Carey: „Europa ist definitiv die Wiege der Formel 1“

Der neue Formel-1-Boss Chase Carey (USA) über den Stellenwert von Traditionen, das Verhältnis zwischen Fahrern und Technik und den Grand Prix am Red Bull Ring.

Formel-1-Boss Chase Carey.
© APA

Das Rennen in Österreich hebt sich von anderen doch deutlich ab. Sie wollen Amerika und Asien in den Fokus nehmen, wie stehen da die Chancen, dass Rennen wie Spielberg weiterhin ihre Berechtigung haben?

Chase Carey: „Der Große Preis von Österreich ist eines der Rennen mit der größten Tradition in der Formel 1. Nur acht Grands Prix haben eine längere Geschichte. Wir schätzen die Bedeutung der Tradition dieses Sports sehr hoch ein, und Europa ist definitiv die Wiege der Formel 1. Events, die erfolgreich und Teil dieser faszinierenden Geschichte sind, haben die besten Karten, zu bleiben.“

Gibt es irgendetwas, wo Sie sagen würden, man könnte es vielleicht besser machen, und falls ja, was wäre das?

Carey: „Das wird mein erstes Mal beim Österreich-Rennen sein, aber ich werde es genießen. Ich weiß, dass es eine fantastische Location ist, inmitten einer atemberaubenden Naturkulisse, und was die gelungene Organisation von Events angeht, hat Red Bull sicher bewiesen, dass sie an der Spitze stehen. Seit dem Start dieser Saison arbeiten wir hart mit allen Veranstaltern daran, sie zu unterstützen und das entsprechende Rennen unterhaltsamer und ansprechender für die Fans zu machen. Diese Ausgabe des Österreich-Grand-Prix hat ein sehr abwechslungsreiches Programm, und ich bin sicher, in der Zukunft werden wir noch mehr davon sehen.“

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Ein großer Teil der Anziehungskraft des Sports erklärt sich durch nationalen Enthusiasmus und Identifikation mit den Sportlern. Wäre es sinnvoll, dass jedes Land, das ein Rennen austrägt, auch einen Fahrer oder ein Team in der Formel 1 hat?

Carey: „Es ist klar, dass ein lokales Aushängeschild, ob das jetzt ein Team oder ein Fahrer ist, mehr Interesse generiert, wodurch mehr Fans zu den Rennen kommen, aber wir glauben nicht, dass man das künstlich kreieren kann. Was wir tun können, ist, den Sport attraktiver zu machen, speziell für die Jüngeren, die dann eine größere Leidenschaft für den Motorsport entwickeln und versuchen können, selbst ein Prota­gonist zu werden. Das ist definitiv eines unserer Hauptziele.“

Sollte jedes Rennen eine Art Super Bowl sein? Was würden dann die wichtigsten Elemente davon sein?

Carey: „Auf eine gewisse Weise ja. Jeder Grand Prix sollte eine Super Bowl sein, aber das bedeutet nicht, dass wir den Sport amerikanisieren wollen. Ein Formel-1-Grand-Prix sollte eine der wichtigsten Sportveranstaltungen in jedem Land sein. Aber es gibt kein Universalrezept, wie man das verwirklichen kann. Jedes Land hat seine speziellen Charakteristika, daher sind die Fans auch unterschiedlich motiviert. Unser Ziel ist, das bestmögliche Event in jedem Land zu realisieren, und nicht das gleiche Event in allen Ländern.“

Nicht nur bei Red Bull glaubt man, dass es die Fahrer sind, die in der Formel 1 mehr zählen sollten, und nicht die Ingenieure. Was ist Ihre Meinung dazu?

Carey: „Ich stimme zu, dass die Fahrer der zentrale Part in dem Sport sind und bleiben müssen. Man braucht die Helden, um einen Sport zu lieben. Es ist aber auch Fakt, dass der Motorsport eine sehr wichtige technologische Komponente hat, die seit jeher ein integraler Bestandteil der Formel 1 ist. Wir müssen den richtigen Mix finden.“

Ist das derzeitige Modell beim Antriebsstrang das richtige System für die Zukunft? Gibt es Pläne für ein anderes Antriebssystem in der Formel 1, das die Kosten reduzieren würde?

Carey: „Das derzeitige System wird bis einschließlich 2020 bleiben. Die Rahmenbedingungen des Reglements müssen in den nächsten paar Monaten definiert sein, und wir unterstützen die FIA, die weiterhin die Regeln vorgibt und verwaltet, in dieser Phase. Ross Brawn (Formel-1-Sportchef; Anm.) hat eine Gruppe von Ingenieuren zusammengestellt, die in enger Abstimmung mit der FIA arbeiten. Wir brauchen einen Sport, der leistbarer und ausgeglichener ist.“

Liberty Media setzt sehr auf digitale Medien. Die Formel 1 ist stark im Free-TV verankert, es gibt Befürchtungen, dass sie bald zunehmend nur noch im Pay-TV zu sehen sein wird.

Carey: „Es ist auch hier so, dass es kein Universalrezept gibt. Die Art, wie Leute ein Event verfolgen, verändert sich abhängig vom Land und vom Alter. Wir müssen den besten Mix finden. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir aufrechte Verträge und Beziehungen respektieren müssen. Das kann alles nicht einfach so über Nacht verändert werden.“

Das Interview führte Hans Gödel (APA)


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