WKÖ-Vizepräsidentin Schultz: Frauen in der Wirtschaft am Vormarsch

Wien (APA) - Anlässlich des bevorstehenden Frauentags am 8. März hat die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Bundesvo...

Wien (APA) - Anlässlich des bevorstehenden Frauentags am 8. März hat die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Bundesvorsitzende von Frau in der Wirtschaft (FiW), Martha Schultz, ein forderndes Resümee gezogen: Frauen seien zwar in der Bildung auf der Überholspur und in der Wirtschaft auf dem Vormarsch, es bleibe aber noch viel zu tun, um alle Frauen mit ihrem Potenzial weiter zu fördern.

Mittlerweile haben 240 Frauen das Förderprogramm „Zukunft.Frauen“ für Frauen in Führungspositionen absolviert. Frauen seien oft vorsichtiger und wollten sich auf Führungspositionen gründlicher vorbereiten als Männer, dafür würden sie dann auch seltener scheitern, so die Tirolerin Schultz. Der oft geäußerte Vorwand, es gebe halt keine für Führungspositionen geeigneten Frauen, könne mit dem Verweis auf das Förderprogramm und eine Datenbank von Expertinnen aus allen Bereichen leicht entkräftet werden.

Der Seilbahn- und Tourismusunternehmerin ist das Wecken des Unternehmergeists ein großes Anliegen. Bei den Unternehmensgründungen haben Frauen in den letzten Jahren kontinuierlich aufgeholt: So wurden 2016 laut WKÖ-Statistik 44 Prozent aller Unternehmensgründungen von Frauen durchgeführt, dabei sind die selbstständigen Personenbetreuerinnen nicht mitgezählt. Im Jahr 2000 lag der Anteil der Gründerinnen erst bei einem knappen Drittel.

Von allen Gründungen in der Sparte Gewerbe und Handwerk wurde fast jedes zweite Unternehmen (49,55 Prozent) von einer Frau gegründet, ebenso im Handel (48,4 Prozent) sowie in Tourismus- und Freizeitwirtschaft (46,7 Prozent). In der Sparte Information und Consulting wurde fast jede dritte Gründung (30,2 Prozent) von einer Frau vollzogen. Die Unternehmensgründung scheint weitaus überwiegend aus eigenem Antrieb zu erfolgen: Laut einer Motivationsumfrage fühlten sich nur 1,38 Prozent der Gründerinnen und 2,34 Prozent der Gründer in die Selbstständigkeit gedrängt.

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Bei den Einzelunternehmen in Österreich liegt der Frauenanteil bereits bei 37 Prozent bzw. über 114.000 Einzelunternehmerinnen. Vor allem im Dienstleistungssektor liegen Frauen deutlich vorn. Die Fachgruppen mit dem höchsten Frauenanteil sind Friseure (82,4 Prozent Frauen), Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure (80,4 Prozent) sowie Mode- und Bekleidungstechnik (76,3 Prozent).

Deutlich niedriger, aber steigend ist der Frauenanteil in Führungspositionen in der Wirtschaft: Bei den gewerberechtlichen Geschäftsführern sind 15,9 Prozent Frauen, bei den handelsrechtlichen Geschäftsführern 14 Prozent und bei den Aufsichtsräten sind 16,5 Prozent Frauen.

Die WKÖ-Vizepräsidentin will aber auch die Rahmenbedingungen für Frauen in der Wirtschaft - nicht nur Unternehmerinnen und Führungskräfte - verbessern. So gebe es in der Kinderbetreuung bei den Unter-Drei-Jährigen Kindern noch große Defizite, Österreich hinke dem EU-Schnitt hinterher. Eltern hätten keine Wahlfreiheit in der Kinderbetreuung, weil es oft gerade am Land gar keine oder zuwenig Angebote gebe. „Das Wort Rabenmutter gibt es nur in der deutschen Sprache“, meinte Schultz. Kinderbetreuungskosten sollten nicht wie derzeit bis zum 10. Lebensjahr, sondern bis zum vollendeten 14. Lebensjahr steuerlich absetzbar sein. Qualifizierte Kinder- und Jugendlichen-Betreuung helfe gerade den Frauen, die etwa im Tourismus oft am Wochenende oder am Abend arbeiten.

In der Flexibilisierung der Arbeitszeit sieht Schultz eine Chance für Frauen. Ihrer Meinung nach seien Einzelvereinbarungen mit Frauen am besten, um deren Bedürfnissen am besten Rechnung zu tragen. Bei Home Office bzw. Telearbeit sollte der Umgang flexibler sein, die gesetzlichen Vorgaben wie Ruhezeiten seien da oft hinderlich, denn die Frauen wüssten am besten, wann sie arbeiten wollten und könnten, meinte die WKÖ-Vizechefin.

Auch in der Wirtschaftskammer selber gebe es noch viel zu tun. Im Herbst soll die erste Wirtschaftsmission nur für Frauen stattfinden. Schultz will mit Unternehmerinnen und Führungskräften in die Niederlande fahren, um dort neben dem Ausloten von Exportmöglichkeiten und Wirtschaftskooperationen auch Impulse für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einzuholen.

~ WEB http://wko.at ~ APA364 2017-03-02/13:48


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