Bachforelle lebt trotz Muren auf

Der Pianner Fischerverein hat ein einzigartiges Bewirtschaftungsmodell für die Sanna entwickelt. Die Fischpopulation wird selbst gezüchtet, der Verein engagiert sich für die Renaturierung des Gewässers.

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Von Helmut Wenzel

Pians, Kappl –Unwetter, Hagel, Muren, dann tagelang schmutzig-braunes Hochwasser, mit dem Bagger muss tonnenweise Geschiebe aus dem Flussbecken geräumt werden: In der Sanna-Region wiederholen sich derartige Kreisläufe alle paar Jahre. Ist die Fischpopulation damit ausgestorben und die Sanna ökologisch tot? Nicht unbedingt. Doch das ist vor allem dem ehrenamtlich engagierten Fischerverein Bachforelle Pians zu verdanken.

Die Fischerfreunde mit Obmann Andreas Egger und 83 weiteren Mitgliedern haben ein in Tirol nahezu einzigartiges Bewirtschaftungsmodell entwickelt. „Was wir für die Sanna machen, ist sicher auch viel Liebhaberei. Aber anders wäre unsere Form der Bewirtschaftung nicht zu finanzieren“, stellt der Obmann fest.

Starke Säule des nach dem Hochwasser 2005 gegründeten Vereins ist die Fischzucht in Kappl, betreut von Pepi Knoll. Das Know-how hat er sich in zahlreichen Kursen und Seminaren angeeignet. Inzwischen betreibt er die Aufzucht der Bachforelle beinahe wissenschaftlich. Knoll betäubt einen Mutterfisch und streift ihn ab. „Dieser wird dabei keinesfalls getötet.“ Bis zu 4000 Eier werden in Brutrinnen aufgelegt, Qualität und Temperatur des Wassers müssen konstant sein. „Wir haben hervorragendes Quellwasser, das ganze Jahr“, verrät der Fischzuchtexperte. „Weil wir die in der Sanna heimische Bachforelle und nicht fremde Gene züchten, haben wir hervorragendes Besatzmaterial“, stellt Vereinsmitglied Bernhard Weiskopf fest.

Die geschlüpften Fischlarven wachsen zu Kleinfischen heran. Pepi Knoll füttert sie mehrmals täglich mit einem speziellen Nahrungsmittel aus der Dose. „Sie kriegen aber nur so viel, dass sie nicht verhungern“, bemerkt er. Wenn die Kleinen groß genug sind, kommen sie in ein Außenbecken und dürfen dort weiterwachsen. Einige hundert Kleinfische aus der Zuchthütte haben Egger, Weiskopf und Knoll kürzlich in Kübeln zur Trisanna bei Wiesberg getragen und behutsam eingesetzt. „Nur ein kleiner Bruchteil davon überlebt und erreicht normale Größe“, wissen die Pian­ner Fischereifreunde.

Nicht nur die Bachforelle, auch die Äsche soll sich im Lebensraum Sanna entwickeln können. Dabei arbeite man mit dem Tiroler Fischereiverband und der Fischerei in Landeck zusammen. Hindernis sei allerdings eine Rampe am Zusammenfluss der Sanna in den Inn.

Neben Naturkatastrophen wie im September 2016 würden auch Stauraum-Spülungen und Speicher-Entleerungen der Gewässerökologie gröbere Probleme bescheren, weiß man im Verein. Damit die Renaturierung der Sanna gelingt, sei man auf Zusammenarbeit mit den Behörden angewiesen. „Die Kooperation mit der Abteilung Wasserwirtschaft am Baubezirksamt Imst sowie mit der BH Land­eck hat sich bestens entwickelt“, hob Egger hervor.


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