Snapchat-Mutter Snap steht kurz vor dem Börsendebüt

San Francisco (APA/AFP) - Mit Spannung fiebert die Mutter des Messengerdienstes Snapchat, Snap, ihrem Börsendebüt am Donnerstag entgegen. Zu...

San Francisco (APA/AFP) - Mit Spannung fiebert die Mutter des Messengerdienstes Snapchat, Snap, ihrem Börsendebüt am Donnerstag entgegen. Zu je 17 Dollar (16,14 Euro) sollen die Aktien zum Handelsbeginn an der New Yorker Wall Street ausgegeben werden, teilte das US-Unternehmen am Mittwochabend mit.

Es ist der größte Börsengang eines US-Technologieunternehmens seit dem sozialen Netzwerk Facebook im Jahr 2012 - und wird in der Branche von den möglichen nächsten Kandidaten genauestens beobachtet.

Mit je 17 Dollar liegt der Ausgabekurs sogar noch über der zuvor angegebenen Preisspanne von 14 bis 16 Dollar. Insgesamt sollen mindestens 200 Mio. Snap-Aktien an der Börse gehandelt werden. Das erst 2011 gestartete Unternehmen erwartet damit Einnahmen von rund 3,4 Mrd. Dollar und wird nach dem Börsengang mit 24 Mrd. Dollar bewertet.

Der Börsengang steigert das Vermögen der beiden sehr jungen und ohnehin schon reichen Gründer Evan Spiegel und Bobby Murphy. „Forbes“ schätzt ihr Vermögen aktuell auf jeweils 4 Mrd. Dollar. Der Börsengang bringt beiden Geld, Kontrolle über ihr Unternehmen müssen sie aber nicht abgeben - denn es handelt sich um Aktien ohne Stimmrecht.

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Während Evan Spiegel häufig als das Gesicht von Snap gilt, wird Robert „Bobby“ Murphy als das Hirn des Unternehmens bezeichnet. Über den 28-jährigen Technikchef ist nur wenig bekannt. Spiegels goldene Kindheit in Pacific Palisades, einem schicken Stadtteil von Los Angeles, seine ausgelassenen Studentenpartys und seine Beziehung zu Top-Model Miranda Kerr sorgten dagegen schon für reichlich Schlagzeilen.

Anders als andere Tech-Unternehmen ist Snap nicht im Silicon Valley zu Hause, sondern weit entfernt am touristischen Strand von Venice in Los Angeles. Von dort aus ist der Messengerdienst Snapchat mit seinen wieder verschwindenden Botschaften in den vergangenen Jahren zum Hauptkonkurrenten von Facebook aufgestiegen. Ein Übernahmeangebot des sozialen Netzwerks von 3 Mrd. Dollar lehnten Murphy und Spiegel im Jahr 2013 ab.

Snapchat war 2011 zunächst unter dem Namen Picaboo gestartet, wurde aber rasch umbenannt. Die Anwendung zählte bereits im Jahr 2012 täglich mehr als eine Million Nutzer, inzwischen wuchs diese Zahl auf 158 Millionen. Sie verschicken laut Börsen-Unterlagen täglich 2,5 Mrd. „Snaps“ genannte Botschaften in 20 verschiedenen Sprachen.

Allerdings hat Snap trotz des erfolgreichen Messengerdienstes bisher noch nie schwarze Zahlen geschrieben. Laut öffentlichen Unterlagen zum Börsengang machte Snap im vergangenen Jahr einen Verlust von 515 Mio. Dollar, der Umsatz lag bei 404 Mio. Dollar. Es sei möglich, „dass Profitabilität nicht erreicht oder gehalten wird“, hieß es in den Papieren.

Auch bei der Werbetour für den Börsengang fiel es dem Unternehmen schwer, die - meist älteren - Investoren zu überzeugen. Diese äußerten Zweifel zu den Zukunftsperspektiven von Snap - und mussten auch noch per Video die einzelnen Funktionen von Snapchat erklärt bekommen.

Und auch weiterhin bleiben viele Analysten skeptisch. Viele erinnern sich an den Kurzbotschaftendienst Twitter, der bei seinem Börsengang im November 2013 noch pro Aktie 26 Dollar einspielte. Der Kurs kletterte wenige Monate später auf fast 70 Dollar, liegt heute aber nur noch bei 16 Dollar.

Gerade deshalb wird nun der Börsengang von Snapchat von anderen Technologiefirmen kritisch beäugt. Gelingt er, könnten noch andere große Namen sich aufs Börsenparkett wagen. Uber, Airbnb und Spotify halten sich bisher noch zurück.


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