Studie: Chancen für Kinder im deutschen Schulsystem verbessert

Gütersloh (APA/AFP) - Die Chancen für Kinder im deutschen Schulsystem haben sich einer Untersuchung zufolge verbessert. Es gibt weniger Schu...

Gütersloh (APA/AFP) - Die Chancen für Kinder im deutschen Schulsystem haben sich einer Untersuchung zufolge verbessert. Es gibt weniger Schulabbrecher und mehr Maturanten (Abiturienten), auch der Ausbau der Ganztagsschulen und Inklusion geht voran, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Schüler mit und ohne Förderbedarf lernen zunehmend gemeinsam.

Gleichzeitig bleiben die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern groß und wuchsen demnach zuletzt sogar. Außerdem hängt der schulische Erfolg noch immer sehr stark von der sozialen Herkunft ab. Für den „Chancenspiegel 2017“ untersuchte die Bertelsmann-Stiftung zusammen mit Forschern der TU Dortmund und der Universität Jena, wie sich nach dem Pisa-Schock die Schulsysteme der Länder zwischen 2002 und 2015 entwickelten.

Seit 2002 sank der Anteil der deutschen Schulabbrecher demnach von 9,2 auf 5,8 Prozent. Es gibt auch mehr Maturanten. Während damals nur rund 38 Prozent der Schüler die allgemeine Hochschulreife erwarben, verlassen heute etwa 52 Prozent die Schule mit der Matura.

Auch das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Förderbedarf setzt sich mehr und mehr durch. Während 2002 lediglich jeder achte Förderschüler eine reguläre Schule besuchte, ist es heute bereits jeder dritte.

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Da allerdings zugleich die Zahl der Förderschüler steigt, werden heute anteilig fast noch genauso viele junge Menschen wie 2002 separat unterrichtet. Damals gingen 4,8 Prozent aller Schüler auf eine Förderschule, heute sind es 4,6 Prozent.

Zudem gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. So besuchen beispielsweise in Bremen nur 1,5 Prozent der Schüler eine Förderschule, in Mecklenburg-Vorpommern sind es noch fast sieben Prozent.

Ein ähnlich differenziertes Bild zeigt sich bei den Ganztagsschulen, die insgesamt weiter im Aufwind sind. Während in Sachsen 80 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule besuchen, sind es in Bayern nur 15 Prozent. Insgesamt besuchen heute knapp 40 Prozent der Kinder ganztägig eine Schule - 2002 waren dies erst zehn Prozent.

Ob Kinder und Jugendliche im deutschen Schulsystem erfolgreich ihren Weg gehen, hängt aber nach wie vor sehr stark von ihrer sozialen Herkunft ab. So liegen beispielsweise Neuntklässler aus sozioökonomisch schwächeren Milieus in Sachen Lesekompetenz mehr als zwei Schuljahre hinter Klassenkameraden zurück, die in wirtschaftlich besser gestellten Familien aufwachsen.

Auch ein Migrationshintergrund kann noch immer den schulischen Erfolg erschweren. Während der Anteil aller Schüler ohne Schulabschluss insgesamt sank, stieg der Anteil der Gruppe ausländischer Schüler ohne Abschluss zuletzt wieder leicht auf 12,9 Prozent.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, sprach von einem Warnsignal. Es bleibe eine große Herausforderung, Jugendlichen zumindest einen Hauptschulabschluss zu ermöglichen - gerade, wenn sie als Flüchtlinge erst spät ins deutsche Schulsystem einstiegen.


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