Pleite-Jeansschneider Gebrüder Stitch versuchen es mit Crowdinvesting

Wien (APA) - Die Wiener Maßjeans-Schneider Gebrüder Stitch, die im Vorjahr in die Pleite gerutscht sind, versuchen einen Neustart. Sie haben...

Wien (APA) - Die Wiener Maßjeans-Schneider Gebrüder Stitch, die im Vorjahr in die Pleite gerutscht sind, versuchen einen Neustart. Sie haben im August eine neue Gesellschaft gegründet und wollen sich nun Geld von Kleinanlegern holen. Bis zu 250.000 Euro möchten sie über die Crowdfunding-Plattform Conda einsammeln. Die Fundingschwelle liegt bei 50.000 Euro.

Bis drei Tage vor Ablauf der Kampagne sind 58.100 Euro von 51 Investoren zusammengekommen. Das Projekt wird also finanziert. Kleinanleger zeichnen Nachrangdarlehen an der ants in your pants GmbH, sie können maximal 5.000 Euro und mindestens 100 Euro einzahlen.

Nachranggläubiger sind im Insolvenzfall schlechter gestellt als „herkömmliche“ Gläubiger wie Banken. Sie können theoretisch ihr ganzes Geld verlieren. Wenn es hingegen mit der Firma, an der man beteiligt ist, gut läuft, nascht man kräftig mit.

Bei der Gebrüder-Stitch-Firma erfolgt eine Unternehmenswertbeteiligung am Ende der Laufzeit. Die Zinsen betragen 4,5 Prozent. Auf der Crowdfunding-Homepage wird auf die Gefahren hingewiesen: „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Die Gebrüder Stitch wollen mit dem Geld der Crowd ein Händlernetzwerk aufbauen sowie den Online-Shop und eine Selbstbedienungsschneiderei erweitern, wie sie in einem Newsletter am Donnerstag schreiben. „Damit machen wir Impulskäufern und Kunden außerhalb Wiens ein Angebot.“

Die Gebrüder Stitch GmbH hat im Vorjahr Insolvenz angemeldet. Als Grund gaben die Schneider eine überraschend geplatzte Kapitalerhöhung über 650.000 Euro an. Die Gesellschaft war mit 390.000 Euro überschuldet, die Schulden (Passiva) betrugen 437.000 Euro.

Die aus dem Marketing-Bereich stammenden Gebrüder-Stitch-Gründer Michael Lanner und Moriz Piffl-Percevic haben 2010 eine kleine Hosen-Schneiderei in Wien-Neubau gegründet. 2014 holten sie Investoren ins Boot, nach fünf Jahren übersiedelten sie auf die Mariahilfer Straße.

Danach gingen sie nach Berlin - „und dann voll auf die Fresse“, wie sie auf ihrer Homepage schreiben. Nach der Insolvenz eröffneten Piffl-Percevic und andere neue und alte Gesellschafter im November 2016 neu in der Mariahilfer Straße 101. Nun bieten die Gebrüder Stitch jetzt auch Jeans „von der Stange“ an, die es ab 140 Euro gibt. Für eine Vollmaßjeans sind mindestens 360 Euro zu berappen.

„Das frühere reine Offline-Vollmaß-Angebot war zu schmal, um dauerhaft einen ausreichend attraktiven Markt vorzufinden: Vollmaß-Jeans sind z. B. kein Produkt für TouristInnen oder ImpulskäuferInnen - und vielen Öko-Orientierten waren die Jeans einfach zu teuer“, heißt es auf Conda.

Hinter der neuen ants in your pants GmbH stehen alte Gebrüder-Stitch-Gesellschafter und neue Eigentümer. Die Marke „Gebrüder Stitch“ haben sie aus dem Konkurs der alten gekauft.

Einer der „Gebrüder“, Lanner, ist nicht mehr dabei. Die Mehrheit (57 Prozent) hält der zweite „Bruder“ Piffl-Percevic, wie aus dem Firmenbuch hervorgeht. Weiter mit an Board sind der Business Angel Nicholas Pöschl (19 Prozent) sowie Nikolaus Alm von den NEOS - dieser hält über seine Schmaltz GmbH 15 Prozent und ist auch Aufsichtsrat von Conda. 4 Prozent gehören der Beteiligungsgesellschaft eupraxis von Daniel Jennewein, der u. a. Aufsichtsrat bei Leder & Schuh (Humanic) ist. Der Geschäftsführer der ants in your pants GmbH, Werner Mitteregger, hält 5 Prozent.

Die „Gebrüder“ Lanner und Pfiffl-Percevic sind auch im Wiener Gastro-Bereich aktiv. Pfiffl-Percevic steht hinter dem Kaffee- und Kuchenlokal Vollpension in Wieden. Ein weiteres Projekt Pfiffl-Percevic‘ ist der Stadtheurige „Zum Gschupftn Ferdl“ in Wien-Mariahilf. An diesem war auch Lanner früher beteiligt. Anderer prominenter Gesellschafter ist NEOS-Abgeordneter Josef Schellhorn.


Kommentieren