Die Krönung Franz Josephs zum ungarischen König am 8. Juni 1867

Budapest/Wien (APA) - Nach dem nach mühevollen Verhandlungen im Frühjahr 1867 erzielten Ausgleich Österreich-Ungarn stand am 8. Juni desselb...

Budapest/Wien (APA) - Nach dem nach mühevollen Verhandlungen im Frühjahr 1867 erzielten Ausgleich Österreich-Ungarn stand am 8. Juni desselben Jahres die Städte Buda und Pest im Zeichen der Krönung von Franz Joseph zum König von Ungarn.

Kurz zuvor hatte die Opposition im ungarischen Parlament den Staatsakt noch zu verzögern versucht. Sie argumentierte, da in der Abdankungsurkunde von Kaiser Ferdinand (als ungarischer König Ferdinand V.) von 1848 Ungarn nicht erwähnt werde, sei der seither in Prag lebende Ferdinand noch immer rechtmäßiger König von Ungarn. Franz Josephs Thronbesteigung im Dezember 1848 war ungarischerseits nie anerkannt worden.

Obwohl der ungarische Reichstag von 1861 die Abdankung gebilligt hatte, ersuchte der neue ungarische Ministerpräsident Gyula Andrassy Franz Joseph, dem Reichstag die Befugnis zu erteilen, in einem eigenen Gesetzesakt Ferdinands Abdankung auch für Ungarn anzuerkennen. Künftig müsste aber, so Andrassy, der Reichstag in einem solchen Fall kontaktiert und in der entsprechenden Urkunde Ungarn eigens erwähnt werden. Franz Joseph stimmte zu, womit alle Hindernisse für die Krönung beseitigt waren.

Das Krönungszeremoniell fand am 8. Juni 1867 nach jahrhundertealter Tradition unter großer Prachtentfaltung in Anwesenheit aller geistlichen und weltlichen Würdenträger Ungarns statt. Franz Liszt hatte aus diesem Anlass eine eigene Krönungsmesse komponiert. In der Matthiaskirche von Ofen (Buda) setzten beim Klang dieser Messe Andrassy als höchster weltlicher Repräsentant und der Erzbischof von Gran (Esztergom) und Primas von Ungarn, Janos Simor, als höchster Geistlicher des Landes dem vor dem Altar knienden Herrscher gemeinsam die Stephanskrone auf das Haupt. In früheren Zeiten hatte der Palatin (der Repräsentant des Herrschers in Ungarn) zusammen mit dem Graner Erzbischof die Krönung vollzogen.

Es war eine Pikanterie der Geschichte: Andrassy, einst wegen Beteiligung an der Revolution 1848 zum Tod verurteilt und wegen seiner Flucht ins Ausland nur „in effigie“ gehängt, aber 1857 amnestiert, setzte jenem Herrscher die Krone auf, mit dessen Billigung er einst zum Tod verurteilt worden war. Sodann trat er in den Altarraum und rief dreimal „Eljen a kiraly“ (Es lebe der König), was von allen Versammelten wiederholt wurde. Es folgten Salbung und Krönung von Elisabeth mit einer eigenen Krone; mit der Stephanskrone wurde nur ihre rechte Schulter berührt.

Anschließend ritt Franz Joseph auf den Pfarrplatz von Pest, wo er unter freiem Himmel den Eid auf die ungarische Verfassung ablegte und dann auf den mit Erde aus allen (damals) 63 ungarischen Komitaten aufgeschütteten Krönungshügel ritt, wo er die traditionellen Schwertstreiche nach allen Himmelsrichtungen vollzog zum Zeichen, dass er das ungarische Reich vor allen Feinden, aus welcher Richtung sie auch anstürmten, schützen werde. Das anschließende Krönungsmahl fand in der Königsburg von Buda statt.

Das Krönungsgeschenk der ungarischen Nation and das Herrscherpaar war das Schloss Gödöllö östlich von Budapest mit den anschließendenden Jagdgründen, das zu einem Lieblingsaufenthaltsort der Kaiserin/Königin Elisabeth wurde.


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