30.000 flohen laut Bericht vor Luftangriffen in syrischer Provinz

Zehntausende Menschen wurden durch Militäraktionen von Russland und der syrischen Armee in die Flucht getrieben.

Zerstörte Häuserschluchten in der syrischen Stadt Arbin.
© AFP

Beirut/Damaskus – Eine Großoffensive der syrischen und russischen Luftwaffe gegen die Jihadistenmiliz IS (Daesh) hat im Norden Syriens zehntausende Menschen in die Flucht getrieben. Mehr als 30.000 Menschen, in der Mehrheit Frauen und Kinder, seien binnen einer Woche geflohen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit.

Bei Luftangriffen auf ein Dorf im Zentrum Syriens starben der Organisation zufolge mindestens elf Zivilisten.

Armee befreite Dörfer aus Händen des IS

Bei der Offensive in der nordsyrischen Provinz Aleppo hätten die syrischen Regierungstruppen mehrere Dörfer aus der Hand der IS-Miliz befreit, teilte die in Großbritannien ansässige Organisation weiter mit. Die meisten Zivilisten seien in die Region Manbij geflohen.

Die frühere Jihadistenhochburg unweit der türkischen Grenze wird seit vergangenem Jahr von der kurdisch-arabischen Rebellenallianz Demokratische Kräfte Syriens (SDF) kontrolliert, die von den USA unterstützt wird und ebenfalls den IS bekämpft.

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Ein AFP-Reporter in Manbij sah dutzende Familien, die mit Motorrädern, kleinen Bussen und Autos unterwegs waren und in der Stadt Zuflucht suchten. Sie wurden an einem Kontrollposten der SDF angehalten und überprüft.

40.000 Flüchtlinge in wenigen Tagen

In den vergangenen Tagen seien bis zu 40.000 Flüchtlinge in der Stadt angekommen, sagte Ibrahim al-Kuftan, Ko-Vorsitzender der Zivilverwaltung von Manbij. „Die Zahl der Vertriebenen hier nimmt weiter zu.“

Unterdessen erklärte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Jeff Davis, russische und syrische Truppen hätten „humanitäre“ Konvois nach Manbij entsandt. Dazu gehöre auch militärische Ausrüstung wie Panzerfahrzeuge und Schutzausrüstung. Davis betonte, den USA sei daran gelegen, dass sich alle in Nordsyrien präsenten Parteien auf den Islamischen Staat konzentrieren.

Manbidsch ist zum neuen Brennpunkt von Gebietsstreitigkeiten geworden. Ankara hatte Ende August seine Truppen nach Syrien geschickt, um gemeinsam mit verbündeten protürkischen Rebellengruppen die IS-Jihadisten und kurdischen Milizen von der Grenze zurückzudrängen. Erst am Donnerstag drohte die Türkei den kurdischen Streitkräften mit einem Angriff, sollten sie sich nicht aus Manbij zurückziehen.

Russischer Luftangriff auf Viehmarkt

Die tödlichen Luftangriffe in der zentralsyrischen Provinz Hama hätten einem Viehmarkt in dem vom IS kontrollierten Dorf Okairabat gegolten, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. 45 Menschen seien verletzt worden. Vermutlich seien die Angriffe von der russischen Luftwaffe geflogen worden.

Die Angaben der Beobachtungsstelle, die sich auf ein Netz von Informanten vor Ort stützt, können von unabhängiger Seite kaum überprüft werden. Die Frage, wer Luftangriffe geflogen hat, versucht sie nach eigenen Angaben anhand der Flugzeugtypen, Einsatzorte, Flugmuster und Munition zu beantworten.

Okairabat liegt nordwestlich der antiken Wüstenstadt Palmyra, die syrische Truppen am Mittwoch mit russischer Unterstützung vom IS zurückerobert hatten.

Russland hatte im September 2015 militärisch in den seit 2011 andauernden Bürgerkrieg in Syrien eingegriffen und dadurch das Blatt zugunsten seines Verbündeten, des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, gewendet. In dem Gewaltkonflikt wurden der UNO zufolge mehr als 310.000 Menschen getötet und Millionen weitere in die Flucht getrieben. (APA/AFP)


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