Gesundheit

Studie zeigt auf: Die meisten Milchprodukte sind Zuckerfallen

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Das Institut SIPCAN untersuchte mehr als 1200 Milchprodukte auf ihren Zuckergehalt. Das Ergebnis ist alarmierend. Viele enthalten „mehr Zucker als so manche klassische Limonade“.

Wien - 70 Prozent der im Handel erhältlichen Milchprodukte zum Trinken oder Löffeln enthalten zu viel Zucker. Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Studie des vorsorgemedizinischen Instituts SIPCAN, für die 1.229 Milchprodukte auf ihren Zuckergehalt untersucht worden sind. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) forderte daher von der Industrie, den Zuckergehalt in Milchprodukten weiter zu senken.

Der durchschnittliche Zuckergehalt bei Milchprodukten zum Löffeln - wie Joghurt, Topfencreme oder Milchdesserts - lag laut den Studienergebnissen von SIPCAN (Special Institute for Preventive Cardiology And Nutrition) bei 13,38 Gramm pro 100 Gramm des Produktes. Dies entspricht 3,5 Zuckerwürfeln. Bei Milchprodukten zum Trinken, etwa Molke oder Milchmischgetränke, lag der Zuckergehalt im Mittel bei 10,96 Gramm pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter, was 2,9 Zuckerwürfeln entspricht. Trinkt man einen halben Liter davon, hat man somit im Durchschnitt mehr als 14 Zuckerwürfel in kurzer Zeit zu sich genommen. Wer einen großen Becher Joghurt (500 Gramm) isst, nimmt sogar über 17 Zuckerwürfel zu sich.

Anlässlich des Weltmilchtags am 1. Juni soll die SIPCAN-Milchliste Orientierung beim großen Angebot der Milchprodukte in Österreich bieten, hieß es am Montag in einer Aussendung. Die Experten des Instituts haben dafür einen „alltagstauglichen Orientierungswert“ für den Zuckergehalt in Milchprodukten festgelegt und diesen mit dem Gesundheitsministerium und weiteren Institutionen wie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit und der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung abgestimmt.

Dieser Richtwert liegt bei maximal zwölf Gramm Zucker pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter Milchprodukt. Er setzt sich aus dem natürlichen Zuckergehalt der Milch von durchschnittlich 4,6 Gramm pro 100 Milliliter und der nach einer WHO-Empfehlung abgeleiteten Höchstmenge für zugesetzten Zucker von 7,4 g pro 100 g/ml zusammen.

„In Milchprodukten versteckt sich mehr Zucker als in so mancher klassischen Limonade. Um der Übergewichtsepidemie sowie Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes entgegenzutreten, ist es wichtig, die Zuckeraufnahme zu reduzieren und vor allem die Aufnahme an verstecktem Zucker für Konsumenten sichtbar zu machen“, so ÖDG-Präsident Hermann Toplak.

Entwicklung der letzten Jahre geht in richtige Richtung

Der Anteil an Produkten, die den SIPCAN-Kriterien entsprechen, sei seit 2012 von 16 Prozent auf 29,2 Prozent gestiegen. Das sei zwar eine positive Entwicklung, bedeute aber gleichzeitig, dass 70,8 Prozent der Milchprodukte nach wie vor über den Orientierungskriterien liegen. Besonders im Fokus stehen hierbei Milchprodukte zum Löffeln, bei denen acht von zehn Produkten (82,7 Prozent) mehr als 12 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten.

Eine Senkung des Zuckergehalts sei laut SIPCAN-Vorstand Friedrich Hoppichler „kein Ding der Unmöglichkeit“. „Die Industrie kann mit geringen Schritten bei sehr vielen Produkten die vorgegebenen Orientierungskriterien erreichen und somit ein deutliches Signal im Kampf gegen Übergewicht und Diabetes setzen.“ Die Milchliste ist als Online-Suchfunktion, als Download und als APP verfügbar. (APA)