Thiem in Wimbledon zum Auftakt gegen Kanadier Pospisil
Der Wahl-Tiroler Andreas Haider-Maurer trifft bei seinem Grand-Slam-Comeback auf den Spanier Roberto Bautista Agut.
London – Österreichs Tennis-Ass Dominic Thiem hat am Freitag für den Auftakt des Grand-Slam-Turniers von Wimbledon mit Vasek Pospisil eine durchaus knifflige Aufgabe zugelost bekommen. Der Kanadier liegt in der Weltrangliste als 75. zwar um 68 Plätze hinter Thiem, fühlt sich aber auf Rasen nicht unwohl. 2015 hat der 27-Jährige das Wimbledon-Viertelfinale erreicht, Thiem kam dort maximal in Runde zwei.
Von den anderen Österreichern im Herrenfeld erhielt Andreas Haider-Maurer den Spanier Roberto Bautista Agut als Gegner. Der ist nicht nur wegen seiner Setzung als Nummer 18 als schwieriger Kontrahent zu werten, stellt sich der 29-Jährige doch auf Rasen auch nicht ungeschickt an. In seiner Karrierebilanz hat er zwei von drei Rasen-Matches gewonnen. Qualifikant Sebastian Ofner wurde am Freitag noch zugelost.
Pospisil starker Aufschläger
Thiems Anspruch als Nummer acht der Weltrangliste sowie in der Wimbledon-Setzung muss spätestens seit seinem erneuten Einzug ins French-Open-Halbfinale sein, die zweite Woche auch dieses Grand Slams zu erreichen. In seinen Vorbereitungsturnieren brillierte der 23-Jährige allerdings nicht, in Halle und Antalya reichte es für ihn in drei Matches zu nur einem Sieg. Aus 2016 hat Thiem eine zweite Runde zu verteidigen.
Während er mit den sehr schnellen Bedingungen beim neuen Event in Antalya topgesetzt überhaupt nicht zurecht kam, hat er nach einem Kurzstopp daheim aber immerhin bis Dienstag Zeit, sich auf die Verhältnisse auf dem „heiligen Rasen“ einzugewöhnen. Denn erst dann spielt die untere Raster-Hälfte der Herren wie auch die obere der Damen. Die Spieler in den anderen Raster-Hälften bestreiten ihre Auftaktmatches am Montag.
Pospisil gilt als starker Aufschlag- und Volley-Spieler, womit er für Rasen-Tennis prädestiniert sein sollte. Allerdings wird dieses klassische Rasen-Tennis früherer Tage lange nicht mehr so häufig angewandt, bisher letzter Wimbledonsieger mit dieser Spielanlage war Goran Ivanisevic 2001. Pospisils Glanzlichter auf Rasen waren bisher auch eher punktuell verteilt, von 34 Partien gewann der auf den Bahamas lebende 1,85-m-Mann 14.
Sein heuriges Ausrufzeichen war ein Zweitrundensieg beim Masters-1000-Turnier in Indian Wells gegen den Weltranglistenersten Andy Murray (GBR). Auf Grand-Slam-Ebene hat er heuer noch keinen Sieg stehen. Auf Rasen hat Pospisil in den vergangenen Wochen in Hertogenbosch als Qualifikant das Viertelfinale erreicht, in Halle verlor er in Runde eins und diese Woche in Eastbourne im Achtelfinale gegen Novak Djokovic (SRB).
Wartet Djokovic im Viertelfinale?
Sollte Thiem gegen Pospisil wie schon auf Sand in München 2015 gewinnen, würde sein Raster-Achtel für ihn nicht unlösbar sein. Zweitrundengegner wäre Gilles Simon (FRA) oder ein Qualifikant, erster gesetzter Gegner wäre laut Papierform der als Nummer 32 gerade noch unter die Gesetzten gerutschte Italiener Paolo Lorenzi. Gegen Djokovic könnte es idealerweise wie in Paris zu einem Viertelfinalduell kommen.
„Toughes Los“ für Haider-Maurer
Haider-Maurer darf zunächst einmal froh sein, erstmals nach 19-monatiger Verletzungspause wieder in einem ATP-Hauptfeld zu stehen - mittels „protected ranking“. Sein bisher letzter Grand-Slam-Anlauf hat bei den US Open 2015 nach einem Fünfsatzsieg über Pospisil in Runde zwei gegen Djokovic geendet. Dort war „AHM“ ein Jahr davor in Runde eins Bautista nach 2:1-Satzführung in fünf Durchgängen unterlegen.
In Wimbledon hat sich der 30-jährige Wahl-Innsbrucker ab 2009 siebenmal in Folge versucht, bei vier Hauptfeldeinsätzen kam er zweimal in Runde zwei. Bautista hat zu Jahresbeginn in Chennai seinen fünften ATP-Titel geholt, kam bei den Australian und French Open ins Achtelfinale. Auf Rasen blieb der 29-Jährige vergangene Woche in Halle im Viertelfinale hängen. Haider-Maurer - Bautista wird am Montag gespielt.
Andreas Haider-Maurer trainiert seit Dienstag täglich zweimal eine Stunde in Wimbledon, dazu kommt Physiotherapie. Seine lange Verletzungspause war durch einen Faszien-Einriss und einer damit verbundenen Entzündung im Bereich der rechten Ferse bedingt, das scheint überwunden. Sein Manager Bernd Haberleitner bezeichnete vor seiner Anreise nach London Roberto Bautista Agut als „toughes Los“.
„Er ist kein typischer Spanier, hat flache, schnelle Schläge und spielt auf Rasen sehr gut“, erklärte Haberleitner. „Er wäre in diesem Match in jedem Fall Favorit.“ Für seinen Schützling sei es wichtig, dass er sich im Training langsam steigert und der Körper besser in Schwung kommt. „Er ist auf alle Fälle derzeit sehr, sehr happy, dass er wieder spielen kann“, meinte Haberleitner über Haider-Maurers Gemütszustand.
Der Waldviertler hat auch für das Doppel genannt, und zwar mit dem vorjährigen Kitzbühel-Einzelfinalist Nikolos Basilaschwili. Bei seiner US-Open-Partie vor knapp drei Jahren gegen Bautista hatte Haider-Maurer sehr stark gespielt, erst nach knapp vier Stunden verloren. Der Österreicher sprach danach von einer seiner bittersten Niederlagen überhaupt, nachdem der Iberer wegen angeblicher Probleme auch länger den Platz verlassen hatte. (APA)