Skispringen: Für Kuttin ist Kraft „schon lange“ ein Großer des Sports

Lahti (APA) - Mit Doppel-WM-Gold von der Normal- und der Großschanze ist Stefan Kraft am Donnerstag bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaft...

Lahti (APA) - Mit Doppel-WM-Gold von der Normal- und der Großschanze ist Stefan Kraft am Donnerstag bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Lahti endgültig zum österreichischen Sport-Topstar aufgestiegen. Spätestens seit seinem Vierschanzen-Tourneesieg 2014/15 ist der 23-jährige Salzburger schon in den Beliebtheitswerten weit oben, nun entwickelt er sich zu einer rot-weiß-roten Sportgröße.

Für Cheftrainer Heinz Kuttin ist Kraft dies nicht erst seit den Triumphen in Finnland. „Für mich ist er das schon lange. Titel unterstreichen das natürlich“, meinte der Kärntner im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur unmittelbar nach Doppelgold seines Schützlings. „Wenn man den Charakter von Stefan kennt, sieht, wie hart er arbeitet und wie er dann auch noch die Coolness hat, im letzten Moment noch einen draufzusetzen. Das macht ihn zur Zeit noch stärker.“

Kraft hebt von der Schanze zu Höhenflügen ab, als Mensch ist er davon aber weit entfernt. „Ja, danke ans Familienumfeld“, sagte Kuttin zu diesem Umstand befragt. „Es ist eine ganz wichtige Geschichte, wie man zu Hause aufwächst, wie man lernt, mit Leuten umzugehen.“

Der achtfache Weltcup-Sieger wirkt nie besonders angespannt oder genervt, nimmt sich abseits auch Zeit für diverse Videos für die Facebook-Community. So ließ er sich von Pressebetreuer Florian Kotlaba beim Shopping für das Springer-Haus filmen, oder führte den ORF launig durch die Bleibe der Österreicher in Vierumäki.

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Sein Zimmer teilt er sich auf Tour seit Jahren mit seinem Kumpel Michael Hayböck. Und obwohl er als Elfter einen Einser mehr voranstehen hatte als Kraft, staunte der Oberösterreicher nur so über den „Kraftakt“ und freute sich mit. „Unglaublich, dass man das so zusammenbringt. Hut ab! Er bringt es einfach momentan so auf den Punkt, vor allem, wenn es darauf ankommt. Er macht nicht die Überdrüber-Sprünge im Training, er hat auch bescheiden angefangen“, schilderte Hayböck.

Doch sobald bei Kraft die Wettkampfspannung kommt, klickt bei dem Salzburger ein Schalter um. „Wenn er merkt, jetzt geht es um was, auf einmal ‚bamm‘, sind die genialen Sprünge da. Das ist das, was sich jeder wünscht, und das legt er momentan in Perfektion an den Tag.“

Hayböck sieht Kraft nun als ernsthaften Konkurrenten für Marcel Hirscher für den „Sportler des Jahres“: „Ich glaube, dass er ganz gute Chancen haben wird, weil wenn er so weiterspringt - und davon gehe ich momentan aus, dann wird er den Stoch schon noch einholen.“ Der Mixed-Vizeweltmeister spricht den Gesamt-Weltcupsieg an, Kraft liegt nur 100 Punkte hinter dem Polen auf Rang zwei.

Auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel kam, und sah Kraft siegen. Der erst am Donnerstag angereiste Tiroler verfolgte im Auslauf den Triumph des Schanzenkönigs von Lahti. „Er ist der Erste, der auf der Groß- und Kleinschanze die Goldene macht, aber es war schon sehr knapp. Wenn man da raufschaut, da kommt einem das Schaudern“, sagte Schröcksnadel zur APA. Vergleiche mit Gregor Schlierenzauer oder Toni Innauer wollte er aber nicht ziehen. „Das tut man nicht. Er ist heute der Beste und dafür sind wir froh, wir gratulieren ihm. Die Nerven musst erst haben. Wir sind überglücklich“, meinte Schröcksnadel in fast „kaiserlicher“ Manier.

Auch wenn der Vorsprung mit 1,3 Punkten Vorsprung auf Andreas Wellinger knapp war, Cheftrainer Kuttin wollte da gar nicht darauf eingehen. „Egal, ob ein Zehntel oder zehn Punkte - unter dem Strich ist das Niveau so hoch, man sieht wie eng es beieinander ist.“ Und ließ seiner Bewunderung für den Lauf Krafts noch einmal freien Lauf. „Es ist unglaublich, der Stefan springt seit Wochen in einer Form und fängt nie an nachdenken. Auch wenn das Training nicht so hundertprozentig läuft. Er macht das mit so einer Überzeugung dann im Wettkampf. Ja, das ist sein Verdienst, dass er da die Geschichte für Österreich schreibt.“

Kuttin sieht in Krafts seit Wochen gezeigter Konstanz eine Parallele zum Weltcupsieger und „Überflieger“ der vergangenen Saison. „Für mich ist er eigentlich ähnlich wie der Peter Prevc die letzten Jahre agiert hat.“

DSV-Trainer Werner Schuster, dessen Schützling Andreas Wellinger mit Mixed-Gold und zweimal Silber in den Einzelbewerben auch ein Star dieser WM ist, freute sich über den „Riesenerfolg“. „Sie haben sich nichts geschenkt, da steht es jetzt 2:1. Stefan hat die zwei richtigen Wettkämpfe gewonnen. Stefan Kraft springt super sauber, macht einen picobello Telemark, und hat sich das absolut verdient“, lobte auch der Vorarlberger den Doppel-Weltmeister.


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