Eine Spritze reduziert das Herzinfarkt-Risiko

Beim derzeitigen Kardiologie- und Angiologiekongress in Innsbruck diskutieren Experten über eine cholesterinsenkende Antikörperspritze.

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Von Theresa Mair

Innsbruck – 800 Herz-Kreislauf-Spezialisten diskutieren derzeit beim 19. Kardiologie- und Angiologiekongress in Innsbruck über neueste Entwicklungen in der Früherkennung und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im vergangenen Jahr hat sich im Kampf gegen die mit 42 Prozent Todesursache Nummer eins der Österreicher viel getan, wie Innsbrucker Experten gestern im Rahmen der bis Samstag laufenden Tagung schilderten.

Die Kardiologen erwarten einerseits, dass ein Antikörper, der 2016 auf den Markt gekommen ist, in der Lage ist, die Blutfette von Hochrisikopatienten und somit die Herz-Kreislauf-Todesfälle bis 2025 um zehn bis 15 Prozent zu senken.

Andererseits werden zusätzlich zu den bekannten Risiken – Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Rauchen, Diabetes – laufend neue Risikofaktoren identifiziert, wie Günter Weiss, interimistischer Direktor der Uni-Klinik für Innere Medizin III (Kardiologie & Angiologie) gestern sagte.

„Die Harnsäure spielt eine Rolle, aber auch infektiöse Ereignisse wie Influenza und Pulmonie.“

Jeder Risikofaktor für sich allein ist schlecht. „Mehrere Risikofaktoren addieren das Risiko aber nicht nur, es multipliziert sich“, betonte Kardiologe Guy Friedrich. Männer sind häufiger betroffen.

Mithilfe einer Tabelle, die im Internet unter escardio.org heruntergeladen werden kann, ist es möglich, das persönliche Risikoprofil, so genannte Scores, zu errechnen. Beispielhaft schilderte Friedrich, dass ein übergewichtiger 60-jähriger Hochdruckpatient, Raucher und Diabetiker mit Blutfettwerten über 300 ein knapp 50-prozentiges Risiko hat, in den nächsten zehn Jahren einen Herzinfarkt zu erleiden.

Ein Fokus der Tagung ist die Cholesterinsenkung bei Hochrisikopatienten. „Schlechtes“ LDL führt über die Jahre zu Atherosklerose. Durch die Verdickung der Gefäßwand und Atherosklerose können Herz, Gehirn und andere Organe im Laufe der Jahre von der lebenswichtigen Sauerstoffzufuhr abgeschnitten werden, wie Angiologe Peter Marschang erklärt. Seine Abteilung führt eine Studie mit mehr als 300 Patienten durch. Die Untersuchung habe bisher gezeigt, dass eine zusätzlich zu Cholesterintabletten (Statine) zweiwöchentlich verabreichte Antikörper-Spritze – PCSK9-Inihibitor – die LDL-Aufnahme schnell und längerfristig hemmt. Ultraschalluntersuchungen verweisen auf eine Reduktion der Ablagerungen in Hals- und Oberschenkelschlagader führt. Zahlen, inwieweit auch Herzinfarkte dadurch vermindert werden können, werden für Mitte März erwartet.

Die Spritze hat aber auch ein Manko: Sie ist teuer. Deshalb werden die Antikörper bisher nur an Hochrisikopatienten, die bereits ein Herz-Kreislauf-Ereignis erlitten haben, verschrieben. Und nur dann, wenn mit herkömmlichen Medikamenten keine ausreichende Senkung erzielt werden kann oder eine Statinunverträglichkeit besteht, schildert Christoph Ebenbichler (Innere Medizin I) die strengen Vorgaben. Die Österreichische Atherosklerose-Gesellschaft setze sich nun dafür ein, dass Familien, die erblich bedingt an hohem Cholesterin leiden, zur Therapie zugelassen werden. Die Erstverschreibung ist nur in den PCSK9-Zentren in der Innsbrucker Klinik sowie den Krankenhäusern Lienz, Zams und Schwaz möglich.


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