Außenministerium “bearbeitete“ Islamkindergarten-Studie

Laut „Falter“ haben die Mitarbeiter von Außenminister Sebastian Kurz die Studie zu Islamkindergärten zugespitzt und umgeschrieben und so ein negativeres Bild gezeichnet. Studienautor Ednan Aslan verteidigt sich gegen Kritik.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).
© APA

Wien — Die viel beachtete Kindergartenstudie des Islamforschers Ednan Aslan dürfte vom Außenministerium bearbeitet worden sein. Das legt ein Bericht des Falter nahe. Demnach nahmen Beamte des Ressorts von ÖVP-Chef Sebastian Kurz, das die Studie in Auftrag gegeben hatte, auch inhaltliche Korrekturen vor, die ein möglichst ungünstiges Bild in den Islam-Kindergärten darstellen sollten.

Passagen gestrichen und umgedeutet

Dem Falter liegt das Word-Dokument inklusive Korrektur-Modus vor. Demnach wurden mehr als 900 Änderungen eingegeben. Laut Falter handelt es sich dabei nicht nur um formale Kleinigkeiten und Redigaturen, wie das Ministerium ursprünglich versichert hatte. Etwa wurden Passagen, wo die Qualifikation der Pädagogen gelobt wurde, gestrichen und umgedeutet.

Ein weiteres Beispiel: Aslan schrieb, dass auch muslimische Eltern in den Kindergärten für ihre Kinder „Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbstständigkeit und Transparenz der Regeln" suchten. Ein Beamter des Ministeriums formuliert stattdessen: „Besonders wichtig ist ihnen (den Eltern, Anm.), dass den Kindern islamische Werte vermittelt werden".

An anderen Stellen seien Aussagen des Forschers einfach in das Gegenteil verkehrt worden, schreibt der Falter weiter. Chefredakteur Florian Klenk veröffentlichte einige Auszüge aus den Dokumenten auf Facebook:

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Aslan: „Ich stehe hinter dem Bericht"

Aslan zeigte sich zunächst gegenüber dem Falter überrascht, dass auch inhaltlich in die Studie eingegriffen worden sei. Später erklärte er, dass jede inhaltliche Änderung mit ihm abgestimmt worden sei. Der entsprechende Auszug aus dem Falter:

Gegenüber der APA verteidigte sich Aslan am Dienstag gegen die Kritik: „Ich stehe hinter dem Bericht bis auf den letzten Punkt." Jene inhaltlichen Änderungen, die von Beamten des Außenministeriums vorgenommen worden seien, seien von ihm persönlich angeordnet worden: „Ich würde niemandem erlauben, mir für meine Arbeit Anweisungen zu geben", so Aslan.

Die Vorwürfe, wonach die Studie vom Ministerium überarbeitet worden sei, stellen für Aslan eine „wissenschaftliche Diffamierung und persönliche Beleidigung" dar. Man habe den Bericht ergänzen müssen, „um weitere Komplikationen zu vermeiden". Was er damit genau meint, sagte Aslan nicht. Der Wissenschafter war im Zusammenhang mit der Studie in Kritik von muslimischen Organisationen geraten und soll auch Klagsdrohungen ausgesetzt gewesen sein.

Außenamt: Wollten Aslan vor Klagen schützen

Man habe Aslan etwa vor Klagen islamischer Verbände schützen wollen, verteidigte ein Sprecher des Außenamts die Änderungen gegenüber dem Falter. Ressortchef Sebastian Kurz wusste demnach nichts von den Korrekturen.

Der Integrationsminister meinte, dass alles in der Studie "die Handschrift Aslans" trage. Wenn jemand glaube, nun die Problematik schön reden zu können, halte er das für falsch, sagte der ÖVP-Obmann am Dienstag in Innsbruck.

"Es gibt diese Problematik", betonte Kurz. Kinder würden sprachlich und religiös abgeschottet aufwachsen und dies sei für die Integration äußerst problematisch. "Wir brauchen ein Miteinander und keine Parallelgesellschaft", erklärte Kurz. Diese würde durch islamische Kindergärten aber entstehen.

Der Falter will alle internen Dokumente am Dienstag um 17 Uhr auf www.falter.at veröffentlichen. (TT.com, APA)


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