Kein Fokus auf alternative Lösung

Die Grundverhandlungen für das seit Jahren geforderte Parkhaus am Jenbacher Bahnhof dauern an. Östlich davon im Gewerbegebiet gibt es eine nicht uninteressante Standort-Alternative. Derzeit bleibt sie unbeachtet.

Die Parkplatzfläche in der Austraße könnten die ÖBB pachten.
© Dähling

Von Angela Dähling

Jenbach –Ein ums andere Jahr vergeht. Und noch immer werden die ob der Parkplatznot am Jenbacher Bahnhof genervten Pendler vertröstet, was den Bau eines Parkhauses mit rund 430 Stellplätzen betrifft.

Vor einem Jahr hieß es, dass heuer mit dem Bau begonnen werde. Tatsächlich sind aber die Grundverhandlungen beim Toleranz-Areal noch immer nicht abgeschlossen. Laut Jenbacher Bürgermeister Dietmar Wallner sei man nun „auf einem guten Weg, 2018 mit dem Bau beginnen zu können“. Er verweist auf die inzwischen sehr konstruktiven Gespräche mit den ÖBB, seit es dort mit Martin Gradnitzer einen konkret Zuständigen für das Parkhausprojekt gibt. Laut ÖBB-Pressesprecher Johann Kapferer könne man im April mehr sagen, was die Grundverhandlungen betrifft. Nach wie vor geht es um die Umsetzung jener Variante, die vor einem Jahr aus dem Bauamt Jenbach kam. Die Bahnhofstraße würde Richtung Bahnsteig bzw. dortiger erster Parkplatzreihe verlegt. Für das dreigeschoßige Parkhaus, das auf Teilen der derzeitigen Parkplatzfläche (samt Straße alles ÖBB-Grundbesitz) errichtet werden soll, bräuchte es Richtung Norden bzw. Rotholzerweg noch einen Grundstreifen vom so genannten Toleranz-Areal, der sich in Privatbesitz befindet. „Da ist an Grundtausch gedacht“, weiß BM Wallner.

Durch den Parkhausbau würden sich raumplanerisch interessante Möglichkeiten ergeben. Denn das Parkhaus wäre nordseitig mit einer Betonmauer geplant, die die Aufschüttung des dahinterliegenden Hanggrundstückes zu einer ebenen Fläche ermöglichen würde. Die Zufahrt würde wie bisher über den Kreisverkehr, der verbreitert werden soll, erfolgen. „Weil eine Verkehrsstudie ergeben hat, dass der Verkehr Richtung Bahnhof von 6 bis 7 Uhr seine Spitze erreicht, jener im Kreisverkehr aber von 7 bis 8 Uhr. Die Kosten für eine separate Zufahrt vor der Tankstelle stehen daher nicht dafür“, erklärt BM Wallner. Die Baukosten für das Parkhaus schätzt Wallner auf 9 bis 10 Mio. Euro. 50% zahlen die ÖBB, 25 % das Land/VVT, 25% die Gemeinde Jenbach und die umliegenden Gemeinden. Die Planungskosten beziffert Wallner mit insgesamt 320.000 Euro. Viele zweifeln inzwischen jedoch daran, dass es jemals zu einer Einigung bei den Grundverhandlungen am Toleranz-Areal kommen wird. Und die Baukosten erscheinen Insidern zufolge um 30 Prozent überhöht.

ÖBB und Gemeinde favorisieren die Parkhauserrichtung auf dem bestehenden Parkplatz plus zusätzlichem Grundstreifen.
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Ein Stück weiter Richtung Osten gibt es ein Areal, das die ÖBB praktisch umgehend für die Errichtung des Parkhauses pachten könnten. Es handelt sich um eine 6800 m² große Fläche, die im Gewerbegebiet in der Austraße an den Parkplatz des Hofer-Supermarktes im Westen und nördlich direkt an die Bahngleise grenzt. Eigentümer ist Ulrich Goess-Enzenberg. „Ich würde es den ÖBB langfristig auf 60 oder 70 Jahre verpachten“, erklärt er. Vom Bahnhofsgebäude ist das Grundstück zwar rund 350 Meter Luftlinie entfernt. Doch Pendler, die etwa ein Jahresticket haben und daher nicht zum Bahnhofsgebäude müssen, wären in kürzester Zeit am Bahnsteig, der auf Höhe des Enzenberg-Grundstücks endet. Es bräuchte allerdings eine Unterführung, um vom Parkhaus auf den Bahnsteig zu gelangen. Weil sich das Parkhaus im Gewerbegebiet befindet, würde es das Ortsbild nicht stören und könnte vergleichsweise kostengünstig errichtet werden. Zumal es kleiner ausfallen könnte als jenes auf ÖBB-Grund, da die dortigen Parkflächen erhalten blieben. Aus Wiesing und dem Zillertal kommend wäre es ab Rotholz über die Austraße erreichbar. Verkehr, der von der Brücke bei der Ortseinfahrt nach Jenbach samt Kreisverkehr wegfallen würde.

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Den ÖBB ist diese Standort-Alternative bekannt. „Sie wird aber vordergründig nicht weiterverfolgt“, sagt ÖBB-Pressesprecher Kapferer mit Verweis auf die derzeitigen Grundverhandlungen. BM Wallner bezeichnet die Umsetzung beim Toleranz-Areal als „wesentlich vernünftiger“ aufgrund der Bahnhofsnähe. Sie sei auch raumordnerisch für Jenbach interessanter. „Soweit mir bekannt ist, wäre die Alternativ-Variante leichter zu finanzieren“, sagt BM Alois Aschberger, dessen Gemeinde Wiesing fast 80.000 Euro für das Parkhaus am Toleranz-Areal zahlen müsste. „Wichtig aber ist, dass überhaupt was kommt.“


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