Syrien-Krieg

Assad setzt laut UN weiter Giftgas ein, Rebellen boykottieren Gespräche

Die Rebellen wollen nicht an den Friedensgesprächen in Astana teilnehmen.
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Der Syrien-Krieg sei „weltweit das schlimmste von Menschen gemachte Desaster seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte der UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, Zaid Raad al-Hussein.

Damaskus/Astana – Die syrische Regierung setzt nach Recherchen von UN-Ermittlern im Kampf gegen Aufständische weiter verbotene Chemiewaffen ein. Im Jänner seien bei der Attacke auf ein Dorf bei Damaskus mindestens sechs Menschen durch Chlorgas verletzt worden, berichtete die Untersuchungskommission des Menschenrechtsrates am Dienstag in Genf.

Zwischen Ende Jänner und dem 21. Februar hätten mindestens vier weitere Attacken mit Chlorgas stattgefunden, bei denen ein Mensch ums Leben kam und 17 verletzt wurden. Die Verletzten hätten schwere Atemnot und erweiterte Pupillen gehabt.

Attacken auf Schulen und Krankenhäuser

Auch Schulen seien kein Zufluchtsort mehr für Kinder, sondern würden skrupellos bombardiert, heißt es in dem Bericht. Regierungsnahe Truppen griffen Krankenhäuser und Wasserversorger an. „Das sind Kriegsverbrechen“, halten die Experten fest. Sie prangern auch Exekutionen durch Terrororganisationen und Angriffe anderer bewaffneter Gruppen an.

„Das ganze Land ist eine Folterkammer geworden: ein Ort grausamen Horrors und absoluten Unrechts“, sagte der Hochkommissar für Menschenrechte, Zaid Raad al-Hussein. „Es ist weltweit das schlimmste von Menschen gemachte Desaster seit dem Zweiten Weltkrieg.“

Rebellen boykottieren Friedensgespräche

Die syrischen Rebellen lehnen indes eine Teilnahme an der für den heutigen Dienstag in Astana geplanten neuen Runde der Friedensgespräche ab. Diese Entscheidung sei getroffen worden, weil Russland nicht für eine Einhaltung der im Dezember vereinbarten Waffenruhe gesorgt habe, sagte der Sprecher der Rebellen, Osama Abu Said.

Die Aufständischen werfen der russischen Regierung vor, sie sei nicht bereit, die Bombardierung von Zivilisten in den von Aufständischen gehaltenen Gebieten zu beenden. Außerdem habe Russland die syrische Armee nicht dazu bewegt, die Waffenruhe einzuhalten. „Gegenwärtig lautet die Entscheidung, nicht zu gehen“, sagte Abu Said.

Zuvor hatte die kasachische Regierung erklärt, Russland, die Türkei und der Iran hielten an den Plänen für die Gespräche in Astana fest. Das Treffen wäre das dritte seiner Art in der Hauptstadt Kasachstans. Bei den Gesprächen im Dezember wurde unter Vermittlung Russlands und der Türkei eine Waffenruhe vereinbart, die jedoch immer wieder gebrochen wurde. Russland unterstützt im syrischen Bürgerkrieg Präsident Bashar al-Assad, die Türkei einige Rebellengruppen. (TT.com, APA/AFP)