NÖ Prozess 2 - Betroffener kann sich nicht an Tatablauf erinnern

Krems (APA) - Er könne sich nicht gut daran erinnern, was sich damals im Waldviertel abgespielt hat, meinte der Betroffene. Bis Ende 2008 ha...

Krems (APA) - Er könne sich nicht gut daran erinnern, was sich damals im Waldviertel abgespielt hat, meinte der Betroffene. Bis Ende 2008 habe er eigentlich gar keinen Kontakt mit seinem Nachbarn gehabt. Auf die Frage, welche Hinweise auf dessen mögliche Gefährlichkeit er denn damals gehabt habe, wusste er keine Antwort außer seiner Krankheit. Nur soviel: Er sei nicht in Tötungsabsicht ins Waldviertel gefahren.

Dann sei er rund eine Stunde neben dem Toten gesessen, erzählte er Richter Gerhard Wittmann. Wie er die Leiche wegschaffte, wisse er nicht mehr. Seit er Medikamente nehme, „wurden die Gedanken immer klarer“.

Zur psychiatrischen Behandlung kam es nach einem Vorfall im Schloss Belvedere, wo der Mann im Sommer 2009 einer Angestellten gegenüber erwähnte, sechs Monate zuvor jemanden erschossen zu haben. Vor der Polizei erklärte er dann, das nicht ernst gemeint zu haben. Ein Amtsarzt stellte das Vorliegen einer psychischen Störung fest. Ein Waffenverbot wurde verhängt, dem Mann wurden der Revolver und eine Glock 17 abgenommen.

Seiner Lebensgefährtin fiel die zunehmende Verwirrtheit etwa 2007 auf: „Er hörte irgendwelche Stimmen, stand allein in der Küche und redete...“, erzählte sie im Zeugenstand. Er sei aber nie aggressiv gewesen. Nach dem Vorfall im Belvedere, als er sich ihrer Erinnerung nach einbildete, eine Kollegin sei attackiert worden und müsse geschützt werden, kam er in Behandlung und habe seitdem keine Wahnvorstellungen mehr. Er sei der „liebenswürdigste“ Mensch, den man sich vorstellen könne, und redseliger als früher, nicht mehr so in sich gekehrt. Sie wolle „nichts gutreden, aber er ist ein guter Mensch“, meinte die 48-Jährige. Sie achte darauf, dass er seine Medikamente nehme.

Der Schwager des Betroffenen bezeichnete sich als dessen „Sandkastenfreund“. Man sei gemeinsam ins Waldviertel und auf Urlaub gefahren. Im Zuge seiner Erkrankung habe er sich aber in sich zurückgezogen, zugleich aber krause Geschichten etwa im Zusammenhang mit einem weltweit Schlagzeilen machenden Kriminalfall entwickelt - so bildete er sich etwa ein, Natascha Kampusch befreit zu haben.

Der Gerichtssachverständige Richard Billeth hielt fest, dass der Betroffene zum Tatzeitpunkt zurechnungsunfähig war. Zur Gefährlichkeitsprognose meinte er, das Risiko sei aufgrund der Behandlung gering. Die Punkte für eine bedingte Nachsicht der Einweisung unter Erfüllung strenger Auflagen und Kontrollen seien erfüllt. Da der Betroffene sich in den vergangenen Jahren - sozial gut eingebettet - wohlverhalten habe, wäre ein Maßnahmenvollzug hinter Gittern sogar die schlechtere Variante. Nach diesem Vortrag ging das Verfahren in Richtung Beratung.


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