Vom Mechaniker zur F1-Legende: Ron Dennis wird 70
Ron Dennis hat McLaren zu einem der erfolgreichsten Formel-1-Teams geformt. Viele der besten Piloten fuhren für ihn, er gilt als Entdecker von Lewis Hamilton - aber auch als anstrengender Pedant. Jetzt wird Dennis 70, sein Team plant die Zukunft längst ohne ihn.
Von Christian Hollmann, dpa
London - Der Ruhestand ist einfach nichts für einen der erfolgreichsten Manager der Formel-1-Geschichte. Nach der schmählichen Entmachtung als McLaren-Boss kümmert sich Ron Dennis nun eben um die Verteidigung seines Heimatlandes. Der kühle Brite, der am Donnerstag 70 Jahre alt wird, soll seinen Erfindergeist im Auftrag der Regierung in einen Beraterkreis für militärische Innovationen fließen lassen, statt sich um das Design neuer Rennwagen zu kümmern.
Die neue Aufgabe passt zu Dennis. Der Mann, der sich vom einfachen Mechaniker zum Chef eines Technologiekonzerns mit Milliarden-Umsatz emporarbeitete, gilt als Pedant, dem Disziplinlosigkeiten ein Graus sind. Mit seinem oft diktatorischen Führungsstil trieb Dennis das McLaren-Team in eine Ära der Triumphe. „Ron ist McLaren, das wird er immer sein. Ich bin ein großer Bewunderer dessen, was er erreicht hat“, sagt Zak Brown, der inzwischen bei dem Formel-1-Rennstall die Geschäfte führt.
Start als Mechaniker von Jochen Rindt
Ikonen wir Ayrton Senna, Niki Lauda und Alain Prost fuhren unter Dennis für McLaren, Lewis Hamilton gab er das erste Cockpit in der Königsklasse. 17 WM-Titel feierte Dennis mit McLaren, bei 158 Grand Prix raste eines seiner Autos zuerst ins Ziel. „Ron ist ein Mann mit herausragenden Fähigkeiten und in der Formel 1 eine Klasse für sich“, sagte einmal Frank Williams, eine andere Teamchef-Legende.
1966 hatte Dennis als Mechaniker für den späteren Weltmeister Jochen Rindt seine Dienstzeit in der Formel 1 begonnen. In den 70er Jahren führte er sein eigenes Formel-2-Team, ehe er dieses Projekt 1981 mit dem von Bruce McLaren gegründeten Grand-Prix-Rennstall fusionierte. Von da an formte Dennis das Team zur Erfolgsmaschine, allein 1988 gelangen 15 Siege in 16 Saisonrennen.
Den eisernen Willen des Briten bekam auch der deutsche Autobauer Mercedes zu spüren, der von 1995 die Motoren für die McLaren lieferte. Knallhart verhandelte Dennis mit den Schwaben den Deal. „Ron bremste dabei spät und wir bestimmt nicht früher“, sagte der damalige Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Mika Häkkinens Titel 1998 und 1999 waren der Höhepunkt der Verbindung, die Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar im Jahr 2007 wegen der Spionage bei Ferrari leitete den Bruch ein.
Einziges Team ohne WM-Punkt
Die nicht selten als Arroganz empfundene Unnachgiebigkeit und sein Kontrollzwang ließen es um Dennis irgendwann einsam werden. Mit dem „Ron-Speak“, seiner oft verkopften und umständlichen Ausdrucksweise in der Öffentlichkeit, beförderte er die Aura des unnahbaren Technokraten. Sein einstiger Zögling Hamilton, dem Dennis sogar die Länge seiner Haare vorschreiben wollte, wandte sich von ihm ab, weil er die Gängelei des Patriarchen nicht mehr ertragen konnte.
Auch McLaren und seine Top-Aktionäre hatten letztlich genug von Dennis, zumal die wiederbelebte Motoren-Partnerschaft mit Honda sich als sportliches Desaster erwies. Ende des Vorjahres wurde Dennis nach langem Machtkampf in dem Motorsport-Konzern kalt gestellt. Als Zeichen des Bruchs ersetzte McLaren die Typenbezeichnung MP4, die unter Dennis viele Jahre dem Namen des neuen Formel-1-Autos vorangestellt war, durch den neuen Titel MCL32. Den Erfolgen von Ron Dennis fährt das Team aber weiter hinterher. Als einziger der zehn Rennställe ist McLaren nach sechs Rennen dieser Saison noch punktlos.