

Es gab praktisch keinen Tag, an dem die beiden getrennt waren, es gab aber auch keine Urlaube, von Auslandsreisen ganz zu schweigen. „Das wäre nicht gegangen bei acht Hektar Feld, die mit der Hand zu bewirtschaften waren“, sagen sie und verweisen auf Kühe, Schweine und Hühner, die versorgt werden wollten. Ausflüge nach Südtirol oder auf die Insel Mainau waren erst im Rentenalter mit dem Pensionistenverband möglich. Gemeinsam bewältigten sie etliche harte Schicksalsschläge: Tochter Margaretha schied mit 22 Jahren aus dem Leben, ein herzkranker Enkel wachte mit 24 Jahren nicht mehr auf, ein Schwiegersohn hatte einen tödlichen Autounfall. Das schweißte zusammen. „Den Gedanken, sich zu trennen, gab es nie“, sagt Antonia und Stanislaus gesteht: „Ich liebe sie noch immer wie am ersten Tag. Und sage es ihr auch.“ Antonia lächelt. „Ich konnte ihm immer vertrauen und weiß genau, er ist nie fremdgegangen“, sagt sie. Gerührt verfolgen Tochter Paula, deren Tochter Michaela samt der jüngsten Urenkelin des Gnadenhochzeitpaares die Unterhaltung. Das Leben der vier Generationen unter einem Dach ist es, das die beiden Rentner fit hält. Wobei Stanis als 17-Jähriger dem Tod im Zweiten Weltkrieg von der Klinge sprang und im hohen Alter sowohl Darmkrebs und zuletzt vor zwei Jahren einen Krebstumor unter der Zunge überstand. „Die Ärzte sagten zur mir: ‚Du bist ein Wunder, Stanis‘“, erzählt er. Das größte Wunder für ihn aber ist die Liebe. „Glaube, Hoffnung, Liebe – davon ist die Liebe eindeutig das Wichtigste“, sagt er und Antonia nickt zustimmend.

Urenkelin Valentina, Enkelin Michaela und Tochter Paula leben mit Antonia und Stanislaus im oberen Stock des Zweifamilienhauses.
© Dähling

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