Mensch ist größter Risikofaktor

In Tirol verunglücken pro Wintersaison rund 300 Menschen abseits der Skipiste.

Symbolbild
© Rapp Irene

Galtür –Mangelndes Wissen und Selbstüberschätzung. Vielfach sind es diese Gründe, die beim Tourengehen zu Unfällen mit Verletzten oder sogar Todesopfern führen. „Der größte Risikofaktor ist der Mensch selbst“, sagte Extrembergsteiger Peter Habeler unlängst bei einer Sicherheitsschulung in Galtür. Der 74-Jährige ist selbst noch fast jeden Tag auf den Tourenski unterwegs. „Konditionelle Vorbereitung ist wichtig, das Tourenziel muss dementsprechend ausgewählt werden.“

Laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) verletzen sich durchschnittlich pro Jahr in Österreich rund 600 Wintersportler abseits gesicherter Bereiche, bei etwa einem Fünftel handelt es sich um Lawinenunfälle. Wie die Detailauswertung des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit zeigt, ereignet sich im Schnitt die Hälfte der Unfälle abseits der Piste im Bundesland Tirol. Im heurigen Winter sind bisher bei Touren mit Ski, Schneeschuhen oder Snowboard im freien Skiraum in Österreich rund 300 Personen zu Schaden gekommen, in Tirol sind es bis dato etwas mehr als 100.

Einst eine Sportart für einige wenige, hat sich das Tourengehen längst etabliert: Trotz schneearmer Saisonen stiegen in den vergangenen Jahren die Umsatzzahlen im Tourenski-Bereich stetig an, allein 2015/2016 wurden in Österreich 50.000 Paar Tourenski verkauft, mehr als Alpinski, sagte KFV-Experte Martin Pfanner. Ob als Free­rider, Variantenfahrer oder Tourengeher: Wer abseits der Piste unterwegs ist, benötigt entsprechendes Wissen und passende Ausrüstung.

Die Experten empfehlen daher, immer die Lawinennotfallausrüstung, bestehend aus LawinenverschüttetenSuchgerät, Schaufel, Sonde und Handy mitzuführen. Regelmäßige Sicherheits- und Lawinenkurse helfen dabei, in Übung zu bleiben. Im Zweifelsfall sollte lieber auf eine Tour verzichtet oder zumindest auf eine gesicherte Route ausgewichen werden. Der Lagebericht zur Lawinensituation sowie die Wettervorhersage müssen bei der Planung der Tour berücksichtigt werden. Wer stets mit erfahrener Begleitung, am besten mit Experten ins Gelände geht, kann das Risiko reduzieren. „Gute Lehrer, die das Gebirge verstehen, sind schon die halbe Maut“, sagt Peter Habeler.

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Doch nicht nur beim Tourengehen werden die Gefahren oft unterschätzt. Mehr als 20.000 Skifahrer und Snowboarder verunglücken laut KFV jährlich auf Österreichs Pisten so schwer, dass sie im Spital behandelt werden müssen. Die meisten Unfälle sind selbst verschuldet und auf Übermüdung und Selbstüberschätzung zurückzuführen. (APA, np)


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