Begabte Schüler: Streit um Förderung in Tirol
In allen Bundesländern gibt es eine Koordinationsstelle für hochbegabte Schüler. In Tirol nicht. Darüber wird jetzt politisch heftig debattiert.
Innsbruck –Wer kümmert sich in Tirol um begabte Schüler? Darüber ist jetzt eine Diskussion entflammt. Denn seit fünf Jahren ist die Koordinationsstelle beim Landesschulrat unbesetzt, in jedem anderen Bundesland gibt es hingegen einen Zuständigen dafür.
Schüler gelten als hochbegabt, wenn sie einen Intelligenzquotienten von über 130 haben. Zum Vergleich: Der durchschnittliche IQ von Menschen liegt bei 100. Vor zehn Jahren wurde noch jeder fünfte Schüler in zumindest einem Wissensbereich als hochbegabt eingestuft. Dieser Anteil hat sich zwischenzeitlich um fünf Prozentpunkte auf 15 % verringert.
FPÖ-Bildungssprecher NR Gerald Hauser ortet auch Handlungsbedarf in Tirol und bemängelt, dass die letzte Bundeslandkoordinatorin für hochbegabte Schüler Clara Theurl-Weiler bereits vor fünf Jahren in Pension gegangen sei. „Und der Landesschulrat hat es bisher nicht geschafft, eine Nachbesetzung vorzunehmen.“ Generell kritisiert er die Situation der Begabtenförderung in Österreich. „Der Anteil von Spitzenschülern wird immer kleiner und ist unter den OECD-Schnitt gesunken.“ Im Vergleich zu Deutschland, wo in den nächsten Jahren 125 Millionen Euro in die Begabtenförderung investiert werden, gebe Österreich dafür nur 912.000 Euro aus.
Hauser geht es vor allem um die Entfaltung der Potenziale. Es sei nämlich erwiesen, dass begabte Schüler ihre Talente eben nicht ohne Förderung optimal entwickeln könnten. So garantiert das Schulorganisationsgesetz auch den talentierten Schülern das Recht auf Förderung. „Zu wenig finanzielle Unterstützung und keine erkennbare Förderungsstrategie schädigen langfristig den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Österreich“, unterstreicht der FPÖ-Nationalrat.
Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) widerspricht diesen Aussagen. Es gebe sehr wohl in allen Schulen und für verschiedene Bereiche wie Mathematik oder Fremdsprachen Verantwortliche für die Begabtenförderung. Diese Koordinatoren würden sich regelmäßig treffen und die Schüler bei Wettbewerben begleiten, erklärt Palfrader. Gleichzeitig verweist die Bildungslandesrätin auf Theodor Hofko vom Institut für berufsbegleitende Professionalisierung, Team Potenzialentwicklung und Kreativitätsförderung für die Begabtenförderung an der Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT). Er kümmere sich ebenfalls um die Abstimmung bei der Begabtenförderung, sagt die Landesrätin.
Trotzdem: In allen anderen Bundesländern gibt es eigene Koordinatoren beim Landesschulrat. Tirol ist hingegen das einzige Land, wo diese Stelle nicht nachbesetzt wurde. Hofko ist nämlich vorwiegend für die Lehrerfortbildung im Hochbegabtenbereich verantwortlich. Ende des Sommersemesters wird der Pädagoge in Pension gehen, die Ausschreibung für seine Nachfolge läuft.
Das Unterrichtsministerium will sich offenbar nicht in die Tiroler Angelegenheiten einmischen. Das sei vor Ort zu klären, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber der TT. (marie, pn)
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