Die Donaumonarchie nach dem Ausgleich von 1867

Wien (APA) - Der Ausgleich Österreich-Ungarn von 1867 brachte folgendes Ergebnis: Ungarn wurde als gleichberechtigtes Königreich (Transleith...

Wien (APA) - Der Ausgleich Österreich-Ungarn von 1867 brachte folgendes Ergebnis: Ungarn wurde als gleichberechtigtes Königreich (Transleithanien - „Länder der heiligen ungarischen Stephanskrone“) mit selbstständiger innerer Verwaltung und Gesetzgebung der österreichischen Reichshälfte (Cisleithanien - „Die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder“ - „Österreich“ erst ab 1915) zur Seite gestellt.

Die Einheit der Monarchie, vor allem nach außen, war gegeben durch die Person des Kaisers (von Österreich) und Königs (von Ungarn) und durch mehrere gemeinsame Angelegenheiten - Außenpolitik, Heer und Marine, Finanzen, Außenhandel und Zollwesen, sowie die gemeinsame Staatsbank.

Jede Reichshälfte hatte ein eigenes Parlament, sowie eine eigene Regierung mit einem Ministerpräsidenten an der Spitze. Die Reichsverteidigung erfolgte durch das gemeinsame Heer, aber auch der österreichischen Landwehr und der ungarischen Honved.

Am 14. November 1868 hatte Kaiser/König Franz Josef in einem „Allerhöchsten Handschreiben“ den neuen Namen für den Gesamtstaat festgelegt: „Österreichisch-Ungarische Monarchie“. Die gemeinsamen Ministerien (Außen-, Kriegs- und Finanzministerium) und anderen Einrichtungen trugen die Bezeichnung „Kaiserlich(e) und Königlich(e)....“ (k. und k.), die Ministerien und Einrichtungen Zisleithaniens „Kaiserlich(e)-Königlich(e)....“ (Abk. k.k.). In Ungarn lauteten die Bezeichnungen „Königlich(e) ungarische ....(ungar. Abk. m. k.).

Beschlussfassungen über gemeinsame Angelegenheiten erfolgten durch jährlich zusammentretende Delegationen beider Reichshälften, die abwechselnd in Wien und Budapest tagten. Etwa zwei Drittel der gemeinsamen Ausgaben wurden von der österreichischen, ein Drittel von der ungarischen Reichshälfte getragen, wobei der ungarische Anteil im Laufe der Zeit zunahm.

Sofort nach dem Ausgleich hatte der Ungarische Reichstag Bemühungen unternommen, die Selbstständigkeit Ungarns zu erweitern. So wollte man durch Schaffung eigener Industrien die diesbezügliche Abhängigkeit von Österreich weitestgehend reduzieren.

Der Dualismus Österreich-Ungarn, der besonders der herrschenden Klasse Ungarns, den Magnaten, die Vorherrschaft über ihre Reichshälfte sicherte, brachte ihr auch wachsenden Einfluss auf die Außenpolitik der Monarchie, besonders, seit Gyula Andrassy (1871-79) und Gustav Kalnoky (1881-95) gemeinsame Außenminister waren. 1867 war Siebenbürgen nach vorübergehender Trennung wieder mit dem Mutterland vereinigt worden. Kroatien und Slawonien erhielten 1868 durch dien „Kroatischen Ausgleich“ eine beschränkte Autonomie in der ungarischen Reichshälfte.

Doch die liberale Gesetzgebung in beiden Reichshälften konnte die inneren nationalen, sozialen und politischen Spannungen nicht überbrücken - es „krachte beträchtlich im Gebälk der Gesamtmonarchie“. In der österreichischen Reichshälfte sprach man bald von einem „Fortwurschteln“ in der Regierungstätigkeit (ein von Ministerpräsident Eduard Taaffe geprägter Ausdruck). So wie die deutschsprachigen Österreicher in ihrer, waren auch die Ungarn in ihrer Reichshälfte in der Minderheit.

Auch in Ungarn forderten die Nationalitäten immer stärkere kulturelle Autonomie, was von der Regierung in Budapest mit verstärkter Magyarisierung beantwortet wurde. Den Preis dafür mussten die Ungarn im 20. Jhdt. in der Zwischenkriegszeit zahlen, als viele von ihnen durch den Friedensvertrag von Trianon (1920) Bürger von Nationalstaaten der einst von Budapest unterdrückten Völker geworden waren.

Der im Turiner Exil lebende einstige Revolutionsführer Lajos Kossuth bezeichnete den Ausgleich von 1867 als „Verrat an der ungarischen Sache“. Seine Anhänger dominierten die Opposition im ungarischen Parlament und scheuten oft vor Obstruktionen nicht zurück.

Groß war in beiden Reichshälften die Enttäuschung der Slawen darüber, dass man ihnen in der Folge das verweigerte, was den Ungarn 1867 gegeben worden war, ganz besonders unter den Tschechen. Doch die Bemühungen um einen „Ausgleich“ mit Böhmen scheiterten an der Gegnerschaft Ungarns.

Damals hatten noch die eher konservativen „Alttschechen“ und deren prominenter Vertreter Frantisek Palacky (1798-1876) großen Einfluss. 1867, als die Tschechen statt des Dualismus einen Trialismus verlangten, sagte er verbittert: „Der Tag der Ausrufung des Dualismus wird zugleich auch der Geburtstag des Panslawismus in seiner am wenigsten wünschenswerten Form werden.“ Diese Prophezeiung wurde bald in den immer radikaler werdenden Forderungen der „Jungtschechen“ Wirklichkeit.


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