Als Rollstuhlfahrer auf die Piste

Mit speziell angefertigten Monoski ist Skifahren auch für Rollstuhlfahrer möglich – etwa für Martin Margreiter aus Kirchberg. Der 49-Jährige weiß, was ein Skigebiet in Sachen Barrierefreiheit bieten muss.

Martin Margreiter aus Kirchberg sitzt seit 2007 im Rollstuhl. Seitdem ist er mit dem Monoski unterwegs.
© Margreiter

Von Miriam Hotter

Kitzbühel –Der 19. Jänner 2007 hat das Leben von Martin Margreiter auf den Kopf gestellt. Der damals 39-Jährige war gerade mit Reparaturarbeiten auf einem Dach beschäftigt, als ihn plötzlich eine Windböe erfasste. „Dadurch wurde ich mit der Dacheindeckung über den First auf das gegenüber liegende Garagendach geschleudert“, erinnert sich der Spenglermeister. Im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass er sich den zwölften Brustwirbel gebrochen hatte. Die Diagnose: Querschnittlähmung.

Martin Margreiter
© asgd

Ein harter Schlag für den zweifachen Familienvater. „Es war eine Katastrophe.“ Vor allem die Schmerzen machten dem leidenschaftlichen Skitourengeher zu schaffen.

Doch Margreiter ließ sich nicht unterkriegen. „Das Skifahren mit meiner Familie war mir wichtig. Das wollte ich nicht aufgeben.“ Im November desselben Jahres meldete er sich deshalb für einen Behindertenskikurs im Kaunertal an. Seitdem macht der Kirchberger mit einem speziell angefertigten Monoski die Pisten unsicher.

Julia Schleehauf aus Stuttgart
© wg

Der Monoski ist in der Regel ein normaler Carving-Ski. Für Rollstuhlfahrer wird auf der Bindung ein möglichst individuell angepasster Sitz mit einem gefederten Gestänge montiert. Der Monoski wird mit so genannten Skikrücken und Bewegungen im Oberkörper gelenkt.

Laut Tirol Werbung gibt es 13 geprüfte Monoskigebiete in Tirol: Hahnenkamm Reutte, Hintertuxer Gletscher, Kaunertaler Gletscher, Mayrhofner Bergbahnen, Schlick 2000, Serfaus-Fiss-Ladis, Silvretta Arena Ischgl, Ski Juwel Alpbachtal Wildschönau, Skiregion Hochoetz, Stubaier Gletscher und Venet Bergbahnen, die Bergbahn Kitzbühel und die Steinplatte Waidring. Zu den Bewertungskriterien gehören u. a. gekennzeichnete Behindertenparkplätze, für Monoski geeignete Sessellifte und rollstuhlgerechte Zu- und Abgänge.

Aber auch nicht zertifizierte Skigebiete bieten Möglichkeiten für Monoskifahrer, wie eine kleine Umfrage unter den Skigebieten im Bezirk ergab. „Alle Zu- und Abgänge sind auch bei uns barrierefrei“, sagt etwa Anita Baumgartner von der SkiWelt Wilder Kaiser – Brixental. Während dort vor allem Sessellifte vorzufinden sind, nutzen Monoskifahrer bei der Bergbahn Pillersee vorzugsweise die Schlepplifte im Tal, sagt Geschäftsführer Harald Günther. „Dort trainiert auch regelmäßig ein Verein, der sich für die Integration von behinderten Menschen einsetzt.“ Auch im St. Johanner Skigebiet sind es vor allem die Schlepplifte, die laut Geschäftsführer Manfred Bader bei Monoskifahrern großen Anklang finden.

Martin Margreiter selbst bevorzugt jedoch Sessellift­e. „Das Schleppliftfahren ist anstrengender.“ Allerdings brauche der Kirchberger mit seinem Monoski nicht einen, sondern zwei Plätze am Sessellift. Probleme mit anderen Skifahrern habe es deshalb aber noch nie gegeben.

Allerdings ortet Margreiter anderweitig Schwierigkeiten. „Immer mehr Sessellifte haben eine Kindersicherung.“ Das heißt, dass der Abstand zwischen Sitzfläche und Schließbügel geringer ist als bei herkömmlichen Sesselliften. „Da habe ich keinen Platz“, sagt Margreiter, der mit seiner Familie vor allem im Skigebiet Kitzbühel/Kirchberg unterwegs ist.

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Meistens nutze er die Maierlbahn in Kirchberg, um in das Skigebiet zu gelangen. An der Talstation gibt es einen Lift, der ihn zum Einstieg in den ersten Stock befördert. „Die Mitarbeiter unterstützen mich dabei und sind immer sehr bemüht.“ Am Berg angekommen warten bereits die nächsten Mitarbeiter und helfen Margreiter aus der Gondel. Dann kann es mit dem Skifahren auch schon losgehen. „Der Sport bedeutet für mich Lebensfreude pur.“

Die 25-jährige Julia aus Stuttgart wagte sich seit drei Jahren erstmals wieder auf die Piste. Dort lernte sie mit einem Behindertenskilehrer, wie sie mit einem Bi-Ski Schlepplift fährt und die Piste hinuntersaust.
© Hotter

Genau wie für die 25-jährige Julia Schleehauf aus Stuttgart. Nach einem Autounfall vor dreieinhalb Jahren sitzt die Studentin im Rollstuhl. „Skifahren war immer mein Lieblingssport“, erzählt sie während ihres Urlaubes in Kitzbühel. Kürzlich ging es für sie zum ersten Mal seit ihrem Unfall auf die Piste – auf das Kitzbüheler Horn mit einem Behindertenskilehrer, der ihr das Bi-Skifahren (mit zwei Skiern statt einem) beibrachte. Genauso wie Margreiter will sie zeigen: Skifahren bedeutet auch mit Querschnittlähmung Freiheit.


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