Frühzeitiger Abpfiff im Festzelt
Schon vor dem Anstoß zum 28. Pfingstturnier in Lermoos liegen die Nerven blank. Die Gemeinde hat die Sperrstunde vorverlegt. Der Veranstalter fürchtet um Einnahmen und sogar um die Zukunft des Turniers.
Von Simone Tschol
Lermoos –„Wir sind seit einem Jahr mit der Planung des Festwochenendes beschäftigt und jetzt tritt man so auf uns herum. Das kann’s doch nicht sein.“ Marko Jelken, stellvertretender Obmann des FC Lermoos, kann seinen Ärger nicht mehr zurückhalten.
Der Verein hatte, wie vorgeschrieben, eine Veranstaltungsanzeige für das diesjährige Pfingstturnier bei der Gemeinde eingereicht. Bürgermeister Stefan Lagg hat dieses auch genehmigt – allerdings mit vorverlegter Sperrstunde um zwei Uhr statt wie bisher um drei Uhr. Dafür gebe es auch gute Gründe, führt Lagg aus: „Laut Polizei hat es immer wieder Vorfälle gegeben. Die Polizei hat sogar eine Sperrstunde um ein Uhr empfohlen. Dem haben wir nur teilweise Folge geleistet und das Festende mit zwei Uhr vorgeschrieben.“
Jelken versteht die Aufregung nicht: „In den Polizeiberichten ist von Körperverletzung, Raufhandel, Ordnungsstörungen und aggressivem Verhalten auch gegen die Security die Rede. Und wenn ein 16-Jähriger vor dem Zelt an das Polizeiauto uriniert, wenn sein eigener Vater daneben steht, können sie das nicht dem Veranstalter anlasten“, meint Jelken kopfschüttelnd.
Der Fußballclub hätte alles getan, um negatives Potenzial erst gar nicht aufkommen zu lassen. „Wir haben Securitys, die für Ordnung sorgen. Diese hätten wir sogar aufgestockt. Und zudem haben wir Shuttle-Busse organisiert, damit die Festbesucher sicher heimkommen“, so Jelken. Dem hält Lagg jedoch entgegen: „Man kennt diese Veranstaltungen. Und die Schwierigkeiten waren leider da. Übermäßiger Alkoholkonsum und Ausschreitungen. Deshalb ist dieses Jahr früher Schluss.“
Das Pfingstturnier in Lermoos wird am Großfeld ausgetragen, ist ausgelegt auf 16 Mannschaften und damit eines der größten im Bezirk. 14 der 16 Teams kommen von auswärts. Vom Nürnberger Raum ebenso wie aus der Schweiz. Jelken: „Das ist ja auch nicht nichts. Das sind pro Mannschaft 20 bis 50 Personen, die das ganze Wochenende über Gästebetten belegen. Die meisten reisen sogar erst am Montag ab.“
Umsatzeinbußen seien garantiert. „Unsere Haupteinnahmezeit liegt zwischen ein und drei Uhr. Wenn es heiß ist, kommen die meisten ja erst um 23 Uhr. Wir finanzieren mit dem Geld den Spielbetrieb von der U8 bis zur Männermannschaft. Und dann schießt man uns so ins Knie.“
Jelken ortet aber noch viel schwerwiegendere Auswirkungen. Er zweifelt sogar am Fortbestand des Pfingstturniers. „Wenn um zwei Uhr alle aus dem Zelt sein sollen, müssen wir um 1.30 Uhr das Licht einschalten. Wenn die Teams das checken, kommen sie sicher nicht wieder, sondern gehen dorthin, wo sie länger feiern können.“ Zwar habe man kurzfristig versucht, den Festbetrieb am Abend zeitlich vorzuverlegen. Aber auch hier seien Grenzen gesetzt. Jelken: „Man muss den Spielern schon auch die Chance geben, nach dem Fußball ins Hotel zu gehen und zu duschen.“
Was Jelken aber besonders sauer aufstößt: „Es ist enorm viel Arbeit, eine solch große Veranstaltung so zu planen, dass sie vernünftig abläuft. Keiner hat mit uns im Vorfeld geredet. Die Polizeiberichte wurden uns erst vor dreieinhalb Wochen gezeigt. Da konnten wir kaum noch umplanen. Wir müssen ja die Shuttlebusse anders takten und auch die Bands können nicht wie abgemacht bis 1.30 Uhr spielen, wenn um zwei Uhr das Zelt leer sein soll.“
Jelkens Fazit: „Es hat jetzt 27 Jahre ein Pfingstturnier in Lermoos gegeben ohne grobe Vorfälle. Wir haben auch das Programm und die Musikanlage runtergefahren, um ja keine Probleme wegen Lärm zu bekommen. Aber offensichtlich ist das alles nicht genug. Die Arbeit in den Vereinen wird durch solche Schildbürgerstreiche immer schwieriger.“