Über den Fürstenweg zum Galgenfeld
Was die Vermessung und Kartierung Tirols von 1820 über Herrschafts- und Gesellschaftsverhältnisse auszusagen vermag, erkundet das Museum Absam noch bis Ostermontag.
Absam –359 Soldaten in 161 Häusern. Es hätte im Kriegsfall in Absams Stuben eng werden können. Wovon die Absamer selbst (genauso wie die Bewohner anderer Ortschaften) aber kaum etwas gewusst haben dürften. Die Einquartierungspläne des Hofkriegsrates unterlagen wohl ebenso strenger militärischer Geheimhaltung wie das Kartenmaterial, an dessen Rand sie in Tabellen vermerkt waren.
Die so genannte „Franziszeische Landesaufnahme“, benannt nach Kaiser Franz I., war ein kartografisches Großprojekt des Habsburgerreiches: Vermessung des Territoriums, in erster Linie zu militärischen Zwecken. 1816 bis 1820 fand die zweite Landesaufnahme von Tirol statt. Handgezeichnete Kartenblätter von jeweils 200 Quadratkilometern Landschaft, gelagert im Kriegsarchiv in Wien. Im Gemeindemuseum Absam ist derzeit das auf 3 mal 2 Meter vergrößerte Kartenblatt des Großraums Innsbruck zu sehen, es zeigt eine Ansicht zirka von Völs bis Absam. Die Präzision ist verblüffend: kaum ein Besucher, der sich nicht sofort im Detailstudium der Häuser verliert und Bekanntes sowie noch immer Bestehendes identifiziert.
Museumsleiter Matthias Breit will aber auch zeigen, was diese Karte darüber hinaus zu erzählen hat. Über den im 19. Jahrhundert aufkommenden Staat zum Beispiel, der sich auch auf die Kartografie seines Territoriums stützte. Oder über gesellschaftliche Strukturen: Das östlich von Hall eingezeichnete „Galgenfeld“ könnte dazu manches aussagen. Aber auch die Allee, die man dort, wo heute die Haller Straße verläuft, ausmachen kann. Die von Bäumen beschattete Straße war „Fürsten, berittenen Boten und dem Militär“ vorbehalten, sagt Josef Bertsch vom Verein Chronos Thaur. Auch Richtung Westen gab es von Innsbruck aus einen solchen „Fürstenweg“, der Name verweist heute noch auf die Straße, die einst Erzherzog Ferdinand II. zu seinem Tiergarten, sprich Jagdgebiet, hin anlegen ließ.
Bertsch, Breit, aber auch Landeskonservator Walter Hauser werden in Führungen (Do, Fr um 18 Uhr, Sa bis Mo um 17 Uhr) auf einzelne Aspekte des Kartenwerks eingehen. „The real panorama“ nennt Breit diesen Blick auf den historischen Großraum Innsbruck. Das ist auch als ironischer Seitenhieb auf die geschönte Darstellung gemeint, die das – einst vom Landesverband für Fremdenverkehr in Auftrag gegebene – Rundgemälde im Tirol Panorama am Bergisel zeigt. (jel)
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