Buchbesprechung

Untot durch Raum und Zeit

Die gebürtige Niederösterreicherin Isabella Feimer war Ende 2014 zwei Monate lang Stadtschreiberin in Schwaz.

In Isabella Feimers „stella maris“ kommt dem Weltraum die Welt abhanden – und eine Unsterbliche setzt sich dem Erinnern aus.

Innsbruck –Irgendetwas wird schon passiert sein, bevor die „Nemesis“ ins All aufbrach. Was genau belässt Isabella Feimer im Vielleicht. Es dürft­e mehr als ein „kleiner Weltuntergang“ gewesen sein, von dem an einer Stelle in „stella maris“ die Rede ist.

Sagen wir es so: Dem Weltraum ist die Welt abhanden gekommen. Es bleiben der Raum, ein Raumschiff ohne Ziel – und viel Zeit. Aber auch die Zeit darf vernachlässigt werden. Eva, die Ich-Erzählerin des Textes, ist unsterblich, eine sprichwörtliche Kunst­figur, ein Kind der Renaissance, den Bilderwelten Botticellis entsprungen, alterslos und reich an Erfahrungen.

In der Raumkapsel nimmt sie, begleitet von anderen Untoten, einem reichlich unnützen Captain zum Beispiel, Abschied von dem, was war, und dem, was einmal wahr war. Das heißt zunächst einmal, sie träumt sich zurück nach Rom und Paris. Zwei Orte, an denen sie einst lebte. Und zwei Ideen: die Ewige Stadt und die Stadt der Liebe. In Rom wütete damals der Faschismus. In okkupierten Paris öffnete sich die rote Tür zur Hölle. Schönheit und Schrecken, Ekstase und Extrem gehen hier Hand in Hand. Trotzdem: Diese Passagen erden den Text, geben dem mächtigen Fluss der Worte etwas beinahe Romanhaftes – und machen deutlich, dass Isabella Feimer, die 2014 Stadtschreiberin in Schwaz war, nicht nur die ganz großen Themen – Liebe und Tod, Schuld und Sühne, Anfang und Ende – in Frage stellt, sondern auch erzählen kann.

Spannender freilich ist tatsächlich das Nachdenken, das bei Feimer immer auch Spracharbeit ist. Sie entwickelt eindrückliche, bisweilen herausfordernd widersprüchliche Bilder, reich an Details, randvoll mit Atmosphäre. „stella maris“ ist ungemein ambitionierte, unbequeme Prosa. An keiner Stelle angestrengt, aber stellenweise anstrengend zu lesen. Für die langen Sätze ist langer Atem gefragt. Was einmal mehr beweist, dass langatmig noch lange nicht langweilig heißt. (jole)

Prosa Isabella Feimer: stella maris. Braumüller. 206 Seiten, 20 Euro.

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