G20-Gipfel in Hamburg: Kriegszustand und Machtverteilung

Ein “Debakel für die deutschen Polizeikräfte“, seien die Zustände rund um den G20-Gipfel in Hamburg gewesen, schreibt die italienische Zeitung Corriere della Sera aus Mailand. Der Observer aus London beschäftigt sich mehr mit der Machtverteilung zwischen Berlin und Washington. Eine Auswahl an Pressestimmen zum Treffen der Top-Wirtschaftsnationen.

In den russischen Zeitung (hier ein Bild aus Moskau) war vor allem das Treffen zwischen Donald Trump und Wladimir Putin großes Thema.
© AFP

Mailand/London - Von Hamburg im Kriegszustand und einem Debakel für die deutschen Polizeikräfte schreibt die italienische Presse mit Blick auf die Krawalle um den G20-Gipfel. Britische Blätter beschäftigen sich mit der Machtverteilung zwischen Washington und Berlin.

In Italien diskutiert die Presse vor allem die Ausschreitungen zum G20-Gipfel in Hamburg:

Corriere della Sera (Mailand): "Der Gipfel von Hamburg schließt mit einem Debakel für die deutschen Polizeikräfte, die es nicht geschafft haben, Sicherheit auf der Straße zu gewährleisten. Das könnte sich in ein politisches Problem für Angela Merkel verwandeln."

La Repubblica (Rom): "Das Herz eines Hamburgs, das sich seit drei Tagen im Kriegszustand befindet, ist die Geisel des Terrors. Zwischen den Vierteln Sternschanze, Altona und St. Pauli brandschatzen Tausende G20-Gegner die zweitgrößte Stadt Deutschlands.(...) Es gibt keine dominierende politische Idee, keine gemeinsamen Ziele, keine historische Ideologie, kein rechts und kein links. (...). Es gibt einen einzigen gemeinsamen Zweck: die Attacke auf "ein System, das uns ausschließt und uns demütigt"."

In London diskutieren britische Zeitungen über die Positionen des US-Präsidenten Donald Trumps und der Bundeskanzlerin Angela Merkel:

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Times: "Der US-Präsident hat sich mit seiner Entscheidung für den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, das gestern von 19 der G20-Staaten bekräftigt wurde, von seinen Amtskollegen abgewendet. (...) Angela Merkel, die als G20-Gastgeberin bei der Begegnung mit Wladimir Putin ihre Technik des Augenrollens perfektionierte, wird von einigen als die wahre Führerin der freien Welt gepriesen. Das ist nicht ernst zu nehmen. Merkel hat den Vorteil politischer Langlebigkeit, aber sie hat nie eine Neigung gezeigt, über die europäische Bühne hinauszugehen. Ihr Ziel ist es, die Europäische Union zu verteidigen und zu bewahren, die vorteilhaft für die deutschen Exporteure ist. (...)"

The Observer: "Schlagzeilen haben in jüngster Zeit nahegelegt, dass Angela Merkel als Führerin der westlichen Welt angesehen werden sollte - statt Donald Trump. Für viele ist Merkel de facto zur Präsidentin Europas und zur globalen Bannerträgerin fortschrittlicher Politik geworden. Das ist eine schwere Bürde. Aber irgendwie ist das auch einfältig. Merkel selbst weist die Rolle der Retterin klugerweise von sich. (...) So hätte Trump - statt sich vor einer mit Bussen herangeschafften Menschenmenge in Warschau als Vorkämpfer der westlichen Zivilisation zu brüsten - seiner Führungsrolle gerecht werden können, indem er bedingungslose Friedensgespräche mit Nordkorea eröffnet oder sich glaubhaft für einen palästinensischen Staat eingesetzt hätte. (...)"

Die Schweizer Neue Zürcher Zeitung am Sonntag verteidigt die Arbeitsweise der -20 gegenüber der Demonstranten:

"(...) Doch all die wütenden Demonstranten täuschen sich. Als das G-20-Treffen 1999 aus der Taufe gehoben wurde, ging es in erster Linie darum, die Globalisierung zu zähmen. (...) Auch die Kritik der Demonstranten am angeblich diktatorischen Vorgehen zielt ins Leere. Bisher galt an G20-Gipfeln das Konsensprinzip, also eben nicht das Recht des Stärkeren. Das ist oft sehr harzig und resultiert in Wortwolken, deren Tragweite nur Eingeweihte verstehen. Aber das Resultat ist eine Politik des steten Tropfens, der den Stein höhlt, getragen von Nationen, die zwei Drittel der Weltbevölkerung und vier Fünftel der globalen Wirtschaftsleistung repräsentieren." (APA, dpa)


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