Prozess um Schussattentat auf 13-Jährigen wird wiederholt

Der Prozess war ursprünglich im November angesetzt gewesen, aber die Berufsrichter hatten das Urteil wegen Irrtums der Geschworenen ausgesetzt.

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Wien – Am Wiener Straflandesgericht wird am kommenden Donnerstag die Verhandlung rund um ein spektakuläres Schussattentat im Sommer 2015 auf offener Straße wiederholt. Dabei wurde ein damals 13-jähriger Bursche lebensgefährlich verletzt, der völlig unbeteiligt in die Schusslinie geraten war. Der Prozess ist im November ohne Urteil zu Ende gegangen.

Die drei Berufsrichter setzten am 17. November das Urteil wegen Irrtums der Geschworenen aus, nachdem die Laienrichter den Angeklagten vom zweifachen versuchten Mord freigesprochen hatten. Die Verhandlung kommende Woche ist auf einen Tag anberaumt und wird von Martina Krainz geleitet.

Hintergrund der Schießerei am 5. Juli 2015 dürfte eine Unterwelt-Fehde gewesen sein. Ein Serbe, der in Wien lebte, soll mit einem Landsmann wegen Geldschulden in Streit geraten sein. Weil die Forderungen nicht einbringlich waren, soll schließlich der Angeklagte Slobodan C. nach Wien geschickt worden sein, um auf Aleksandar A. zu schießen, wie die Anklagebehörde darlegte.

Bub auf dem Rad von Kugeln getroffen

Laut Staatsanwaltschaft mietete sich der 37-Jährige in Belgrad ein Auto, fuhr über Ungarn nach Wien und legte sich in der Marchfeldstraße auf die Lauer. Als A. an dem sehr heißen Sonntagvormittag beim nahen Bäcker Frühstück holen war, fiel ihm der Mann, der trotz Hitze lange Hosen, eine Jacke und eine dunkle Schirmkappe trug, auf. Er hatte ein ungutes Gefühl, ließ das zuvor gekaufte Brot fallen und flüchtete Richtung Pasettistraße. Beim Davonlaufen pfiffen ihm schon die Kugeln aus einer Pistole des Typs Browning um die Ohren.

Laut schreiend und Zickzack-laufend bog Aleksandar A. in die Pasettistraße, als ihm der damals 13-Jährige und dessen Vater auf Fahrrädern entgegenkamen. Sie wollten einen Badeausflug zur Donauinsel unternehmen.

Zwei Schüsse verfehlten den Flüchtenden, einer traf A. im Becken und ein Schuss drang in den Bauch des Burschen auf dem Rad ein. Der 13-Jährige sackte in der Sekunde mit einer lebensgefährlichen Verletzung zusammen. Er habe „ein Stechen im Bauch gefühlt“, meinte der Bursche im ersten Prozessgang, der nur durch die rasche medizinische Betreuung überlebte.

Der nun angeklagte Slobodan C., der von Michael Schnarch verteidigt wird, wurde vor allem durch das zweite Opfer, Aleksandar A., als mutmaßlicher Täter identifiziert. Er kannte den 37-Jährigen schon lange Jahre und beschuldigte ihn des Schussattentats. Als Grund nannte er einen Konflikt mit C. und einem Freund, in dem es um die Beschaffung einer Wohnung in Wien als Drogenbunker ging. Am 8. Dezember 2015 wurde C. schließlich festgenommen. Er wies jegliche Schuld von sich. (APA)


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