„Ich gehöre nirgends mehr hin!“ - Salzburg Museum mit Zweig-Schau

Salzburg (APA) - Anlässlich des 75. Todestags von Stefan Zweig erinnert das Salzburg Museum mit der Ausstellung „Ich gehöre nirgends mehr hi...

Salzburg (APA) - Anlässlich des 75. Todestags von Stefan Zweig erinnert das Salzburg Museum mit der Ausstellung „Ich gehöre nirgends mehr hin!“ an den Schriftsteller, der bis 1934 in Salzburg lebte und von hier ins Exil aufbrechen musste. Im Zentrum stehe Zweigs letztes Werk „Schachnovelle“, sagte Klemens Renolder, Ausstellungskurator und Leiter des Stefan Zweig Centre, am Donnerstag bei einem Presserundgang.

Am 22. Februar 1942 nahm sich Zweig in Brasilien das Leben. Zuvor hatte er viele Jahre im Exil den Untergang Europas mitverfolgt. In der „Schachnovelle“ setzt sich Zweig mit den politischen Verhältnissen in seiner Heimat auseinander. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Wiener Hotel Metropole, das ab 1938 die Gestapo-Leitstelle war.

Die Ausstellung, die als „Stefan Zweig - Abschied von Europa“ schon im Jahr 2014 im Wiener Theatermuseum zu sehen war, wurde von Renolder und dem Wiener Künstler und Bühnenbilder Peter Karlhuber für Salzburg neu konzipiert. „Wir wollten auch an die Zeit, die Zweig in Salzburg hatte, erinnern“, sagte Renolder. Im Jahr 1919 war der Schriftsteller nach Salzburg übersiedelt und hatte eine Villa am Kapuzinerberg bezogen. In dieser Zeit erlangte er mit seinen Romanen Weltruhm. Fotos zeigen Zweig im Cafe Bazar, bei den Festspielen oder im Garten auf dem Kapuzinerberg. Bilder von der Bücherverbrennung auf dem Residenzplatz und Zeitungsausschnitte machen aber deutlich, dass Salzburg damals alles andere als eine Idylle war.

„Zweig hat sich in seiner Zeit in Salzburg wenig über das herrschende politische Klima geäußert“, sagte Renolder. Doch im Exil berichtete er Freunden in Briefen darüber, wie sehr er unter den politischen Verhältnissen gelitten hatte.

Umzugskartons mit Fotos leiten von der Salzburger Zeit des Schriftstellers in den Untergang Europas. In schwarzen und weißen Vitrinen auf einem nachgebildeten Schachbrett werden viele kaum bekannte Briefe, Dokumente, Fotos und Bücher gezeigt. „Wir wollen nicht nur den literarischen Text behandeln, sondern auch das historische Umfeld beleuchten“, erläuterte Renolder.

Im Zentrum der in einem Ausstellungsraum untergebrachten Schau steht ein großes Modell des einstigen Grandhotels Metropole. An Hörstationen wird der Besucher mit den bedrückenden Erzählungen von Opfern der Gestapo, die in diesem Haus gefoltert worden waren, konfrontiert. Angesprochen werden in den Vitrinen auch Themen, die für Zweig in seiner Zeit im Exil eine Rolle spielten: seine Freundschaft mit Sigmund Freud, seine Zusammenarbeit mit Richard Strauss oder sein Engagement für ein geeintes Europa.

(S E R V I C E: „Ich gehöre nirgends mehr hin! Stefan Zweigs ‚Schachnovelle‘ - Eine Geschichte aus dem Exil“, 3. März bis 28. Mai 2017, Salzburg Museum, Neue Residenz, Mozartplatz 1, www.salzburgmuseum.at)


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