Trump wirft Obama Abhören seines Telefons im Wahlkampf vor

Nachdem US-Präsident Donald Trump immer stärker unter Druck gerät, holt er zum Rundumschlag aus. Barack Obama habe vor der Wahl sein Telefon abhören lassen, lautet ein Vorwurf.

US-Präsident Donald Trump.
© X90178

Washington – US-Präsident Donald Trump hat seinem Vorgänger Barack Obama vorgeworfen, ihn kurz vor der Präsidentenwahl im November abgehört zu haben. Er habe „gerade erfahren, dass Obama meine Leitung im Trump Tower kurz vor dem Sieg anzapfen ließ“, schrieb Trump am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Näheres nannte der Präsident nicht. Die Authenzität der Vorwürfe konnte demnach nicht überprüft werden. Auch, in welchem Kontext die angebliche Abhöraktion stattgefunden haben soll, blieb vorerst unklar. Der ehemalige Präsident Barack Obama reagierte noch nicht auf die Vorwürfe.

Wie die Washington Post schreibt, hätten aktuelle und ehemalige Geheimdienstmitarbeiter gegenüber der Zeitung gesagt, eine Abhöraktion sei extrem unwahrscheinlich. „Sie können nicht einfach herumgehen und Gebäude abhören“, wird ein anonym bleibender Mitarbeiter zitiert. „Es scheint undenkbar“. Dafür hätte ein Bundesrichter zuerst feststellen müssen, dass eine Person entweder wahrscheinlich ein Verbrechen begangen hat, oder ein Agent einer feindlichen Macht sei. Vielmehr mutmaßt die Washington Post, der Präsident könnte damit von den Russland-Vorwürfen ablenken wollen.

Trump wirft Obama illegales Handeln vor

„Wie tief ist Obama gesunken, um meine Telefone während des geheiligten Wahlprozesses anzapfen zu lassen?“, fragte Trump. Es stelle sich die Frage, ob Obama legal gehandelt habe.

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Offenbar in Bezug auf seinen Amtsvorgänger fügte Trump hinzu: „Böser (oder kranker) Kerl!“ Trump stellte einen Vergleich mit der Watergate-Affäre in den 70er Jahren an. Diese Affäre, in der es auch um illegal angezapfte Telefone ging, hatte zum Rücktritt des Präsidenten Richard Nixon geführt.

Trump: Auch Obama traf sich mit Botschafter

Trump erhob die neuen Anschuldigungen in einer Reihe von Twitter-Botschaften, in der er auch auf die Kritik an den Kontakten seines Umfelds zum russischen Botschafter in den USA Bezug nahm. Der Kreml-Gesandte sei in Obamas Regierungszeit 22 Mal im Weißen Haus zu Gast gewesen, schrieb Trump.

Die Treffen zwischen dem russischen Botschafter und dem amtierenden Präsidenten fanden allerdings unter anderen Umständen statt. Amtierende Präsidenten unterhalten laufend Kontakte mit anderen Staaten und ihren Botschaftern.

Justizminister leugnete Kontakte unter Eid

Mitgliedern des Trump-Teams werden zudem nicht die Treffen selbst vorgeworfen, sondern diese verheimlicht zu haben. Der nunmehrige Justizminister Jeff Sessions etwa hatte unter Eid vor dem Senat ausgesagt, keine Kontakte mit Russen gehabt zu haben. Das stellte sich später als falsch heraus.

Russland wird vorgeworfen, durch Hackingangriffe Donald Trumps Kandidatur gestützt zu haben. Trump selbst hatte während des Wahlkampfes Angriffe auf die Server der Demokraten für gut befunden. Deshalb erscheinen Kritikern die Kontakte des Teams mit Russland auffällig.

Die Trump-Regierung betont hingegen, daran sei nichts verdächtiges. Regelmäßig heißt es, gute Beziehungen zu Russland seien im Interesse der USA. Zudem habe sich etwa Jeff Sessions in seiner Funktion als Senator mit dem russischen Botschafter getroffen, nicht in seiner Funktion als Mitglied im Wahlkampfteam Trumps. (mats/APA/AFP)


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