Arbeitsmarkt

Trend zu komprimierter Arbeitszeit

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Knapp die Hälfte der österreichischen Arbeiter wünscht sich die Vier-Tage-Woche, so eine Studie des Online-Netzwerks XING. Die tägliche Arbeitszeit erhöht sich dabei auf 10 Stunden. Experten analysieren diesen Trend.

Von Martina Treu

Innsbruck, Silz –Höhere Effizienz, höhere Motivation, höhere Effektivität: Für David Schmid, Geschäftsführer von DS Consult, einem Tiroler Wirtschaftsberatungsunternehmen, liegen die Vorteile einer Vier-Tage-Woche auf der Hand. Grund sei, dass man in kürzerer Zeit mehr schaffen müsse. „In den Unternehmen, in denen dieses Arbeitszeitmodell bereits gelebt wird, gibt es weniger krankheitsbedingte Ausfälle durch Krankenstände oder Arztbesuche, weil diese dann auf den freien Tag gelegt werden“, so der Unternehmensberater.

Zu diesem Thema fand eine vom beruflichen Online-Netzwerk XING in Auftrag gegebene Studie heraus, dass sich 44,5 Prozent der Befragten auch dafür entscheiden würden, bei gleichbleibender Wochenstundenanzahl nur vier Tage die Woche zu arbeiten. 13,3 Prozent würden gar nur drei Arbeitstage bevorzugen.

„Mit der Vier-Tage-Woche hat man als Arbeitgeber die Möglichkeit, dem Mitarbeiter auch bei arbeitsintensiven Jobprofilen eine zusätzliche Möglichkeit zur Work-Life-Balance zu bieten“, findet Clemens Satke, Geschäftsführer der SHS Unternehmensberatung mit Sitz in Innsbruck.

Diese Flexibilität möchte auch Peter Bußjäger seinen Mitarbeitern bieten. In seiner IT-Unternehmensberatung Coach2Profit in Silz überlegt er, auf die Vier-Tage-Woche umzustellen. „Wir arbeiten in Projekten, da muss es meinen Mitarbeitern möglich sein, auch zehn Stunden zu arbeiten“, erzählt Bußjäger. Ganz nach der Devise: Mach deine Arbeit, wenn sie anfällt.

Das Arbeitszeitgesetz regelt dieses Zeitmodell, in dem die Wochenstundenzahl auf vier Tage komprimiert wird, woraus sich eine Normalarbeitszeit von zehn Stunden ergibt. „Betriebe dürfen dieses Arbeitszeitmodell grundsätzlich einführen, wenn sie es für alle Mitarbeiter ermöglichen. Im Sinne der Gleichbehandlung darf dies nicht für Einzelpersonen gelten“, erklärt Bernhard Achatz, Leiter der Serviceabteilung Arbeits- und Sozialrecht der Wirtschaftskammer Tirol.

Ein Arbeitsmediziner sollte auf jeden Fall eine Stellungnahme abgeben, ob das betriebliche Umfeld für eine Vier-Tage-Woche geregelt ist (siehe Artikel unten). Für Unternehmer bringe ein Zehn-Stunden-Tag den Vorteil, dass er nicht für jede neunte und zehnte Überstunde zahlen muss, erklärt Achatz.

Bußjäger erhofft sich von der geplanten Umstellung, dass seine Mitarbeiter motivierter und erholter sind und der Kunde das auch spürt. „Die Mitarbeiter sollen nicht ständig auf die Uhr sehen, sondern ihre Arbeitszeit so gestalten, wie es der Kunde benötigt“, erklärt der Oberländer Unternehmer.

Im Modell der Vier-Tage-Woche sieht David Schmid aber auch Schwierigkeiten: „In der heutigen globalisierten Arbeitswelt muss ein Unternehmen fünf Tage anbieten, sonst übernimmt das ein anderer Betrieb, bei dem das Arbeitszeitgesetz möglicherweise nicht so stark reglementiert ist wie in Österreich.“ Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, könnte die Einführung von zwei Teams sein, wobei je ein Team von Montag bis Donnerstag bzw. Dienstag bis Freitag arbeite.

Ein weiteres Problem der Vier-Tage-Woche sieht Bußjäger darin, dass Kunden das Unternehmen nur vier Tage die Woche erreichen können. Das würden viele nicht akzeptieren. Mit seinen Mitarbeitern habe er daher ausgemacht, dass sie zumindest über das Handy verfügbar sind.

Damit die Übergabe reibungslos klappe, müsse die Übergabe laufender Aufträge oder offener Angebote genau geklärt sein. „Das ist sicher die sensibelste Stelle, wenn man mit zwei Teams arbeitet“, findet Schmid. Die Verantwortung müsse richtig unter den Mitarbeitern verteilt werden, Vertretungsfunktionen klar geregelt sein, fügt Satke an. Die gemeinsame Zeit könne man gut für Teambesprechungen nützen.

Auch klassische Pausen würden sich durch die Zehn-Stunden-Tage verschieben, da andere Arbeitszeiten vorliegen, erwähnt Schmid. In Zeiten hoher Flexibilität sei dies aber kaum mehr ein Problem.

Bußjäger leitet neben der IT-Unternehmensberatung auch ein Maklerbüro. Dort bietet er die Vier-Tage-Woche an, wo diese jedoch nicht angenommen werde. „Viele davon sind schon 15 Jahre bei mir und es einfach gewohnt, von Montag bis Freitag zu arbeiten.“ Eine jüngere Mitarbeiterin habe das Angebot inzwischen aber angenommen.

Sinnvoll sei die Vier-Tage-Woche vor allem im produzierenden Gewerbe, wo sich durch die Ausreizung der Zehn-Stunden-Tage die Produktionskapazität erhöhen könne, meint Schmid.

Internationale Konzerne wie Google oder Amazon leben das Modell bereits vor, weiß Satke. „Wir müssen experimentierfreudiger werden“, fordert der Unternehmensberater. Den Mitarbeitern Gesamtpakete zu liefern für den privaten Ausgleich wie Mehrurlaub, Sabbaticals oder eben die Vier-Tage-Woche, mache den Arbeitgeber erst attraktiv. Doch auch der Mehrwert für den Kunden durch ausgeglichenere und schneller arbeitende Mitarbeiter sei deutlich spürbar.

„Persönlich halte ich schon viel von der Vier-Tage-Woche. Durch steigende Belastungen, digitale Kommunikation und ständige Erreichbarkeit können drei Tage Wochenende ein guter Puffer sein“, meint Schmid. Vorausgesetzt natürlich, man nutze den zusätzlichen freien Tag auch wirklich für die Freizeit. Der Trend der Vier-Tage-Woche stehe auch in Zusammenhang mit dem Trend zum Kurzurlaub. „Menschen suchen mehr und mehr kurzzeitige Auszeit, da bietet sich ein dreitägiges Wochenende durchaus an.“

„Die Anforderungen an Arbeitgeber sind im Wandel“, sagt Satke. Unternehmen, die es schaffen, sich früher auf diese Bewegungen organisatorisch einzustellen, seien am Arbeitgebermarkt im Vorteil. „Das ist moderner Zeitgeist.“