Skispringen: Heinz Kuttin - Im Erfolg ein stiller Beobachter

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Lahti (APA) - Der Kontrast zwischen seinem Vorgänger und ihm selbst könnte kaum größer sein. Heinz Kuttin, seit 11. April 2014 Cheftrainer der österreichischen Skispringer, ist nun schon drei Jahre im Amt. Der 46-jährige Kärntner freut sich über die Erfolge von Stefan Kraft und Co., ist in Sachen Selbstvermarktung aber ganz anders gestrickt als Alexander Pointner.

Langsam, aber sicher hat sich Kuttin des schweren Erbes von Pointner entledigt. Nicht zuletzt dank der Supertalente Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern war Pointner in seinen zehn Jahren zum erfolgreichsten Skisprung-Coach überhaupt aufgestiegen. Die Superlative eines Pointner, der seine „Superadler“, aber auch sich selbst medienwirksam in Szene setzte, sind Kuttin eher fremd.

„Die Athleten sind im Fokus. Wenn es schlecht geht, ist immer der Trainer gefragt. Da stelle ich mich immer gerne hin, weil ich auch klar analysieren kann in jeder Situation“, sagte Kuttin. Doch nach seinem ersten WM-Gold als ÖSV-Cheftrainer durch Stefan Kraft hielt sich Kuttin im Hintergrund. So erschien er - ganz unüblich - nicht zur ÖSV-Pressekonferenz vor dem nächsten Bewerb. „Die Arbeit machen die Athleten“, erklärte der Kärntner. Nur fünf Tage später sollte Kraft es ihm mit einer weiteren Goldmedaille erneut beweisen.

Kuttin, der sich als Skispringer selbst 1991 in Val di Fiemme zum zweifachen Weltmeister (Einzel Normalschanze und mit dem Team von der Großschanze) gekürt hatte, hat sich auch als Trainer behutsam aufgebaut. International holte er sich als einer der Vorgänger von Stefan Horngacher als Chefcoach der Polen erste Sporen, trainierte dann die deutsche B-Mannschaft und machte von 2008 bis 2014 noch einmal den Schritt zurück in Richtung ÖSV-Nachwuchsarbeit. Dann fühlte er sich reif für die heimische Sprinter-Elite.

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„Ich habe vor drei Jahren angefangen. Du kannst nicht am Anfang etwas, was sehr gut gelaufen ist, von heute auf morgen ändern. Es ist mit mir ein anderer Charakter gekommen“, meinte Kuttin in Vierumäki. „Aber es ist etwas entstanden über die drei Jahre, vor allem heuer sogar extrem stark.“ Im vergangenen Jahr wurde begonnen, mehr gemeinsam mit der Trainingsgruppe zwei zu arbeiten. „Heuer haben wir stark mit der TG 2 und TG3 gearbeitet.“

Diese Ausbreitung bis in den Nachwuchs war auch sein Wunsch. „Von da komme ich her und ich habe gesehen, wie das vorher war. Genau deswegen wähle ich diesen Weg, obwohl er im Sommer für die TG 1 schwierig ist, weil wir immer eine große Gruppe sind. Aber der Spirit des Teams ist ein ganz anderer und es macht irrsinnig viel Spaß, so zu arbeiten.“

Natürlich ist Kuttin in den Jahren auch auf Widerstände gestoßen, hat Kritik einstecken müssen. „Wir wissen, welch schweres Erbe wir angenommen haben und wir sind immer dran geblieben, auch wenn es nicht gut gegangen ist. Jetzt ist es Gott sei Dank so aufgegangen.“ Und auch bei seinen bisherigen Titelkämpfen sei es gut gelaufen. „Wir haben bis jetzt nur eine Medaille nicht gemacht, das war der Mixedbewerb in Falun.“

Kuttin hält - ganz zu ihm passend - wenig von Facebook, Twitter und Co. „Da ist mir meine Privatsphäre und mein Umfeld zu wichtig“, meinte der Vater eines 19-jährigen Burschen und einer 15-jährigen Tochter. „Am wohlsten fühle ich mich in meinen vier Wänden, da werden Probleme mit hineingenommen, dann werden sie besprochen und dann sind sie passé.“ Im Triumph zieht er sich auch gerne zurück. „Ich bin einer, der eher im Stillen genießt, vorne reinpreschen ist nicht meine Art.“

Wenn es gilt, nach außen hin harte Entscheidungen zu treffen, fürchtet sich Kuttin aber nicht. So mag es ihm mancher Gregor-Schlierenzauer-Fan übel genommen haben, dass er den Tiroler für den Individualbewerb von der Großschanze am Donnerstag nicht nominiert hat.

Doch mit Kritik von außen hat Kuttin gelernt, umzugehen. „Es gibt immer wieder Tage, an denen ich mich frage, ‚warum tu ich mir das überhaupt an?‘.“ Wichtig sei es aber, dass man auch in schwierigen Zeiten, wenn von außen Druck komme, bei der Sache bleibe. „Es wäre falsch, wenn es immer schön sein würde. Genau diese Sachen machen dich stärker. Wenn du ganz tief unten bist, wie schön ist das, wenn es wieder aufwärtsgeht.“

Nach zweimal Gold und einmal Silber geht es nun am Samstag im Großschanzen-Teambewerb neuerlich eine Medaille. Ein Edelmetall, das für Kraft und Co. auch in Griffweite liegt. Es wäre wohl das Tüpfelchen auf dem i für Kuttin.


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