Zypries beriet sich wegen US-Handelspolitik mit deutscher Industrie

Berlin (APA/Reuters) - Die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sucht vor einem ersten Treffen mit dem neuen US-Handelsmini...

Berlin (APA/Reuters) - Die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sucht vor einem ersten Treffen mit dem neuen US-Handelsminister Wilbur Ross den Schulterschluss mit der deutschen Wirtschaft. Ministeriums-Kreise bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag einen „Handelsblatt“-Bericht, wonach sich Zypries am Vortag mit Repräsentanten der wichtigsten Wirtschaftsverbände getroffen hat, um über mögliche Folgen der künftigen US-Politik zu sprechen. In einem Reuters vorliegenden Brief an Ross vom 18. Februar betonte Zypries die enge wirtschaftliche Verflechtung. Zu einem ersten Treffen in den USA könnte es im Mai kommen.

An dem Gespräch mit Zypries nahmen unter anderem Vertreter des Industrieverbandes BDI, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), des Außenhandelsverbandes BGA, der Verbände der Automobilindustrie (VDA) und der Chemischen Industrie (VCI) sowie der American Chamber of Commerce teil. Die Sitzung habe dem Meinungsaustausch gedient, hieß es in einem der Wirtschaftsverbände: „Alle Beteiligten sind sich einig, dass man für Freihandel werben muss.“ Man habe Zypries erneut deutlich gemacht, dass Deutschland betroffen wäre, wenn US-Präsident Donald Trump seine Abschottungspolitik umsetze. Die Branchenexperten hätten zudem auf die Bedeutung der USA als größter Exportmarkt verwiesen. Die Wirtschaft habe insgesamt den Eindruck, dass Zypries ihre Position verstanden habe und ihre Interessen gut vertreten werde: „Die Bundesregierung weiß sehr wohl, wie die Interessenlage in der Wirtschaft ist.“

Unter dem Motto „America first“ hatte Trump eine Wende weg von internationalen Vereinbarungen hin zu bilateralen Handelsabkommen eingeleitet. Sein Chefstratege Steve Bannon hat die neue Linie der US-Regierung als „ökonomischen Nationalismus“ bezeichnet. So ist in der US-Regierung unter anderem im Gespräch, Importe in die USA durch Änderungen im Steuerrecht deutlich zu verteuern, US-Exporte ins Ausland dagegen steuerfrei zu stellen.

In ihrem Brief an Ross schrieb Zypries, rund 670.000 Arbeitsplätze und 3.000 Niederlassungen in den USA gingen auf deutsche Investitionen zurück. Die deutschen Direktinvestitionen in den USA beliefen sich 2015 auf rund 256 Mrd. Dollar (251,6 Mrd. Euro) - besonders in Schlüsselindustrien wie industrielle Maschinen, Automobilteile, Software und IT. „Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, Handelshemmnisse im transatlantischen Handel abzubauen und uns in geeigneter Form auf Standards und Normen in der Weltwirtschaft zu einigen“, schrieb die Ministerin.

Zypries hatte bereits eine Reise in die USA angekündigt, aber noch keinen Termin genannt. Nach Informationen von Reuters richten sich die Planungen des Ministeriums derzeit auf den Mai.


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