Zillertal

„Gilfert“: Alpiner Thriller ohne Gefahrenzulage

Anderer Berg, gleicher Theaterstoff: Felix Mitterers Stück "Munde" wird ab heute auf den "Gilfert" in Hochfügen verlegt.
© Veranstalter

1990 schrieb Felix Mitterer mit „Munde“ Eventtheater-Geschichte. 27 Jahre später eskaliert es nun am „Gilfert“ unterm Gipfelkreuz.

Von Christiane Fasching

Innsbruck — Vom Blitz erschlagene Schafe. Wutentbrannte Umweltschützer. Ein abenteuerlicher Theaterabend im Faraday'schen Käfig samt Übernachtung im hochalpinen Container-Dorf. Wer anno 1990 bei der Uraufführung von Felix Mitterers Bergdrama „Munde" dabei war, hat viel zu erzählen — schließlich wagten sich die Tiroler Volksschauspiele damals in luftige Höhen und auf den Telfer Hausberg, die Hohe Munde.

Auf 2500 Metern Seehöhe ging das Stück, das als harmloser Betriebsausflug beginnt und sich zum Psychothriller steigert, über die spektakuläre Freiluft-Bühne, die man erst nach dreistündigem Fußmarsch erreichte. Die Gefahr spielte also mit: Auch deshalb, weil explosive Gewitter in der Luft lagen, die den Zuschauern beim Aufstieg Beine machten — beim Abstieg säumte dann so manches tote Schaf den Weg ins Tal. „Munde" war also ein Aufreger. Auch deshalb, weil das Equipment mit Hubschraubern zum Gipfel geflogen werden musste — was Umweltschützer rasend machte, die noch mehr tobten, als einmal auch die Schauspieler per Helikopter ins Tal flogen.

„Der Inhalt des Stücks rückte eigentlich in den Hintergrund", erinnert sich Klaus Rohrmoser, der in Telfs damals „Frau Suitner" inszenierte. Zur „Munde" hat er es nicht geschafft, doch „dieses kleine, fabelhaft geschriebene Werk" hat es ihm trotzdem angetan. Für das Theaterfestival Steudltenn legt er nun also 27 Jahre nach der Uraufführung Hand an Mitterers alpines Kammerspiel, das nun allerdings umbenannt und ins Zillertal verlegt wird, genauer gesagt nach Hochfügen, wo sich nun mit Blick auf den „Gilfert" eine Grillage in den Bergen zum zwischenmenschlichen Thriller auswächst. Kurz zum Inhalt: Beim Betriebsausflug einer Dachspenglerei geraten sich der polternde Geselle Gerhard (Francesco Cirolini) und der türkische Hilfsarbeiter Memet (Ivan Pantner), der lieber Alex genannt werden will, in die Haare. Alltags­rassismus flammt auf und noch bevor der auf Harmonie bedachte Meister Willi (Pepi Pittl) den Konflikt schlichten kann, zerbröselt dessen eigene Existenz.

Auf dem Gipfel der Hohen Munde ging 1990 die Uraufführung von "Munde" mit Tobias Moretti (rechts) über die Bühne.
© Sepp Dreisinger

„Das Stück könnte auch von Stephen King sein", ist Rohrmoser überzeugt. Und schwärmt von der Brisanz des Textes, der auch knapp 30 Jahre nach seiner Uraufführung nichts an Aktualität verloren hat. So schimpft an einer Stelle der deklarierte Ausländerfeind Gerhard auf die Flüchtlingsströme und fordert das Dichtmachen der Grenzen. „Der Text wirkt so, als hätte ihn Mitterer letzte Woche geschrieben", sagt Francesco Cirolini, der den Part des polternden Gesellen übernimmt. Und sich damit verspätet einen Traum erfüllt. „Ich war schon 1990 ganz heiß auf die Rolle, aber mich hat damals keiner gefragt — wahrscheinlich, weil ich mit 17 zu jung war. Beleidigt war ich trotzdem", erinnert sich Cirolini zurück. Den Ärger hat er längst überwunden, schließlich schnappte ihm mit Tobias Moretti ja kein Niemand die Traumrolle weg.

Während Moretti in Salzburg nun an seinem Debüt als „Jedermann" feilt, fiebern Cirolini und Co. der heutigen Premiere entgegen, die bei Schönwetter auf der Terrasse des Hotels Lamark in Hochfügen über die Bühne geht. Bei Regen wird in der nahe gelegenen Talstation gespielt. So oder so wird „Gilfert" also zur gefahrenfreien Theaterzone, die ohne anstrengenden Fußmarsch zu erreichen ist. Dem Zuschauer von heute ist das nicht mehr zuzumuten — 2017 fährt man bequem mit dem Auto in die Bergkulisse.

Info

"Gilfert" nach Felix Mitterers "Munde" hat heute (20 Uhr) auf der Terrasse des Hotels Lamark in Hochfügen Premiere. Bei Schlechtwetter wird in die nahe Talstation ausgewichen. Zu sehen bis 27. Juli.

Termine unter www.steudltenn.com.

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