Die wahren Abenteuer sind nicht nur im Kopf
Ein wahrscheinlich einzigartiges Projekt der NMS Umhausen und Sölden beweist, dass man Schüler vom Lesen begeistern kann.
Von Hubert Daum
Umhausen –„So, liebe Kinder, jetzt lesen wir noch eine Geschichte aus dem Lesebuch“ – zu langweilig, hatte sich Claudia Markt, Deutschlehrerin in der Neuen Mittelschule (NMS) Umhausen, gedacht: „Lesen sollte die Kinder begeistern“, ist ihr Credo. So setzte sie sich an den Schreibtisch und schrieb eine Abenteuergeschichte. Allerdings keine übliche. „Wenn Schüler die Hauptdarsteller sind und sich selbst namentlich erwähnt finden, steigert das natürlich das Leseinteresse“, so die Autorin, die mittlerweile ihre Kollegin Ursula Stecher von der NMS Sölden und ihre Schüler mit ins Abenteuerboot geholt hat. „Am Ende waren es ... alle“ hieß letztendlich das Werk, das neben der Verbesserung der Lesekompetenz zum Ziel hatte, das Ötztal und seine Sehenswürdigkeiten näher kennen zu lernen.
Während des Schuljahres lasen nun die Zweitklässler der NMS Umhausen und Sölden wöchentlich sämtliche Kapitel. Claudia Markt: „Unsere Schüler konnten es oft gar nicht erwarten, bis es in der Folgewoche weiterging und ihr Name aufschien und sie Teil der Geschichte waren.“
Diese handelt von Philipp, einem Jugendlichen aus Umhausen, der zufällig im Internet auf eine Webseite stößt, die ihn neugierig macht. Verwundert stellt er fest, dass er nicht der Einzige ist, der versucht, die Codewörter zu knacken, die ihn ans Ziel einer 67 Kilometer langen Abenteuerreise durch das Ötztal bringen, die nach und nach alle Schüler involviert.
Aus einem früheren Gemeinschaftsprojekt machten die Lehrerinnen die Erfahrung, dass neue Freundschaften entstehen, wenn sich die Kids auch wirklich treffen. Also Vorhang auf für Teil zwei des Projektes, nämlich das reale Nachspielen der Geschichte an den einzelnen Schauplätzen und das Entstehen eines Filmes. „Die Darsteller waren richtig gespannt, sich persönlich kennen zu lernen“, erinnert sich die „Projektleiterin“. Für den Film musste natürlich ein Drehbuch entstehen. Markt: „Gruppenweise bearbeiteten sie die einzelnen Kapitel, unterstrichen die direkten Reden und versuchten, sie szenisch aufzuarbeiten. Wieder war beim Rollenstudium Lesekompetenz gefragt und anschließend ging es ans Auswendiglernen der Szenentexte.“
Nun nahmen beide Pädagoginnen Kontakt zu den Sehenswürdigkeiten des Ötztales – Hochseilgarten Sautens, Ötzi-Dorf und Greifvogelpark Umhausen, Aqua Dome und Motorradmuseum Hochgurgl – auf, denn jetzt sollte Teil drei des Projektes folgen, nämlich das reale Erleben des Gelesenen. „Wir wurden von allen mit offenen Armen empfangen“, berichtet Ursula Stecher, „die Bergbahnen Sölden stellten uns sogar kostenlos Busse zur Verfügung. Zudem bekamen wir Unterstützung vom Tourismusverband.“
Letzte Woche war es dann so weit: Die reale Abenteuerreise startete im Hochseilgarten Sautens. Am nächsten Tag folgte der Dreh im Aqua Dome und am Donnerstag besuchte die „Filmcrew“ das Ötzi-Dorf und den Greifvogelpark. Den Abschluss der 67 Kilometer langen Reise bildet der Besuch des Motorradmuseums in Hochgurgl am kommenden Montag. Markt: „Plan ist es, die gespielten Szenen auf YouTube zu stellen, damit sich alle ihre Abenteuer anschauen können. Zudem ist eine eigene Homepage im Entstehen. Ich glaube, dies ist ein Beweis, dass man Schüler vom Lesen begeistern kann, denn Lesen verbindet.“