Nationalpark setzt auch auf ältere Semester
Erstmals wird im Nationalpark Hohe Tauern die Ausbildung zum Senior Ranger angeboten. Neun Teilnehmer spulen derzeit ein vielseitiges Programm ab.
Von Claudia Funder
Matrei i. O. –Naturbursche, jung und durchtrainiert – dieses Bild haben wohl viele vom typischen Nationalparkranger im Kopf. Es entsprach schon bisher im Nationalpark Hohe Tauern nicht der Realität, sind es doch zur Hälfte Frauen, die den Besuchern Natur und Naturschutz näherbringen.
Nun kommt eine weitere Facette hinzu, die erneut nicht in das gängige Klischee passt: Aufgrund der gestiegenen Nachfrage bietet man heuer erstmals auch älteren Semestern eine Ausbildung analog zum „zertifizierten österreichischen Nationalpark-Ranger“ an. Ansprechen will man damit flexible, aktive Naturliebhaber – rüstige Pensionisten ebenso wie andere Personen mit freier Zeiteinteilung.
„Dieses Potenzial wollen wir nun nutzen“, erklärt Nationalparkdirektor Hermann Stotter, der betont, dass derzeit das Grundmodul läuft, an das ein Aufbaumodul anschließt. 42 Ausbildungstage sind zu absolvieren, sie enden mit einer Abschlussprüfung. Die Senior Ranger werden nicht fix angestellt, sondern nach zeitlicher Verfügbarkeit etwa für Erlebnistouren, Veranstaltungen und Projekte eingesetzt werden. Entlohnt werden sie auf Tagestarifbasis.
Neun angehende Senior Ranger, darunter drei Frauen, machen sich derzeit fit für ihr zukünftiges Betätigungsfeld.
Mit dabei in der Riege jener, die einen Ausbildungsplatz ergattert haben, ist der 59-jährige Hans Mayer aus Matrei, der von dem vielseitigen Programm schwärmt: „Die Qualität ist sehr hoch. Ich freue mich auf die Praxistage. Man geht schon jetzt ganz anders durch die Natur.“
Hermann Muigg aus Tux im Zillertal ist gelernter Koch und hobbymäßig Naturfotograf. „Ich hab die Ranger immer wegen ihres phänomenalen Wissens beneidet. So eine Ausbildung war schon vor Jahren mein Ziel“, verrät der 63-Jährige, der sichtlich mit Begeisterung bei der Sache ist.
Nicht ganz alltäglich war der berufliche Werdegang von Edi Unterweger aus Assling. Nach 35 Jahren als Bankangestellter hängte er Anzug und Krawatte in den Schrank und ließ sich zum Forstfacharbeiter ausbilden. Nun die Ausbildung zum Senior Ranger angehen zu dürfen, empfindet der 58-jährige Bergfex als „großes Privileg“. Diese sei ein „neues Fenster. Ich genieße sie in vollen Zügen.“
Bis sie zertifizierte Ranger sind, wartet noch ein gutes Stück Arbeit auf die Teilnehmer. Zur Ausübung der Tätigkeit ist zusätzlich die Bergwanderführer-Ausbildung nötig.