Im Schatten vom Licht träumen

Das Innsbrucker Westbahntheater zeigt Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“.

Willy Loman hat mehr vom Leben erwartet. Im Westbahntheater verkörpert Konrad Hochgruber den desperaten Handlungsreisenden.
© Christoph Tauber

Innsbruck –Auf der Bühne ist’s stockdunkel, im Zuschauerraum gleißend hell. Und wäre das jetzt eine Regie-Idee, dann könnte man über sie streiten – und sie sogar gut finden. Schließlich geht’s in Arthur Millers Drama „Tod eines Handlungsreisenden“ ja um einen Mann, der sein Leben lang im Schatten steht und sich von dort aus an die raren Momente des Lichts zurücksehnt. Aber es ist kein mutiger Regie-Coup, sondern eine technische Panne, die sich in die Premiere von Elmar Drexels Inszenierung im Westbahntheater einschlich. Und den Start des Kammerspiels aus dem Takt geraten ließ: Bis die Lichtverhältnisse so waren, wie sie sein sollten, war man abgelenkt von den hektischen Versuchen, den richtigen Schalter zu finden.

Nicht aus der Ruhe bringen ließen sich jedoch die Schauspieler, allen voran Konrad Hochgruber und Carmen Gratl, deren Anfangs-Dialog als Willy und Linda Loman unter denkbar schwierigen Umständen über die von Vorhängen gesäumte Bühne (Katrin Böge) ging. „Das Leben besteht aus Enttäuschungen“, stellt Linda da fest – und spricht damit ihrem Willy aus der Seele. Mit Mitte 50 ist er am Ende, gescheitert am Leben – oder vielmehr an seinen hohen Erwartungen davon. Und so flüchtet sich der Handlungsreisende, der mit vollen Koffern und leeren Taschen ab- und wieder anreist, in eine Fantasiewelt, in der seine Söhne Biff (Sandro Gusmerotti) und Happy (Christoph Stoll) noch zu ihm aufblickten und nicht voll Verachtung auf ihn herunterschauten. In eine Welt, in der die Schulden abbezahlt sein könnten, der Chef empathisch und das Leben voller Träume wäre. Dass Millers Text knapp 70 Jahre alt ist, merkt man ihm nicht an: Willy Lomans Selbstzweifel, Hoffnungen und Fluchten sind zeitlos – ein Hauch Handlungsreisender steckt wohl in uns allen. Nur nicht bis zur letzten, tödlichen Konsequenz.

Drexels verschachtelte Inszenierung lebt von seinen starken Schauspielern und schwächelt in Inszenierungs-Details: Warum Willys Bruder Ben und sein Freund Charly mit bandagierten Gesichtern auftreten, will sich nicht erschließen. Doch der Abend hinterlässt auch viele gute Fragen: etwa die, ob man tatsächlich frei ist, nur weil die Schulden abbezahlt sind. (fach)

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