US-Regisseur Rob Reiner wird 70

Los Angeles (APA/dpa) - Rob Reiner ist vor allem als Regisseur von Hitklassikern wie „Harry und Sally“, „Misery“ und „Eine Frage der Ehre“ b...

Los Angeles (APA/dpa) - Rob Reiner ist vor allem als Regisseur von Hitklassikern wie „Harry und Sally“, „Misery“ und „Eine Frage der Ehre“ bekannt. Doch spätestens seit dem Wahlsieg von Donald Trump macht er als lautstarker Aktivist von sich reden. Reiner, der am Montag (6. März) seinen 70. Geburtstag feiert, nimmt kein Blatt vor den Mund.

„Trump ist ein krankhafter Lügner“, wetterte Reiner kürzlich beim Sender MSNBC nach der ersten Rede des US-Präsidenten vor dem Kongress. „Nichts, was er sagt, kann man glauben.“ Trump habe keinen blassen Schimmer, wie man regiere und wie die Welt funktioniere. „Wenn wir hier in Hollywood uns einen Witz-Präsidenten ausdenken müssten und mit so einer Figur herkämen, würde jeder sagen ‚Das ist lächerlich‘ - niemand könnte so einen Präsidenten erfinden‘“, frotzelte Reiner.

Auf Twitter teilt der Regisseur noch härter aus. „Wenn dieses Kapitel unserer Geschichte vorbei ist, werden diejenigen, die diesen lügenden, narzisstischen, gefährlichen Trottel unterstützt haben, dies tief bedauern.“ Das stellte Reiner mit dem Hashtag #trumprussia Ende Februar ins Netz. Seit der Wahl des Republikaners meldet sich Reiner fast täglich auf Twitter zu Wort.

In Hollywood-Kreisen ist Reiner seit langem als streitbarer Liberaler bekannt. So machte er sich 1998 in einer Volksabstimmung für eine höhere Tabaksteuer in Kalifornien stark. Die Mehreinnahmen fließen staatlichen Gesundheitseinrichtungen und Betreuungsstätten für Kleinkinder zu. Zudem kämpfte der vierfache Vater jahrelang für die Einführung der Homo-Ehe.

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Auch seine neuesten Filme sind politischer Natur. Mit Woody Harrelson hat er gerade „Shock and Awe“ abgedreht. Es geht um eine Gruppe Journalisten, die 2003 vor dem Irakkrieg angebliche Geheimdienst-Berichte über Saddam Husseins Besitz von Massenvernichtungswaffen hinterfragen. Reiner holte Harrelson zuvor auch in „LBJ“ in der Rolle des Kennedy-Nachfolgers Lyndon B. Johnson vor die Kamera. Die Polit-Biografie über den Südstaaten-Demokraten soll noch in diesem Jahr in die Kinos kommen.

Mit der Leinwand hatte Reiner gewissermaßen von klein auf zu tun. Sein Vater Carl inszenierte den Detektiv-Streifen „Tote tragen keine Karos“ und glänzte in der Gauner-Komödie „Ocean‘s Eleven“ als Trickbetrüger. Mutter Estelle war Sängerin und Schauspielerin. Von der New Yorker Bronx zog die Familie in den 1960er Jahren nach Beverly Hills.

Schon als Teenager stand Rob Reiner vor der Fernsehkamera. Der erste Erfolg kam mit der TV-Sitcom „All in the Family“. Reiner war nicht einmal 30 Jahre alt, als er nach dem eigenen Drehbuch die Rock-Satire „This Is Spinal Tap“ inszenierte. In seinem Regiedebüt spielte er selbst mit.

Nach der Verfilmung des Stephen-King-Romans „Stand By Me - Das Geheimnis eines Sommers“ (1986) stieg er in die Riege von Hollywoods gefragten Regisseuren auf. Mit „Harry und Sally“ lieferte er 1989 einen echten Leinwand-Höhepunkt. Billy Crystal und Meg Ryan glänzen als beste Freunde, die sich am Ende ineinander verlieben. Unvergesslich ist eine Restaurant-Szene, in der Ryan beim Lunch einen lauten Orgasmus vortäuscht.

Mit „Misery“ wagte sich Reiner 1990 ins Horror-Genre. Wieder knöpfte sich der Regisseur eine Vorlage von Stephen King vor, in der ein Bestsellerautor (James Caan) einer wahnsinnigen Verehrerin (Kathy Bates) in die Hände fällt. Mit dem Militärdrama „Eine Frage der Ehre“ mit Tom Cruise, Jack Nicholson und Demi Moore holte sich Reiner eine Oscar-Nominierung für den „Besten Film“, unterlag am Ende aber Clint Eastwoods „Erbarmungslos“. In der romantischen Komödie „Hallo, Mr. President“ schickte er Michael Douglas als Präsident der USA eine Öko-Lobbyistin (Annette Bening) an den Hals.

Jack Nicholson legte in „Das Beste kommt zum Schluss“ seine Eitelkeit ab. Reiner zuliebe schlüpfte er in ein Krankenhaushemd und zeigte seinen blanken Po. Nicholson und Morgan Freeman spielen zwei todkranke Männer, die sich, aus der Klinik entlassen, mit letzter Kraft ins turbulente Leben stürzen. „Es ist ein Film über das Leben und nicht über den Tod“, stellte der Regisseur klar.

Doch das brisante Thema machte den Filmemacher bei den Dreharbeiten im Jahr zuvor doch nachdenklich. „Ich halte mich für eine sehr junge alte Person“, sagte er 2007 der „New York Times“. „Doch dann kommen Gedanken wie ‚Wieviele Filme werde ich noch machen können?‘. Wenn ich Glück habe, vielleicht noch fünf“. Sechs weitere Filme hat Reiner seither schon abgedreht, darunter die lockere Pensionisten-Romanze „Das grenzt an Liebe“ mit Michael Douglas und Diane Keaton.


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