150 Jahre Ausgleich Österreich-Ungarn von 1867

Wien (APA) - Vor 150 Jahren vollzog sich mit dem sogenannten „Ausgleich“ die Schaffung einer Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Es handelte ...

Wien (APA) - Vor 150 Jahren vollzog sich mit dem sogenannten „Ausgleich“ die Schaffung einer Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Es handelte sich in um eine Realunion bestehend aus zwei selbstständigen Staaten mit gemeinsamen Herrscher und einigen gemeinsamen Ministerien bzw. Einrichtungen, die bis zum Zerfall der Monarchie am Ende des Ersten Weltkrieges Bestand hatte.

Zuvor hatten im Gefolge der Revolution 1848/49 auf ungarischer Seite, sowie gescheiterten Staatsreformbemühungen und zwei verlorenen Kriegen (1859 und 1866) auf österreichischer Seite Politiker nach mühsamen Verhandlungen im Frühjahr 1867 einen Ausgleich ihrer politischen Interessen erzielt.

1848 war in beiden Ländern - wie auch anderswo in Europa - eine Revolution ausgebrochen. Diese konnte in Österreich schon bald niedergeschlagen werden, in Ungarn ging sie jedoch bald in einen Freiheitskampf über. Im April 1849 wurde dann die Absetzung des Hauses Habsburg-Lothringen proklamiert und Revolutionsführer Lajos Kossuth (1802-94) als Reichsverweser eingesetzt. Den österreichischen Truppen gelang es erst im Sommer mit russischer Hilfe, den Freiheitskampf niederzuschlagen. Trotz Verwirklichung gewisser Reformforderungen in der Monarchie wurde Ungarn in den folgenden Jahren wie ein erobertes Land behandelt, seine Verfassung aufgehoben und in mehrere Provinzen unter Militärverwaltung aufgeteilt. Auch nach Aufhebung des Besatzungsregimes wurde das Land als Bestandteil der Gesamtmonarchie im Sinne des Neoabsolutismus verwaltet.

Österreichs Grundfrage in der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. war das Problem eines föderalistischen Aufbaus. Versuche, 1860 mit dem Oktoberdiplom eine föderalistische und 1861 mit dem Februarpatent eine mehr zentralistische Lösung zu erreichen, stießen auf entschiedenen, wenn auch passiven Widerstand der Ungarn, die nur einen „ungarischen Zentralismus“ gelten lassen wollten. Die verlorenen Kriege von 1859 (Verdrängung aus Italien) und von 1866 (Verdrängung aus dem deutschen Raum) erzwangen nun eine Verständigung mit den zu allen Zeiten eifersüchtig auf ihre Souveränitätsrechte bedachten Magyaren, jetzt ging es um die Frage dualistischer oder föderalistischer Aufbau.

Erste Gedanken über einen Ausgleich waren in einem von Jozsef Eötvös (1813-71), dem geistigen Führer der ungarischen Reformbewegung, 1859 veröffentlichten Buch niedergelegt worden. Er sprach von einem von ganz Europa gewünschten „starken“ Österreich als Gegengewicht zum russischen Zarenreich, weil dieses Österreichs Schwächung so wie die des Osmanischen Reiches als „Notwendigkeit der russischen Politik“ erachte. Österreich bedürfe einer Verfassung, die die Gleichstellung aller einzelnen Teile zum Gesamtstaat garantiere.

Kaiser Franz Joseph war eher widerstrebend für eine neu zu gestaltende Regierungsform zur Sicherung des Zusammenhalts der Monarchie zu gewinnen. Verärgert war er über die Ungarn, die seine Autorität über ihr Land in den 1850er Jahren nicht anerkannten, die nur durch die Krönung mit der Stephanskrone möglich gewesen wäre. Bei einem Empfang für den Juristen und Politiker Ferenc Deak (1803-76), dem „Weisen Mann des Vaterlandes“, und für seinen Vertrauten, den 1849 wegen Beteiligung an der Revolution zum Tode verurteilten, 1857 aber amnestierten Gyula Graf Andrassy (1823-90) im Jahr 1860 nannten beide die Wiederherstellung der liberalen Verfassung Ungarns von 1848 als Vorbedingung für einen Ausgleich.

Nach der Niederlage von Königgrätz 1866 zeichnete sich klarer denn je die einstige Vision Kaiserin Maria Theresias über die historische Berufung Österreichs ab: „Die Völker zwischen dem homogenen deutschen und dem homogenen russischen Siedlungsraum in der europäischen Mitte unter dem Schutz eines ‚mächtigen Ganzen“ zu vereinen.“ Noch während der österreichisch-preußischen Friedensverhandlungen von Nikolsburg (Mikulov) im Sommer 1866 hatten intensive Verhandlungen unter Federführung Deaks und Andrassys mit Franz Joseph begonnen. In die Verhandlungen schaltete sich auch Kaiserin Elisabeth ein, die wegen ihrer Sympathien für Ungarn dort als die „schöne Vorsehung“ galt. Ihr Faible für den lebenslustigen und temperamentvollen Grafen Andrassy gab zu einigem boshaften Klatsch Anlass.

Jetzt ging alles sehr rasch: am 18. Feb. 1867 wurde im ungarischen Reichstag (Orszaggyüles) das königliche Reskript über die Wiederherstellung der Verfassung von 1848 verlesen. Andrassy wurde zum Ministerpräsidenten ernannt. Am 30. März 1867 unterbreitete Deak in seiner Eigenschaft als Reichstagspräsident dem Gremium das Elaborat über den Ausgleich, das mit 257 Stimmen der Verfassungspartei gegen 117 Stimmen der oppositionellen Unabhängigkeitspartei, in der viele Kossuth-Anhänger saßen, angenommen wurde.

Damit stand der für 8. Juni 1867 angesetzten Krönung von Franz Joseph und Elisabeth zum König und zur Königin von Ungarn in der Matthiaskirche von Ofen (Buda) nichts mehr im Wege. Da in Ungarn nur ein mit der sogenannten Stephanskrone gekrönter Herrscher als Herr im Land galt, rechnen die Ungarn Franz Josephs Regierungszeit nur von 1867-1916, während er in Österreich nach der Abdankung Kaiser Ferdinands I. schon ab 1848 Kaiser war.


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