Rietz von Kaspers Loch bis Dschunglers Hittl erfasst

Zwei Jahre lang arbeiteten die Schützen an einer Karte aller Flurnamen von Rietz. Am Ende haben sie 500 Namen zusammengetragen.

Zur Präsentation der Karte kamen viele, die mit ihrem Wissen zum Gelingen beigetragen haben.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Rietz –„Der Großvater vom Großvater war im Sommer ein bis zwei Monate dort oben am Berg zum Mähen“, erinnert sich ein Rietzer, der zur Präsentation der neuesten Karte seiner Heimatgemeinde gekommen war. Das Heu wurde bei „Mandls Hütte“ gelagert, deutet er auf den Namen, der auf dem Plan eingezeichnet ist. Bei den vielen Begriffen, die dort zu finden sind, kamen die Besucher ins Fachsimpeln. „Hennennest“, „Hirschenbad“, „Schöflehne“, „Gamsriesel“, „Dickicht“ oder „Lausbichlwasser“ heißen alte Flurnamen. „Dort ist ein Brunnen mit Wasser, das auch im Sommer eiskalt ist“, weiß einer.

Zwei Jahre lang haben sich drei Rietzer Schützen auf die Spuren alter, schon fast vergessener Bezeichnungen der Rietzer Geografie begeben. Und manche davon erzählen echte Geschichten. „Der Römerstein zum Beispiel“, erklärt Matthias Pfurtscheller, der gemeinsam mit Hans Prantl und Gregor Pfurtscheller unter die Heimatforscher gegangen ist. Dort findet sich eine Felsplatte, in der man noch die Spuren römischer Wagen erkennt. Oder „Dschunglers Hitte“: „Dschungler war ein alter Rietzer, der mit den Leuten gebrochen hatte. Er ist auf den Berg hinauf und hat sich dort eine Hütte gebaut.“ Spuren davon sieht man noch heute.

Manche Flurnamen erzählen aber auch von der Bergbaugeschichte, der Gemeinde Rietz wie die „Arzlöcher“.

Viele teils kuriose Flurnamen gibt es in der Umgebung von Rietz.
© Reichle

Gelungen ist die Karte dank der Hilfe von älteren Rietzern, denen viele der Begriffe noch geläufig sind. Rund 20 wurden länger interviewt, mitgearbeitet haben viel mehr. Der älteste von ihnen ist mit 90 Jahren Roman Schöffthaler. Nach ihm ist ein eigener Flurname benannt. „Roman’en Maure“ bezeichnet eine Stützmauer, die er vor Jahrzehnten als Dorfmeister selbst aufgestellt hat.

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Wie dieser haben nicht alle Flurnamen Jahrhunderte auf dem Buckel, zum Beispiel „Kaspers Loch“. Dort habe einmal einer nach Kristallen und Mineralien zu schürfen begonnen.

Für Pfurtscheller passt das Projekt, das verhindern soll, dass die alten geografischen Namen irgendwann in Vergessenheit geraten, gut zu den Schützen als „Bewahrer der Tradition“. Das bekräftigt auch Schützenkommandant Stefan Mair. Die Karte kann für einen Umkostenbeitrag von 30 Euro bei der Schützenkompanie erworben werden. Der Erlös fließt in die Vereinskasse.


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