Tausende wollen dem kleinen Max helfen

Ein Dreijähriger aus der Steiermark benötigt zum Überleben eine Stammzellentherapie. Der Aufruf zur Spendersuche fand am Sonntag in Lienz ein enormes Echo und überraschte selbst die erfahrene Initiatorin.

Riesige Solidariät mit Max: Mit weit über eintausend Interessenten wurden am Sonntag alle Erwartungen übertroffen.
© Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz –Max ist medikamentös austherapiert. Dringend hoffen seine Eltern und die beiden Brüder auf einen geeigneten Stammzellenspender. „In den nächsten sechs Monaten muss die Suche Erfolg haben, sonst wird der Junge sterben“, bat Anni Kratzer von der Leukämie- und Kinderkrebshilfe Osttirol um Hilfe – die TT berichtete.

Am Sonntag war die Bevölkerung zur freiwilligen Typisierung in die Haspingerkaserne in Lienz geladen. Die Resonanz überraschte alle, selbst die erfahrene Ini­tiatorin: „Mehr als eintausend Anrufe haben mich im Vorhinein allein aus Nordtirol erreicht!“ Nach nur zwei Stunden mussten am Sonntag Interessenten abgewiesen werden, weil nur eintausend Testverfahren bereitlagen.

Die Kosten pro Typisierung liegen bei fünfzig Euro. Der Verein finanziert das über Spenden. „Was ist schon Geld, wenn es um Menschenleben geht?“, fragt Kratzer.

Waren bisher noch Blutabnahmen zum Testen nötig, kamen in der aktuellen Spendersuche erstmals Speichelproben zum Einsatz. „Der Fortschritt in der Medizin erleichtert sowohl die Suche als auch die Therapie für alle Beteiligten“, erklärt Anni Kratzer. Zwei Speichelproben werden für eine Typisierung aus dem Mundraum entnommen, im Labor untersucht und miteinander abgeglichen. Steht ein passender Spender fest, kann heute bereits in vier von fünf Fällen die operative Entnahme von Rückenmark entfallen. Stattdessen filtert ein Gerät ähnlich einer Dialysemaschine Stammzellen aus dem Blutkreislauf des Spenders. Einige Stunden später kann dieser aufstehen und gehen.

Weil Anni Kratzer beim Bundesheer beschäftigt war, bestehen bis heute beste Kontakte. „Das Lienzer Bataillon stellte gerne seine räumlichen und personellen Ressourcen für diese Typisierungsaktion zur Verfügung“, erklärt Oberst Bernd Rott. Eintausend Zivilpersonen haben am Sonntag in der Sanitätsstation der Haspingerkaserne ihre Speichelproben abgegeben, schon am Freitag zuvor achtzig Grundwehrdiener und Vorgesetzte. Florian Hollaus, ein Rekrut aus Schwoich, erklärte seine Motivation so: „Gott sei Dank ist in meiner Familie niemand betroffen. Ich bin gerne im Dienst dieser guten Sache und hoffe, dass Betroffenen dadurch geholfen werden kann.“

Mit dem Vorarlberger Verein Geben für Leben hat Anni Kratzer auch für alle anderen an einer Spende Interessierten eine Lösung gefunden: Die Unterlagen und die beiden Röhrchen für die Speichelprobe werden nach Anfrage über das Internet erstmals per Post direkt zugesendet. „Der Ablauf ist dann ganz einfach“, erklärt Kratzer. „Eine halbe Stunde vor der Probenentnahme bitte nichts essen oder trinken. Man sammelt kurz Speichel im Mund, führt beide Teststäbchen ein und verschließt sie anschließend in den mitgelieferten Röhrchen.“

Es folgt der Versand nach Vorarlberg, wo Geben für Leben die Laboruntersuchungen veranlasst. Nach der Typisierung erfolgt ein Eintrag in das internationale Spenderregister. Wird man zu einer Spende gerufen, bleiben beide Seiten anonym. Nach zwei Jahren kann auf beiderseitigen Wunsch ein persönlicher Kontakt erfolgen.

In Zukunft soll dieser direkte Versand großangelegte Spendenaktionen ergänzen oder ganz ablösen.

In einer ähnlichen Situation wie der junge Max sind derzeit auch ein Familienvater und eine junge Mutter. „Sie brauchen dringend Hilfe. Vielleicht können wir sie allen dreien anbieten“, hofft Anni Kratzer auf einen lebensrettenden Erfolg.

Der Kontakt ist telefonisch unter 0664/132 5905 und per E-Mail an anni.kratzer@aon.at möglich.

anitäts-Unteroffizier Marcus Glahn bei der Entnahme einer Speichelprobe in der Haspingerkaserne.
© Blassnig
Der dreijährige Max (links) mit seinen Eltern und Brüdern.
© konsenszentrum.at
Anni Kratzer aus Amlach organisiert seit zwanzig Jahren Krebshilfe in Osttirol.
© Blassnig

Kommentieren


Schlagworte