Natur

Wildobst, Zirbe und Berg-Ulme: Tirols Wald soll artenreich werden

Die Zirbelkiefern (hier ein Blick ins Radurschltal bei Pfunds) sorgen in Höhenlagen dafür, dass der Wald seine Schutzfunktion erfüllen kann.
© DVD Digital

In der Vergangenheit hat man in Tirol zu massiv auf die Fichte gesetzt. Nun werden Tausende seltene Bäume gepflanzt, um den Wald klimafit zu machen und die tierische Artenvielfalt zu sichern.

Von Brigitte Warenski

Vogelbeeren wurden heuer von den Bundesforsten in Kranebitten (Innsbruck) gepflanzt.
© ÖBf/SLK

Innsbruck — Mischwälder statt Fichtenmonokulturen, Strukturvielfalt statt vielerorts gleichaltriger und strukturarmer Forste. Statt der schnell wachsenden und damit intensiv genutzten Fichte, die auf über der Hälfte der heimischen Waldfläche wächst, soll der Lebensraum Wald wieder verstärkt auch andere Baumarten beherbergen. „Man hat Fehler gemacht, aber man hat es früher nicht besser gewusst und Fichten auch dorthin gesetzt, wo sie nicht hingehören", sagt Hermann Schmiderer, Leiter des Forstbetriebs Unterinntal der Bundesforste.

Der seltene Augsburger Bär fühlt sich in der Tiefenbachklamm im Brandenberger Tal wohl.
© forst

Das neue Programm der Bundesforste sieht vor, dass allein in Tirol in den kommenden fünf Jahren 15.000 seltene und regional stark gefährdete Bäume und Sträucher gepflanzt werden. In den Wald kommen keine „Gartenpflanzen", sondern nur Pflanzen, die „von Natur aus dort vorkommen würden", so Schmiderer. Mit den ersten Aufforstungen wurde bereits heuer begonnen. „Im Kaiserbachtal am Wilden Kaiser wurden z. B. Kirschen, Felsenbirnen und Schlehdorn gesetzt. In Brandberg im Zillertal haben wir sogar 200 Eichen gepflanzt, weil sie vom Klima her gut dorthin passen. Im Gaistal in der Leutasch wurden Felsenbirnen, Wildäpfel und Mehlbeeren gepflanzt und in der Tiefenbachklamm im Brandenberger Tal Berg-Ulmen und Eiben", erzählt Schmiderer.

Vogelbeeren wurden heuer von den Bundesforsten in Kranebitten (Innsbruck) gepflanzt.
© ÖBf Archiv/ Wolfgang Simlinger

Mischbaumarten sind eine Vorsorge, dass der Wald dem Klimawandel besser standhält. Vor allem Fichten kommen mit den immer heißeren Sommern nicht zu Rande, verdorren und fallen den Borkenkäfern zum Opfer. Um den Wald klimafit zu machen, „braucht es vor allem in den Tieflagen weit mehr Mischwald", so Schmiderer. In den Hochlagen werden dagegen vermehrt Zirben und Lärchen eingemischt, „weil der Wald damit stabiler wird und besser seine Funktion als Schutzwald erfüllen kann".

Der Alpenbock ist eine der gefährdeten Insektenarten. Sein Lebensraum ist Totholz in alten Buchenwäldern.
© forst

Weil zudem viele Waldbewohner bereits auf den Roten Listen gefährdeter Tierarten stehen, geht es laut Schmiderer auch darum, die Artenvielfalt zu sichern. „Blühsträucher sind Lebensräume für verschiedene Wildbienenarten und Igel mögen auch Wildobst, nur um zwei Beispiele zu nennen." Über 750 verschiedene Insektenarten beherbergt die Eiche, „während sich auf der Fichte nur rund ein Zehntel wohlfühlen", sagt der Kustos der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen, Peter Huemer.

Wichtig für einen artenreichen Wald, der verschiedenste Nischen für Tiere und Pflanzen bietet, sind laut Huemer zudem Altholzbestände und Totholz. „Abgestorbene Bäume sollten am besten stehen oder liegen bleiben, um vielen Totholztieren Lebensraum zu bieten. In Österreich gibt es allein 1600 Arten von Totholzkäfern, aber auch Ameisen und Schmetterlinge sind auf Totholz angewiesen." Zusätzlich sollten „die Böschungen und Waldsäume entlang von Forststraßen naturnah bewirtschaftet werden. Huemer wünscht sich für den Lebensraum Wald auch, „dass Bäume und Sträucher so gepflanzt werden, dass es genügend Lichtungen gibt".

Tirols Wälder in Zahlen

Tirol: Über 40 Prozent der Landesfläche (506.000 Hektar) ist Waldfläche, davon sind rund 58 Prozent Fichtenwälder. In den letzten 30 Jahren hat die Waldfläche laut Waldinventur um 5?% jährlich zugenommen. Vor über 20 Jahren wurde begonnen, einzelne Naturwaldgebiete/Naturwaldzellen (z.?B. im Karwendel, Stummer Berg) einzurichten. In 24 Gebieten auf 3000 Hektar ist dort der Wald außer Nutzung gestellt.

Bundesforste: Die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) bewirtschaften in Tirol 250.000 Hektar Wald- und Naturfläche. Die Bundesforste sind in Tirol mit den Forstbetrieben Oberinntal und Unterinntal vertreten. Rund 200.000 Jungpflanzen setzen die Bundesforste jährlich in ihren Tiroler Wäldern.

Backstage-Woche: Anlässlich ihres 20-Jahr-Jubiläums als Unternehmen laden die Bundesforste im Rahmen der Woche des Waldes bis 18. Juni 2017 zu kostenlosen Backstage-Führungen für Privatpersonen und Schulklassen in allen zwölf Forstbetrieben und zwei Nationalparkbetrieben in ganz Österreich. In Tirol erhalten am 13. Schüler Einblick in die tägliche Arbeit (Holzernte) und die Möglichkeit, Forstberufe kennen zu lernen. Treffpunkt: Direkt bei Mautstelle in unmittelbarer Nähe des Speckbacherhofes in Gnadenwald-St.?Martin (ca. 600 m östlich der Polizeischule) um 8.45 Uhr, Rückkehr ca. 12.30 Uhr. Anmeldung unter 0664/8197511. Rund 130 Jahre dauert es im Durchschnitt, bis aus einem kleinen Keimling ein erntereifer Baum wird. Im Zeitraffer, in nur drei Stunden, gibt es die Möglichkeit, mehr über die unterschiedlichen Lebensstadien eines Baumes zu erfahren (16. Juni um 9 Uhr, Gasthof Waldwirt (Pass-Thurn-Straße 20, Jochberg). In Kufstein geht es am 17. auf Entdeckungsreise von Wald und Wasser (17. Juni um 9 Uhr, Talstation Kaiserlift Kufstein, Anmeldung unter 05372/62207. Das gesamte Programm gibt es unter www.bundesforste.at

Fichten, wohin das Auge blickt. Zu 58 Prozent sind Tirols Wälder heute mit Fichten bewachsen, weil man früher fast nur schnell wachsende Fichten aufgeforstet hat.
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