Fusion von RZB und RBI wird am Samstag vollzogen
Für 2016 gibt es für RBI-Aktionäre keine Dividende. Die ukrainische Tochter der RBI weist erstmals eine Gewinn aus.
Wien – Am kommenden Samstag wird die Fusion der Raiffeisen Zentralbank (RZB) mit ihrer etwa zehnmal größeren börsennotierten Tochter Raiffeisen Bank International (RBI) vollzogen. Am 18. März wird die Verschmelzung ins Firmenbuch eingetragen, teilte die Bank am Mittwoch mit. Das ist der letzte Rechtsakt im Fusionsprozess.
Die fusionierte Bank heißt weiter Raiffeisen Bank International und bleibt an der Börse notiert. Mit der Fusion tritt der designierte Vorstandschef Johann Strobl seinen Job an. Er folgt dem bisherigen Bankchef Karl Sevelda.
Für das Jahr 2016 gibt es von der RBI definitiv wieder keine Dividende, teilte die Bank weiter mit. Letztmals hatte es für das Jahr 2013 eine Dividende gegeben.
Die Fusion ist eine Verschmelzung der RZB in die RBI. Um den Aktionären der RZB - hauptsächlich die Raiffeisenlandesbanken - ihre Anteile abzugelten, begibt die RBI neue Aktien, womit die Zahl der Aktien steigt. Dadurch würde der RBI-Streubesitz von bisher 39,3 Prozent auf rechnerisch rund 35 Prozent sinken. Weil aber einige ehemalige RZB-Minderheitsaktionäre künftig dem Streubesitz angerechnet werden, steigt dieser Streubesitz in der RBI-neu auf 41,2 Prozent. Die Landesbanken halten 58,8 Prozent.
Börsengang der Polbank in Arbeit
Nachdem im Vorjahr der Verkauf der polnischen Polbank geplatzt ist, muss diese Tochterbank der Raiffeisenbank International (RBI) zur Jahresmitte an die Börse von Warschau gebracht werden. Die Arbeit daran läuft seit Jänner. Der 30. Juni 2017 sei aus RBI-Sicht machbar, sagt der designierte Konzernchef Johann Strobl. Ein früheres Sorgenkind, die Bank in der Ukraine, kam 2016 aus den roten Zahlen.
Die ukrainische Tochterbank Aval hat das Jahr 2016 mit einem Gewinn von sogar 135 Mio. Euro abgeschlossen, berichtete die Bank am Mittwoch. Im Jahr davor stand unter dem Strich noch ein Verlust von 85 Mio. Euro. Hier sind die in den Vorjahren umfangreichen Kreditwertberichtigungen stark zurückgegangen. Die ukrainische Bank hat schon eine radikale Redimensionierung hinter sich, die Zahl der Mitarbeiter sank binnen Jahresfrist von 9.600 auf etwas über 8.000.
In der ganzen RBI-Gruppe ist im Schnitt 2016 die Beschäftigtenzahl (in Vollzeit gerechnet) um 3.906 Personen auf 50.186 gesunken. Die größten Rückgänge gab es in der Ukraine-Bank (minus 1.728), Polen (minus 1.143), Russland (minus 358), Slowenien aufgrund des Verkaufs der slowenischen Tochterbank (minus 189) und Ungarn (minus 150). Es kamen aber auch neue Mitarbeiter dazu: Die höchsten Zuwächse gab es in Tschechien (plus 341) und der Slowakei (plus 154).
Hohe Kosten für Rückzug aus Asien
In Asien ist das Geschäft mittlerweile bis auf einige hundert Millionen offener Kredite zurückgefahren. Der Rückzug hat einiges gekostet: Der Wertberichtigungsbedarf für Kredite an Großkunden in Asien ist 2016 aber immerhin um 118 Millionen auf 179 Mio. Euro zurückgegangen, wie aus der Bilanz hervorgeht.
Zweistellige Zuwächse im Geschäft, auch bei der Bilanzsumme, gab es 2016 in Russland. Die russische Tochterbank der RBI blieb mit 316 (387) Mio. Euro trotz eines Gewinnrückgangs ein wesentlicher Ergebnisbringer.
Negativzinsen für einzelne Firmenkunden
Die börsennotierte Raiffeisen Bank International (RBI) erwägt, die Negativzinsen auf Einlagen an den einen oder anderen Großkunden weiterzugeben, das hat am Mittwoch RBI-Finanzchef Martin Grüll bei der Bilanzpressekonferenz bestätigt.
Bei Privatkunden werde dies nicht der Fall sein. Bei Firmenkunden hänge es von der Größe ab. Im Zwischenbankgeschäft, „bei Bank-zu-Bank-Einlagen haben wir schon Negativzinsen“, sagte Grüll. Manche Großkunden sind mit Finanzinstitutionen durchaus vergleichbar. Da werde es in dem einen oder anderen Fall zu Negativzinsen kommen, sagte Grüll.
Die Kreditinstitute müssen ihrerseits seit geraumer Zeit „Strafzinsen“ berappen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.
Kopftuch unterm Giebelkreuz
Firmen dürfen Kopftücher und andere religiöse, weltanschauliche oder politische Symbole am Arbeitsplatz nach einer aktuellen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) verbieten. Bei der börsennotierten Raiffeisen Bank International (RBI) ist ein Kopftuchverbot kein Thema, wie am Mittwoch am Rande der Bilanzpressekonferenz erklärt wurde.
Die Bankengruppe betreibt u.a. Tochterbanken auf dem Balkan. Einzelne Kopftuchträgerinnen gibt es aber auch in der Zentrale in Wien. „Ich bin gegen Verbote“, sagte RBI-Chef Karl Sevelda. Er erinnert sich, vor Jahren einmal von einem Mitarbeiter gebeten worden zu sein, einer Kollegin in dessen Abteilung das Tragen eines Kopftuchs zu untersagen. „Ich habe das natürlich nicht untersagt.“
Bekleidungsrichtlinien gebe es nicht. „Ich würde dies in den Bereich der persönlichen Gestaltungsmöglichkeit stellen“, meinte Sevelda.
Was andere weltanschauliche Symbole anlangt, wurde auch deponiert: „Das Giebelkreuz wird nicht abmontiert.“ (APA, TT.com)