Santos entschuldigt sich für Odebrecht-Spende
„Ich bitte die Kolumbianer um Entschuldigung für diesen beschämenden Vorgang“, erklärte der Präsident in einer Videobotschaft. Santos soll im Wahlkampf eine Spende des in eine Korruptionsaffäre verwickelten Baukonzerns Odebrecht angenommen haben.
Bogota – Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos hat wegen einer Wahlkampfspende des in eine Korruptionsaffäre verwickelten Baukonzerns Odebrecht um Entschuldigung gebeten. Er habe von dieser Zahlung nichts gewusst und hätte diese niemals erlaubt, erklärte der Friedensnobelpreisträger am Dienstag.
Santos‘ früherer Wahlkampfleiter Roberto Prieto hatte zuvor eingeräumt, dass der brasilianische Konzern 2010 Rechnungen für zwei Millionen Santos-Wahlplakate übernommen hatte. Santos selbst habe mit diesem „irregulären Vorgang“ nichts zu tun gehabt.
„Ich bitte die Kolumbianer um Entschuldigung für diesen beschämenden Vorgang“, erklärte der Präsident in einer auf Twitter veröffentlichen Videobotschaft. Prieto hatte Santos 2010 als Finanzchef seiner Kampagne zum Wahlerfolg verholfen, 2014 war er Wahlkampfleiter des Staatschefs.
Der weitverzweigte Korruptionsskandal um den brasilianischen Bauriesen erschüttert derzeit ganz Lateinamerika. Die Ermittlungen gegen Odebrecht begannen 2014 und förderten nach und nach ein ausgeklügeltes System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager zutage.
In Kolumbiens muss sich unter anderem der frühere Vize-Verkehrsminister Gabriel García vor Gericht verantworten. Er hatte zugegeben, 6,5 Millionen Dollar von Odebrecht kassiert zu haben.
Schmiergeld-Hinweise werden geprüft
Die Staatsanwaltschaft prüft außerdem Hinweise, wonach das brasilianische Unternehmen Santos während des Wahlkampfs 2014 eine Million Dollar Schmiergeld zahlte, um sich lukrative Aufträge im Straßenbau zu sichern. Der Präsident und sein Wahlkampfmanager Prieto dementieren dies.
Der Konzern, dessen Wurzeln auf deutsche Einwanderer zurückgehen und dessen Ex-Chef Marcelo Odebrecht zu rund 19 Jahren Haft verurteilt worden ist, soll in zwölf Ländern insgesamt rund 785 Millionen US-Dollar (735 Mio. Euro) an Schmiergeldern gezahlt haben, um Aufträge zu bekommen. In Brasilien wird seit Wochen mit einem politischen „Erdbeben“ gerechnet, wenn der Justiz bereits vorliegende Aussagen von 77 Managern, die von der Kronzeugenregelung profitieren wollen, publik werden könnte.
Bis hin zu Staatspräsident Michel Temer sollen die Korruptionsanschuldigungen reichen. Daher wird bereits über ein weiteres mögliches Amtsenthebungsverfahren spekuliert - der vorherige Vizepräsident hatte 2016 die abgesetzte Dilma Rousseff beerbt. (APA/AFP/dpa)