Tiroler Priester als Sinnbild für Mut und Gewaltlosigkeit

Otto Neururer steht im Mittelpunkt eines Dokudramas made in Tirol. Gestern wurde in Axams mit Karl Merkatz und Lucas Zolgar gedreht.

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Regisseur Hermann Weiskopf (links) und Drehbuchautor Peter Mair (r.) realisieren das Dokudrama mit einem internationalen Team.
© De Moor

Axams –„Was die Geschichte Otto Neururers für die heutige Zeit so relevant macht, ist seine Gewaltlosigkeit – und die Botschaft, dass die Hoffnung letztlich stärker ist als jedes menschenverachtende Regime“, sagt der Tiroler Regisseur Hermann Weiskopf. Aufbauend auf ein Drehbuch des Historikers Peter Mair dreht er derzeit ein Dokudrama in Spielfilmlänge über den Tiroler Geistlichen, der kompromisslos an seinem Glauben festhielt und 1940 im KZ Buchenwald brutalst zu Tode gefoltert wurde. 1996 wurde Neururer seliggesprochen.

Karl Merkatz verkörpert in „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ den Fürstbischof von Brixen.
© Rudy De Moor / TT

Die (fiktive) Rahmenhandlung von „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ spielt siebzig Jahre später, stellt also den Bezug zur Gegenwart her: Ein alternder Schauspieler, Sohn eines eingefleischten Nazis, macht sich mit einer jugendlichen Straftäterin und einem an Parkinson erkrankten Pfarrer – gespielt von Ottfried Fischer – auf die Suche nach den Spuren Neururers.

Die Dreharbeiten mit Fischer, der auch als Koproduzent fungiert, finden im Herbst statt. Die „historischen Szenen“ werden diese Woche gefilmt, gestern u. a. in der Kapelle des Widums Axams. Weitere Drehorte sind Igls und Neururers Geburtsort Piller.

Der junge Schauspieler Lucas Zolgar aus Dölsach verkörpert Neururer, den Fürstbischof von Brixen, Joseph Altenweisel, spielt niemand Geringerer als Karl Merkatz. Für den 86-Jährigen ist die wiederholte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit (wie schon im „Bockerer“) auch deshalb zentral, weil er sie als Kind selbst erlebt habe: „Als Ministrant in Wiener Neustadt habe ich mich einmal vor dem HJ-Fähnleinführer versteckt“, erinnert sich Merkatz im TT-Gespräch. „Er hat mir gedroht: Wenn du nicht zum Heimabend kommst, stecken wir deinen Vater ins KZ.“

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Lucas Zolgar stellt den von den Nazis ermordeten Tiroler Priester dar.
© Rudy De Moor / TT

Für Zolgar ist es „etwas ganz Besonderes, Neururer darstellen zu dürfen. Gerade in Zeiten zunehmender Gewalt ist es wichtig, solche Geschichten zu erzählen.“ Sein Credo sei dabei: „Weniger spielen, mehr erfühlen, der Persönlichkeit Leben einhauchen.“ Morgen wird Zolgar für den fordernden Part gar kahlgeschoren.

Aus Sicht von Weiskopf, der sich mit der Firma AVG Filmproduktion auf die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit spezialisiert hat, geht es darum, „Historie gefühlsmäßig erlebbar zu machen“. Der Film über Neururer soll in einem Jahr fertig sein, danach will man internationale Filmfestivals erreichen. (md)


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