Frauentag - ÖVP diskutierte bei Enquete „Was Frauen wollen“

Wien (APA) - „Was Frauen wollen“, dieses Thema hat am Freitagvormittag die ÖVP in ihrer Klubenquete zum Frauentag diskutiert. „Wir Frauen wi...

Wien (APA) - „Was Frauen wollen“, dieses Thema hat am Freitagvormittag die ÖVP in ihrer Klubenquete zum Frauentag diskutiert. „Wir Frauen wissen ja, was Frauen wollen, nur die Herren, die Politik machen, wissen es nicht“, stellte dabei ÖVP-Frauenchefin Dorothea Schittenhelm eingangs fest. Am Podium sprachen etwa die neue Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und die frühere OGH-Präsidentin Irmgard Griss.

„Wir haben ein Manifest der Frauen verfasst. Das Papier gibt die Richtung vor. Es hat nicht allen gefallen, aber wir sind nicht hier, um zu gefallen, sondern um zu machen“, so Schittenhelm. Gefordert wird von den ÖVP-Frauen etwa das Schließen der Einkommensschere, Kollektivverträge für alle Berufsgruppen und ein Mindestlohn von 1.600 Euro. Die geplanten 1.500 Euro seien zumindest ein „erster richtiger Schritt“. An Klubchef Reinhold Lopatka appellierte sie, dass im Zuge der Wahlrechtsreform gesetzliche Maßnahmen kommen, um den Frauenanteil in den Abgeordnetenreihen zu erhöhen: „Ich rede nicht von Sanktionen, ich rede von Anreizen.“

ÖVP-Klubobmann Lopatka verwies in seinem Eröffnungsstatement darauf, dass die ersten Spitzenpolitikerinnen aus der Reihe der ÖVP gekommen sind. Auch nannte er das Reißverschlusssystem, das für die ÖVP-Listenerstellung bei der nächsten Nationalratswahl gilt. „Wir haben etwas zu tun“, räumte der Klubobmann ein. Die ÖVP sei aber keine Partei, die Frauen Lebensmodelle vorgeben will. Diese treffen selbst Entscheidungen und sollen unterstützt werden. Die Politik müsse „in einzelnen Bereichen, wo Frauen benachteiligt sind“, entsprechend fördern, so Lopatka.

Johanna Mikl-Leitner, demnächst auch offiziell Landeschefin in Niederösterreich, begründete die von ihr gewünschte Bezeichnung „Landeshauptfrau“: „Wir leben im 21. Jahrhundert und ich glaube, an mir ist kein einziger Funken Mann. Außerdem bin ich stolz darauf, Frau zu sein.“ Dies solle sich sowohl im Titel als auch in der Arbeit ausdrücken.

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„Das Grundproblem ist: Frauen haben ein schwach entwickeltes Selbstbewusstsein“, berichtete die frühere OGH-Präsidentin und Bundespräsidentschaftskandidatin Irmgard Griss in der Podiumsdiskussion über ihre Erfahrungen. Ansetzen müsse man bei der Kindererziehung, forderte Griss. Dem stimmte Mikl-Leitner zu: „Keine Frage ärgerte mich so“, wenn es darum ging, wie sie es schaffe, Familie und Politik unter einen Hut zu bringen. „Ich kann mich nicht erinnern, dass Pröll (Erwin Pröll, Anm.) oder Sobotka (Wolfgang Sobotka, Anm.) je diese Frage bekommen hätten“, so die frühere Ministerin.

RTL-Moderatorin Birgit Schrowange bekannte: „Ich war schon immer eine kleine Emanze.“ Sie sprach sich gegen die Abhängigkeit von (Ehe-)Männern und Bescheidenheit, die Mädchen vermittelt werde, aus.

OGM-Geschäftsführer Wolfgang Bachmayer präsentierte bei der Klubenquete eine Studie (497 Interviews im Februar 2017, Schwankungsbreite 4,5 Prozent). Von den unselbstständig Erwerbstätigen waren demnach 73 Prozent der befragten Männer und 58 Prozent der Frauen in Vollzeit tätig. 24 Prozent der Männer und 31 Prozent der Frauen befanden sich in Teilzeitbeschäftigung. Von den Vollzeitbeschäftigten gaben fast alle, 92 Prozent der Männer und 95 Prozent der Frauen an, dass dies ihr Wunsch ist. Bei den Teilzeitbeschäftigten meinten 96 Prozent der Frauen, dass Teilzeitarbeit ihr Wunsch ist. 1 Prozent gab an, dass ihnen Vollzeit lieber wäre. Zum Vergleich: Bei den Männern sagten 34 Prozent, dass sie lieber einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen würden. Bachmayer wies bei diesem Punkt allerdings auf die kleine Stichprobe hin.

Abgefragt wurde auch, welche Faktoren am Arbeitsplatz am wichtigsten sind, wobei es etwa beim Faktor Vereinbarkeit deutliche Unterschiede gab. Die Forderung der ÖVP-Frauen, dass vier Arbeitsjahre pro Kind für Mütter für die Pension angerechnet werden sollen, halten drei Viertel der Frauen für eine gute Idee. Eine 50-prozentige Frauenquote im Nationalrat und den Landtagen begrüßen bei beiden Geschlechtern rund 40 Prozent. Allerdings sagen auch 34 Prozent der Männer, dies sei keine gute Idee - bei den Frauen 17 Prozent.

Ungewöhnlich für eine ÖVP-Enquete waren nicht nur die Talkgäste, sondern auch Moderator Volker Pieszcek. Der Ehemann von Grünen-Chefin Eva Glawischnig räumte ein, eigentlich nie Parteiveranstaltungen zu moderieren. Allerdings brenne er für das Thema und erklärte, dass er dabei „manchmal die Solidarität der Frauen vermisst“.


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